Meine ersten Annäherungsversuche an die Marke HOKA ONE ONE waren von bescheidenem Erfolg gekrönt. Der Clifton 2 und ich wurden nicht so richtige Freunde. Ganze fünf Jahre später veranlasste mich mein Knieleiden doch noch einmal dazu, einem EVO Speedgoat eine Chance zu geben. Und siehe da, mit ihm habe ich einen neuen Favoriten auf dem Trail gefunden. Lange Rede, kurzer Sinn: Mittlerweile stehen hier neun (!) HOKA ONE ONE Modelle im Schuhregal. Einer davon ist der neue HOKA ONE ONE Zinal, der mir als Testschuh bereitgestellt wurde.

First Look: Der HOKA ONE ONE Zinal

HOKA One One Zinal

Mit dem Zinal präsentiert HOKA ONE ONE den leichtesten und schnellsten Trailrunning-Schuh im Programm. Eher ungewöhnlich für die Marke ist die geringe Standhöhe von 22 mm (Ferse) und 18 mm (Vorfuß), was einem Drop von 4 mm entspricht. Witziger Weise findet man überall im Netz und selbst auf der HOKA Website unterschiedliche Werte zur Höhe. Ich vertraue mal den Angaben von Gabe Nicasio, dem Entwickler des Schuhs. Wenn der es nicht weiß…

HOKA One One Zinal

Der Zinal hat seinen Namen vom dem berühmten Berglauf Sierre-Zinal. Nicht ohne Grund war daher das Ziel bei der Entwicklung des Schuhs möglichst viel Gewicht einzusparen und trotzdem noch ein wenig HOKA Feeling zu erhalten. Augenscheinlich gespart wurde am Volumen der PROFLY-Zwischensohle, welche aus ultraleichtem Schaumstoff und dämpfendem EVA besteht. Selbst Overlays findet man auf dem Obermaterial nur an wenigen Stellen.

HOKA One One Zinal

Auch die Vibram Litebase-Außensohle kommt reduziert daher. Sie bedeckt nur den vorderen und den hinteren Bereich der Sohle. Die Noppen bieten 4 mm Profil für den altbewährten Vibram-Grip auf trockenem und nassem Untergrund. Man muss allerdings kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die Reduzierung der Noppenbereiche kein Gripmonster hinterlassen hat.

HOKA One One Zinal

Die auffällig orangene Mesh-Konstruktion besteht aus recycelten Garnen und TPU. Von den minimalen Folien-Overlays würde ich nicht unbedingt viel Schutz erwarten. Aber hey – dafür ist der Zinal ja auch nicht gemacht.

HOKA One One Zinal

Schon beinahe verwunderlich ist die opulente Polsterung des Fersenbereichs, während man bei der Zunge auf ein eher hauchdünnes, belüftetes Exemplar setzt. Dennoch: Die flachen, HOKA-typischen Schnürsenkeln verteilen den Druck angenehm auf der Zunge, da gibt es nichts meckern.

HOKA One One Zinal

Der HOKA ONE ONE Zinal in der Praxis

Was liegt näher, als den HOKA ONE ONE Zinal mit dem Speedgoat zu vergleichen? In meinem Regal steht der EVO Speedgoat, also die Wettkampfversion des regulären Modells. Der Schuh, mit dem Jim Walmsley ein Rennen nach dem anderen gewinnt. Ja okay, von Jim Walmsley bin ich so weit weg, wie unsere Altparteien von einer vernünftigen Klimapolitik. Aber ich wollte es nur einmal erwähnt haben.

HOKA One One Zinal

Nun ist der HOKA ONE ONE EVO Speedgoat ja prinzipiell ein Schuh, der wie geschaffen für lange Kanten ist – siehe auch Walmsleys Schuhwahl beim Western States 100. Der HOKA ONE ONE Zinal wurde jedoch für kürzere Distanzen auf technisch anspruchsvollem Terrain entwickelt. Dass das ganz gut hingehauen hat, beweisen die ersten drei Podestplätze der Damen beim diesjährigen OCC: Allesamt gelaufen im Zinal. Wobei der OCC ja immer noch 56 km lang ist – das zum Thema kürzere Distanz.

HOKA One One Zinal

Ganz so exzessiv sind meine Runden dann doch nicht, aber dafür bin ich inoffizieller Weltmeister im Durchsatz von Testschuhen. Jenes grell orangene Exemplar von HOKA ONE ONE besticht durch seinen schmalen Leisten schon einmal mit einer Passform, die meinen schmalen Füßen sehr gelegen kommt, was nicht heißen soll, dass der Schuh eng ist. Den Platz in der Zehenbox würde ich als sehr geräumig bezeichnen. Apropos grelles Orange: Spätestens gegen Ende des Herbstes dürfte es sich mit der Jungfräulichkeit der Farbe erledigt haben. Schon der erste Ausflug über den matschigen Trail offenbart, dass selbst ein ausgiebiges Schrubben den Urzustand der Farbe nicht wiederbringen kann.

HOKA One One Zinal

Nun ja, wir sind ja nicht auf dem Laufsteg, sondern auf dem Trail. Und dort gefällt mir wirklich gut, dass sich der Zinal noch einmal spürbar stabiler als der Speedgoat läuft. Klar muss man Abstriche in der Dämpfung machen, und auch der Grip ist wegen der nicht ganz durchgängigen Noppen sicher nicht ganz so gut.

HOKA One One Zinal

Dass man bei dem Obermaterial an Overlays gespart hat, ist dem Zinal nicht anzumerken. Der Schuh ist trotzdem sehr stabil und sitzt perfekt.

Mein Fazit zum HOKA ONE ONE Zinal

Der HOKA ONE ONE Zinal ist der perfekte Trailschuh, wenn einem der Speedgoat “too much” ist. Bis zur Einführung des Zinals dachte ich eigentlich, das wäre unmöglich. Aber hey, der wiegt tatsächlich noch einmal 20 Gramm weniger. Zugegeben: Er hat nicht ganz das HOKA typische Sofafeeling, aber dennoch eine vollkommen ausreichende Dämpfung. Vor allem macht er Spaß, und das ist doch das Wichtigste!

HOKA One One Zinal

 

Für die Transparenz

Der HOKA ONE ONE Zinal wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

HOKA ONE ONE Zinal

160 EUR (UVP)
9.7

Passform

10.0/10

Design

9.5/10

Funktion

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Preis/Leistung

8.5/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Geräumige Zehenbox
  • Bequemes Obermaterial
  • Stabiler Halt

Negativ

  • nicht ganz billig

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close
Go top