Exit

Ich bin jemand, der gern fast die komplette Produktpalette einer Marke aufkauft, sofern sie mir denn zusagt. Schuhhersteller lieben mich also. Bei Altra ist das auch der Fall. Angefangen hat die Liebe zu der Marke mit dem ZeroDrop im letzten Jahr. Da durfte ich den Superior 2.0 testen. Mittlerweile laufe ich bereits im 3.0. Ein wunderbar direkter, toller Trailrunningschuh, bei dem man den Untergrund spürt. Derartiges Feedback liebe ich. Problematisch wird es, wenn jenes Feedback überhandnimmt. Irgendwann ist dann auch mal Schluss mit lustig. Dann will ich nicht jeden Stein spüren. Vor allem nicht bei längeren Läufen.

Im Februar stand der Lauf beim Kristall-Marathon Merkers auf dem Programm. Unter Tage einen Halbmarathon rennen. Mit vielen Höhenmetern. Vielleicht habt ihr meinen Bericht gelesen. Normalerweise hätte ich da sofort den Superior genommen, aber mit einer lädierten Ferse? Ob das der richtige Schuh ist?

Nun habe ich das Glück, dass ich einen Händler hier um die Ecke habe, der Altras führt. Ich also hin zu dem freundlichen, jungen Mann und ihm die Situation erklärt. „Stephan, ich brauche 1 Schuh, der sich so läuft, wie der Superior, vong Feeling her. Nur mit mehr Dämpfung. Haste?“

Hat er. Geht doch nix über eine präzise Beschreibung des Bedarfs. Der Altra Lone Peak 3.0 ist ein Wolf im Schafspelz. Sieht aus wie ein Schlauchboot, läuft sich aber wie ein Kajak. Mörder Vergleich, was? Aber ich denke, ihr wisst, was ich meine.

Altra Lone Peak 3.0

Der perfekte Schuh für den Marathon unter Tage? Zwei Läufer, eine Meinung: Jepp. Aber auch im Matsch macht er eine gute Figur.

Platz für die Füße

Genau wie alle Altras bietet er eine FootShape Toe Box und ZeroDrop. Auf Deutsch: viel Platz in der Zehenbox und 0 mm Sprengung. Ich will auf die Vorteile dieser Eigenschaften nicht weiter eingehen, denn darüber habe ich im Superior Test schon ausgiebig philosophiert. Nur ein Tipp – lasst euch Zeit mit der Umstellung. Aus meiner Erfahrung macht es die Mischung. Ab und zu mit etwas mehr Sprengung laufen kann auch nichts schaden, eure Waden und die Achillessehne werden es euch danken.

Die mittlerweile fünfte Edition des Lone Peaks (nach Version 1.0, 1.5, 2.0 und 2.5) ist bereits schon am Ende ihrer Lebensdauer. „Wie jetzt? Da kommste jetzt erst mit dem Test?“ Sorry, der kurze Updatezyklus von Altra passte leider nicht so sehr zu der Zeit, die ich mir verletzungsbedingt nehmen musste. Dieses Jahr konnte ich noch nicht so viel rennen, wie ich eigentlich wollte. Dafür dürft ihr euch schon auf den Lone Peak 3.5 freuen, der bereits in den Startlöchern steht. Keine Sorge, das scheint mir eher ein kleines kosmetisches Update zu sein. Das macht den Griff zum reduzierten und sicher nicht schlechteren Vorgängermodell doch viel leichter, oder?

Altra Lone Peak 3.0

Der Lone Peak hat seinen Namen von dem gleichnamigen Berggipfel im US-Staat Utah. Die Grafikoverlays symbolisieren die Bergkette.

Der Sprung vom 2.5 auf den 3.0 war dann schon eher der große Wurf. Der Lone Peak 3.0 bietet nicht nur ein etwas luftigeres Upper, sondern zudem noch eine bessere Passform und eine besser sitzende Fersenkappe. Bei Altra haben sie auch so langsam begriffen, dass wir in Europa auch ein klein wenig auf das Design achten. Der Lone Peak sieht ganz okay aus, allerdings wirkt er durch die vernähten Overlays noch immer ein wenig oldschool. Wo bei anderen Herstellern schon munter verklebt und verschweißt wird, greift man bei Altra noch lustig zur Nadel.

Altra Lone Peak 3.0

BVB-Fans werden sich besonders über das hier vorgestellte Modell freuen. Eine Version für die Anhänger des Rekordmeisters war leider nicht zu haben.

Doch nicht nur beim Upper hat sich einiges getan. Für ordentlich Grip sorgen nun hexagonale Noppen. Jene im schwarzen Bereich sind etwas härter als die im gelben Außenbereich. Gar keine schlechte Idee, denn so wirkt die Sohle je nach Laufstil sehr angenehm und trotzdem griffig. Ich konnte bei all den Läufen kein Mangel feststellen, weder auf festen noch auf weichen Böden, weder bei Nässe noch bei trockenem Untergrund. Im Gegensatz zum Superior hat der Lone Peak übrigens die Stoneguard-Sohle als Sandwich verarbeitet bekommen. Die Frage, ob man sie auf dem Lauf nun mitnimmt oder nicht, stellt sich so nicht.

Altra Lone Peak 3.0

Ok, beim Ausmahlen des schwarzen Bereichs hätten die sich bei Altra etwas mehr Mühe geben können. Ändert aber nichts am Grip. Gott sei Dank.

Der Schuh läuft sich auch auf Asphalt ganz angenehm, so dass man auf dem Weg bis zum Trail nicht schon seine ganzen Körner verliert, wie man so schön sagt. Die 4 Millimeter mehr Dämpfung machen den Schuh recht bequem. Vor allem aber nicht zu bequem – eine Befürchtung, die ich zunächst hatte. So eine Art Sofa kann ich nicht leiden. Das Plus an Gewicht im Vergleich zum Superior, läppische 20 Gramm (315 zu 335g bei Größe 46) sind zu vernachlässigen. Auch steht und läuft man im Lone Peak immer noch genauso sicher wie im Superior. Nie hatte ich das Gefühl umzuknicken.

Altra Lone Peak 3.0

Für die Hardcore-Trailer hat der Lone Peak unter der Schnürung und an der Ferse Befestigungen für die GaiterTraps (formerly known as Gamaschen)

Apropos umknicken. Von dem Schub gibt es noch eine sogenannte NeoShell Mid Edition, welche knöchelhoch ist. Würde ich zum Laufen dann doch eher nicht empfehlen, eher zum Wandern. Auf das Ausstattungsmerkmal NeoShell (Altra bewirbt es mit „better than waterproof“) muss man aber auch beim klassischen Schuh nicht verzichten. Trockene Füße gibt’s in den Neoshell Low Varianten.

Fazit

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob man neben dem Superior noch den Lone Peak im Schuhschrank stehen haben muss? Ja, wenn man das Plus an Dämpfung, genau genommen 4 mm, für erforderlich hält. Bei längeren Läufen mag das sicher die komfortablere Variante eines Trailschuhs sein. Die agilere, direktere Art des Superiors mag ich jedoch lieber, denn sie fordert und fördert den Laufstil mehr. Beim Lone Peak ertappe ich mich oft, in alte Muster zu verfallen und unachtsam durch das Gelände zu rennen. Das rächt sich spätestens nach dem Lauf mit Schmerzen in den Knochen und der Muskulatur – was natürlich nicht heißt, das euch das auch so gehen muss. Das ist wohlgemerkt ein Jammern auf hohem Niveau, denn der Lone Peak ist für die Art Dämpfung, die er hat, immer noch sehr direkt im Vergleich zu anderen Schuhen, die ich bisher in dieser Kategorie testen durfte. Vor die Wahl gestellt, würde ich dennoch zum Superior greifen. Wer’s lieber komfortabler hat, nimmt den Lone Peak. Die luxuriöse Variante sind beide Modelle im Schuhschrank.

Für die Transparenz

Der Schuh wurde mir von Altra Running Germany und Laufmal Kassel zu einem reduzierten Preis zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Altra Lone Peak 3.0

UVP € 159,95
Altra Lone Peak 3.0
8.9166666666667

Passform

95/10

    Design

    75/10

      Stabilität

      95/10

        Dynamik

        85/10

          Verarbeitung

          95/10

            Spaßfaktor

            90/10

              Positiv

              • - Breite Zehenbox
              • - 0 mm Sprengung
              • - Komfortable Dämpfung
              • - Guter Grip

              Negativ

              • - Design oder nicht Design, das ist hier die Frage...

              2 Kommentare

              1. Comment by Thomas

                Thomas Antworten 16. Juni 2017

                Deine Begeisterung über die Altras ist ja mittlerweile zu mir rüber geschwappt. ;) Meine ersten Erfahrungen mit dem Escalante machen schon Lust auf mehr. Mich stört nur 1 Sache: so vong Design her sind die meisten Modelle echt nicht mein Ding… Und zum Glück habe ich auch keinen Dealer um die Ecke. ;)

                Herzliche Grüße

                Thomas

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 16. Juni 2017

                  Nee, stimmt. Da gibt’s nicere Schuhe. :hehehe:

                  Den Escalante habe ich ja auch. Der ist zwar super bequem, nur lange Strecken kann ich damit nicht laufen. Der Fuß hat zu wenig Führung und durch die weiche und sehr flexible Sohle ermüdet er auch sehr schnell.

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