Exit

So Kinners, ich hab nicht viel Zeit. Beim Schreiben dieses Beitrages muss ich ein wenig Gas geben, sonst ermahnt mich der gefürchtete rote Balken meines vívofit-Armbandes wieder. Und wer will das schon? Schließlich wollen wir ja alle fit bleiben – nicht umsonst sind die sogenannten Actifity Tracker derzeit hoch im Kurs.

Kleiner Zeitsprung zurück – wir schreiben den 15. Oktober 2013. Ich bin mutig und steige auf die Personenwaage im Bad. Oups – die 95 Kilomarke wurde im wahrsten Sinne des Wortes gesprengt. Wenn ich so weiter mache, berstet auch die geliebte Jeans mit der 34er Bundweite. Kurzerhand opfere ich nicht wenige Euro für ein paar neue Laufschuhe, vorsorglich mit Trailsohle (der Winter naht) und fange wieder an, meinen aus der Form geratenen Körper durch die Landschaft zu quälen.

500000Spätsommer 2014. Drei Bundweiten kleiner und -17kg später. Ich trage ein Fitnessarmband. ICH! Hätte man mir das vor einem Jahr gesagt – ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Allein durch das Tragen des Armbandes nimmt man nicht ab, habe ich mir sagen lassen. 10.000 Schritte pro Tag sollten es schon sein, wenn man einigermaßen fit bleiben will. Das vívofit geht bei der Inbetriebnahme daher von diesem Tageswert aus, erhöht oder reduziert ihn allerdings automatisch, je nachdem wie aktiv man ist. Bei meinen derzeitigen Laufambitionen sollten die 10.000 allerdings gut machbar sein, denke ich mir. An Tagen, an denen ich Laufpause habe, ist es jedoch gar nicht so einfach, vor allem, wenn man, so wie ich, einen Schreibtischjob hat. In den vier Wochen seit Testbeginn bin ich dennoch auf 500.000 Schritte gekommen, mache also durchschnittlich rund 16.000 Schritte pro Tag. Nicht übel, finde ich.

SchlafDas vívofit sollte, wie jeder andere Activity Tracker auch, Tag und Nacht getragen werden. Ansonsten macht es wenig Sinn, und man kann ebenso gut beispielsweise ein iPhone zum Zählen der Schritte nutzen. Apropos Tag und Nacht – ein nettes Gimmick ist die Überwachung der Schlafphase. Gibt man auf Garmin Connect an, wann man üblicherweise sein müdes Haupt zu Bette trägt, nervt das Band in dieser Zeit nicht mit der Anzeige des roten Balkens. Gnädig, oder? Alternativ kann man auch am Gerät selbst den Sleep-Modus aktivieren, falls man mal im Büro eine Stunde Power-Napping machen möchte. Soll ja auch sehr gesund sein, habe ich gehört.

RekordOk, wir wollen aber nicht schlafen, sondern uns bewegen. Sinnvollerweise motiviert das Band daher auch mit der Angabe der zurückgelegten Distanz in KM und der verbrauchten Kalorien. Wer sich einen passenden Brustgurt ordert, darf zudem die Herzfrequenz überwachen. Da fragt sich manch einer, wieso man noch für teures Geld eine Laufuhr kaufen soll, wenn das Band schon fast das eierlegende Wollmilchferkel (für eine Sau reicht es noch nicht) ist? Ehrlich gesagt: für den ambitionierten Anfänger ist die Idee gar nicht so verkehrt. Ich habe auf meinen langen Läufen im Vergleich zu meinem Garmin Forerunner 220 (der misst mit GPS) eine Abweichung von 1-2% feststellen können. Ich denke, damit kann man leben. Die Uhrzeit zeigt das vívofit auch an, somit hat man alles, was man braucht. Bis auf die Beleuchtung vielleicht…

Womit ich endlich auch mal zum vívofit selbst kommen möchte: selbiges trägt sich sehr komfortabel. Es wiegt kaum was (25,5g), der Verschluss lässt sich gut anpassen. Falls man es mit dem Abnehmen übertreibt, liegt in der Verpackung noch ein kleineres Armband bei. Allerdings ebenfalls in mausgrau (oder ist es ein steingrau?). Farbenfrohere Varianten gibt es allerdings auch. Entweder man ist mutig und entscheidet sich beim Kauf oder ordert sie später als Add-On. Ein nicht ganz billiges Vergnügen, zu den 119 EUR (UVP) für das vívofit kommen dann noch einmal knapp 25 EUR. Wer es also gerne bunt mag – bitte sehr.

Befassen wir uns lieber mit technischen Details. Ein Aufladen des Geräts ist nicht nötig, die Batterien halten laut Herstellerangabe ein Jahr und lassen sich wechseln. Die Übertragung der Daten an das Portal Garmin Connect erfolgt am einfachsten mit dem beiliegenden USB-Dongle und der dazugehörigen Software namens Garmin Express. Wer bereits ein anderes Garmin-Produkt, wie zum Beispiel einen Forerunner nutzt, kennt die Software bereits und kann diese auch zum Koppeln des Bandes nutzen. Firmware-Aktualisierungen und die Ersteinrichtung nebst Nutzerangaben erfolgen ebenfalls auf diesem Weg.

Wie es sich für ein Sportgerät gehört, ist das vívofit wasserdicht. Das E-Ink-Display lässt sich gut ablesen, ist aber, wie schon erwähnt, nicht beleuchtet. Beim Sport mag das verzichtbar sein, aber gerade beim Aktivieren des Sleep-Modus musste ich immer noch mal das Licht anmachen, denn der erfolgt, wenn man die einzige Taste des Bandes eine bestimmte Zeit lang drückt.

Mein Fazit nach vier Wochen und 500.000 Schritten

Ich sag’s mal so: ich hab das vívofit gerne genutzt. Wenn sich das für euch jetzt so anhört, als würde ich es nicht weiter tragen – ja, stimmt. Aber nur aus einem Grund. Meine Beste will es unbedingt haben. Sie ist der Meinung, ich hätte ja schon den Forerunner, und der würde reichen. Ja, so gesehen hat sie ja recht. Aber irgendwie werde ich den kleiner Miesepeter am rechten Handgelenk doch vermissen. Ewig die Furcht vor dem Balken, der sogar noch meckert, wenn man schon knapp 25.000 abgerockt hat. Dann die Blicke der Kollegen – gucken die so, weil sie den alten Sack jetzt für völlig übergeschnappt halten oder weil sie neidisch sind? Werde ich wohl nie erfahren. Und auch die Challenges mit anderen „vívofitern“ auf Garmin Connect werde ich missen. Wie stehe ich denn jetzt überhaupt da, wenn plötzlich meine Schritte nicht mehr in der Bestenliste auftauchen? Ich muss mir das mit dem Abtreten des Bandes noch mal überlegen…

Für die Transparenz

Das vívofit Armband wurde mir von Garmin kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

6 Kommentare

  1. Comment by Frank Stephan

    Frank Stephan 18. August 2014

    Öööööh Streber! 500.000 Schritte – gibts wohl nicht. :-D

  2. Comment by Pixelaffe (@Pixelaffe)

    Pixelaffe (@Pixelaffe) 22. November 2014

    Ich habe jetzt selbst seit 3 Wochen das vivosmart am Mann, mir macht es schon Spaß und ich finde die „smarten“ Funktionen recht sinnvoll.

    • Comment by Martin

      Martin 22. November 2014

      Das vivosmart-Band würde mich auch mal interessieren. Vielleicht frage ich noch mal bei Garmin an. :hehehe:

  3. Comment by Barbara Weise

    Barbara Weise 28. November 2016

    Ich bin 69 Jahre alt und trage mit viel Vergnügen die Fitnessuhr, weil ich wissen will wie viel ich täglich laufe und wieviel ich schlafe. Mich wundert allerdings, dass sich däs Tagesziel beim Laufen ständig ändert . Wenn ich das Ziel nicht erreiche weil ich keine Lust habe bei Regen zu laufen, dann muss man doch nicht auf meine Faulheit eingehen und das Tagessoll reduzieren.

    • Comment by Martin

      Martin 28. November 2016

      Hallo Barbara,
      vielen Dank für deinen interessanten Kommentar.
      Manchmal ist das Tagessoll bzw. -ziel ja nicht von der Faulheit abhängig, sondern von der derzeitigen Fitness oder vielleicht auch von einer Erkältung oder einer Verletzung. Insofern ist es ganz gut, dass sich die Änderung besonnen und manchmal sogar durchaus intelligent und nicht einfach nur auf Teufel komm raus anpasst.
      So schön die Technik auch ist – man sollte sich nicht zum Sklave dessen machen. ;)

  4. Comment by Mike

    Mike 29. November 2016

    Interessantes Produkt und sehr unterhaltsam beschrieben das Ganze. Ich sehe schon, dass Garmin in dem Bereich der Sportuhren und Fitnesstracker ziemlich zulegt. Ich habe immer noch meine alte Polaruhr mit Brustgurt am Start. Recht unverwüstlich der alte Plastiklump aus den 90ern. Wenn man sich eine allumfassende Fitnessuhr holen möchte, mit Schrittzähler und allem drumm und dran, was würdest Du dann empfehlen?

    Geld spielt eine eher untergeordnete Rolle, da ich der Meinung bin, dass ich meine Polar lange genug getragen habe und ich mir jetzt ruhig mal was neues gönnen darf:-)

Kommentare geschlossen.

Close
Go top