Von keinem Laufschuh hatte ich mehr Exemplare, als vom New Balance Race 1500. Wenn ich mich nicht verzählt habe, was in meinem fortgeschrittenen Alter schon mal passieren kann, dann waren es bisher vier. Jetzt kommt in einer etwas abgewandelten Form die Nummer 5 hinzu. Ich darf die Variante mit dem BOA® Fit System testen.

Halt, halt. Es gibt noch einen Unterschied. Nämlich dieses T2 hinter der 1500. Das Kürzel steht für Transition 2, also für die zweite Wechselzone beim Triathlon. Was wiederum bedeutet: der Schuh passt so gut zu mir, wie Helene Fischer zum Wacken Festival. So zumindest die Theorie. In der Praxis sieht das ein klein wenig anders aus, aber dazu später.

First Look: Der New Balance 1500T2 BOA

New Balance 1500T2 BOA

Huch, der sieht ja gar nicht mehr so aus, wie mein geliebter Race 1500. Ob der sich zumindest so läuft?

Die Modelle der 1500er Serie waren ja schon seit jeher nicht die hässlichsten Exemplare unter der Sonne. Mit dem 1500T2 BOA schießt New Balance jedoch den Vogel ab. Wow, sieht der gut aus! Über den Radschuh-Look kann man sich vielleicht streiten, aber das grelle Gelb in der Herrenversion und das knackige Pink des Damenschuhs sind schon arg auffällig und ziemlich cool.

New Balance 1500T2 BOA

Die leichte Pronationsstütze ist dezent schraffiert kenntlich gemacht. Genauso dezent nimmt man sie auch wahr.

Völlig neu ist die Bootie-Konstruktion aus einem Hightech-Strickgewebe. Letzteres erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus dem Nike Flyknit Racer und dem Nike Free 4.0 Flyknit. Solch ein Gewebe ist von der Stabilität immer ein wenig kritisch. Das BOA® Fit System wirkt jedoch recht unterstützend auf den Halt.

New Balance 1500T2 BOA

Durch das grobe Mesh kommt ordentlich Luft an die Füße. Theoretisch steht einem heißen Ironman also nichts im Wege.

Der eigentliche Grund, wieso ich seit jeher ein Fan der 1500er Serie bin, dürfte die REVlite Zwischensohle sein. Gott sei Dank haben sie auch bei diesem Modell nichts an dieser reaktionsfreudigen Sohle geändert. Mit ihr kann man schnell und dennoch einigermaßen gut gedämpft und unterstützt unterwegs sein.

New Balance 1500T2 BOA

Never change a running system: griffige und mittlerweile auch haltbare Sohle mit 6 mm Sprengung.

Noch eine Eigenschaft, die dem Schuh geblieben ist: die weiche Fersenkappe. Ihr erinnert euch an meine anfängliche Skepsis beim Test des ersten Race 1500? Nein? Okay, nicht schlimm. Noch immer verspürt man keinen Druck an der Ferse. Durch die Bootie-Konstruktion ist sie sogar noch ein wenig geschmeidiger. Was geblieben ist, sind die Laschen. Diesmal mit »FIRST IN« und »FIRST OUT« beschriftet. Wieder eine Anspielung auf die Wechselzonengeschichte. Tangiert mich im fortgeschrittenen Läuferalter eher nur peripher.

New Balance 1500T2 BOA

FIRST IN. FIRST OUT. In Corona-Zeiten, in denen man ja allein laufen soll, ist das selbst für mich kein Problem.

Noch eine kleine Bemerkung zum BOA® Fit System: Falls ihr dieses Schnürsystem noch nicht kennen solltet – das ist sozusagen ein Zukaufteil, also keine Eigenentwicklung von New Balance. Ihr findet es beispielsweise auch bei adidas TERREX Trailschuhen oder an Schuhen von Asics, Saucony und Icebug. Mehr dazu hier.

New Balance 1500T2 BOA

Die Details, die den Schuh ausmachen: das BOA® Fit System (links) und die sockige Bootie-Konstruktion (rechts).

Der New Balance 1500T2 BOA in der Praxis

„Hey, Martin. Was willste da groß testen? Ist ein 1500er. Den kennste doch.“ Ja, haste gedacht. Okay, die Sohle ist gleich. Macht schon mal die halbe Miete. Das, was die bei New Balance aber oben drauf gezimmert haben, ist schon zunächst gewöhnungsbedürftig.

Ich hatte mir erst ein paar Wochen vor dem Eintreffen des Testexemplars noch den Race 1500v5 gekauft. Nur zur Bekräftigung, dass man von diesem Schuh nicht genug bekommen kann. Nein, im Ernst – war im Angebot, und ich mag ihn wirklich. Mit jenem Modell lief es sich wie gewohnt. Und dann das…

Es beginnt schon allein damit, dass man statt 255 Gramm beim v5 nur noch 235 Gramm in der Hand hält bzw. am Fuß kleben hat. Das luftige Gewebe – Werbetexter nennen es atmungsaktiv – nötigt mich, den Schuh in den Wintermonaten erst mal im Regal stehen zu lassen. Aber jetzt im Frühjahr und im Sommer kommt das gelbe Kerlchen ganz groß raus, sag ich euch.

Nun, wo wenig Material ist, ist auch weniger Halt – will man meinen. Wenn man das BOA Schnürsystem so zaghaft zuzieht, wie ich das beim ersten Lauf gemacht habe, dann ist das auch der Fall. Aber man ist ja lernfähig. Nach ein paar Kilometern habe ich den Dreh raus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Material über dem Vorfuß wirft zwar ein wenig Falten, wenn ich die Schnürung stramm zuziehe, aber das liegt wohl am schmalen Füßlein.

Wenn der 1500T2 BOA dann erst mal sitzt, dann flitzt er auch fast von allein. Will heißen: Langsam rennen macht keinen Spaß. Der 1500er performt wie eh und je, das einzige Limit ist der Mensch, der ihn trägt.

Mein Fazit zum New Balance 1500T2 BOA

Danke, New Balance. Zum einen für den Testschuh und zum anderen dafür, dass ihr „meinen“ 1500er nicht verschlimmbessert habt. Anfangs war ich schon ein wenig skeptisch. Dieses Bootie-Dingens und dann noch das BOA Schnürsystem. Tut das wirklich Not? Der Schuh war doch perfekt. Ein paar Kilometer später bin ich überzeugt. Auch in dieser Version würde ich den gelben Flitzer mit auf die Marathonstrecke nehmen. Für den Fall, dass ich irgendwann nach der Corona-Zwangspause mal wieder meine Bestzeit in Angriff nehmen will.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von New Balance Deutschland hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

New Balance 1500T2 BOA

130 EUR
9.8

Passform

9.5/10

Design

10.0/10

Stabilität

9.0/10

Dynamik

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Leicht
  • Dynamisch
  • Passform
  • BOA System

Negativ

  • fällt mir spontan nichts ein

5 Kommentare

  1. Comment by Tobias

    Tobias Antworten 14. April 2020

    Hallo Martin,
    wie üblich ein schön geschriebener Test ;-)
    Interessanterweise laufe ich schon einige Zeit den 1500 V4 Boa und nutze diesen gerne für schnelle Einheiten, Intervalle und Rennen (was ja momentan leider wegfällt).
    Wo siehst du den T2 im Verhältnis dazu?
    Noch eher die optimale Rennsemmel, weil etwas leichter?
    Viele Grüße aus Belgien,
    Tobias

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 14. April 2020

      Danke für dein Lob, Tobias. :)

      Der 1500 V4 Boa, den du hast, ist der Vor-Vorgänger dieses Schuhs hier und heißt eigentlich 1500T2 V4 BOA, siehe auch hier im Testbericht von Thomas. Und ja – das neue Modell dürfte noch mal wesentlich leichter sein.

      • Comment by Tobias

        Tobias Antworten 14. April 2020

        Ach herrje, New Balance und die fragwürdigen „Namen“ … da muss man(n) ja durcheinander kommen :P
        Den Bericht von Thomas zum V4 kenne ich ;-)
        Auf jeden Fall danke für die Erklärung :-)
        Den T2 werde ich dann auch mal im Hinterkopf behalten.

        • Comment by Martin

          Martin Antworten 14. April 2020

          Um die Verwirrung komplett zu machen: Der hier heißt eigentlich 1500T2 V6 BOA. :hehehe:

          • Comment by Tobias

            Tobias 14. April 2020

            Zum Glück sind die Schuhe besser als die Benennung der guten Teile ^^

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