Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Dieses Jahr also kein Ultra für den kleinen Martin. Ich will aber nicht meckern, denn der Umstand, dass dieses Jahr keine Wettkämpfe stattfinden, ist sicher das kleinste Problem, wenn es um das Thema Corona geht. Außerdem habe ich das Glück, dass ich mich mit Schuhen trösten kann, die zumindest den Ultra im Namen tragen…

Sozusagen als Fortsetzung zum Testbericht des inov-8 X-Talon G 235, der eher für die kurzen Strecken geeignet ist, schauen wir mal, was der »world leader in grip« noch so zu bieten hat. Da mich dieses Graphendingens doch recht begeistert hat, habe ich mir den inov-8 Terraultra G 260 als neuesten Testkandidaten ausgeguckt. Hier ist er…

First Look: Der inov-8 Terraultra G 260

Rein von der Optik her sticht der Schuh schon einmal heraus. Wer sich mit der giftgrünen Variante nicht anfreunden kann – der Terraultra G 260 ist auch noch in einer gedeckteren blauen Variante mit grauer Sohle erhältlich. Aber wer will das schon? Das Grün sieht genial aus. Fast könnte ich meine Vorliebe für rote Schuhe vergessen.

inov-8 Terraultra G 260

9mm Vorfuß. 9mm Ferse. Da muss man kein Mathegenie sein: 0 mm Sprengung. Wer das nicht gewöhnt ist, sollte sich vorsichtig an die Ultradistanz herantasten.

Der Terraultra G 260 ist beinahe ein Überraschungs-Ei, wenn die von inov-8 mit dem Namen nicht schon das Gewicht verraten hätten. 260 Gramm soll er wiegen. In meiner Größe 43 sind es ein paar Gramm mehr. 283 sagt die Küchenwaage, rein optisch wiegt er viel mehr. Für einen Schuh, der auf Ultras überzeugen soll, ist das jedenfalls beachtlich wenig. Ob man da ein Dämpfungswunder erwarten kann?

inov-8 Terraultra G 260

Die EXTEROFLOW Mittelsohle soll Stoßkräfte minimieren und ein Höchstmaß an Dämpfung bieten, ohne dabei das Gefühl für den Untergrund zu beeinträchtigen.

Das Obermaterial macht schon mal einen äußerst robusten und sehr wertigen Eindruck. Die Verarbeitung und die Verwendung von Kevlar Overlays lassen hoffen, dass man an dem Schuh lange Freude haben wird.

inov-8 Terraultra G 260

Querrillen in der Graphen-verstärkten Außensohle ermöglichen multi-direktionale Flexibilität und somit natürliches Laufen.

inov-8 Terraultra G 260

Rundumschutz vorn, leicht gepolsterte aber dennoch komfortable Fersenkappe hinten. Den Terraultra G 260 bringt optisch schon mal nichts aus der Spur.

Der inov-8 Terraultra G 260 in der Praxis

Was nicht so oft vorkommt, aber sicherlich ein Beweis dafür ist, dass ein Schuh mich nach dem ersten Test überzeugt hat: Ich ziehe den Schuh gleich auf einem längeren Lauf an. Beim inov-8 Terraultra G 260 ist das noch mal einen Tacken erwähnenswerter, denn der Schuh hat 0 mm Sprengung. Also Zero Drop, wie man mittlerweile neudeutsch sagt. Zwar bin ich schon in LunaSandals, Merrells und Altras herumgerannt, doch das ist schon eine Weile her.

Zero Drop ist jedoch nicht das einzige Merkmal, was den Terraultra G 260 als Schuh für natürliches Laufen auszeichnet. Die Sohle ist ähnlich flexibel, wie die des X-Talon. Das hätte ich ehrlich nicht erwartet, bei einem Schuh, der einen auf Ultras begleiten soll.

inov-8 Terraultra G 260

Hoppla, der Terraultra ist aber ganz schön flexibel. Kaum ein anderer Trailschuh bei mir im Regal lässt sich so verbiegen. Zumindest keiner, der für Ultras taugt.

Die Flexibilität hat den Vorteil, dass man von der Bodenbeschaffenheit viel mitbekommt und ein natürliches Laufverhalten beibehalten kann – wenn man denn kann. Gleichzeitig steht man mit 0 mm Sprengung und nur 9 mm Sohlenaufbau sicher im Schuh und hat nie das Gefühl umzuknicken. Die Dämpfung ist durchaus okay, ein Sofa ist der Terraultra G 260 aber sicher nicht.

inov-8 Terraultra G 260

Die geräumige Zehenbox erinnert mich an die Altras, die ich bereits hier vorgestellt habe. Im Vergleich dazu habe ich im inov-8 jedoch nie das Gefühl, dass der Fuß im Schuh rumrutscht. Übrigens der Grund, wieso ich keine Altras mehr laufe. Mein Fuß ist einfach zu schmal für die Marke.

Apropos schmal – der kürzlich hier getestete X-Talon hatte ja den Fitscale 2. Also kurz vor ganz schmal. Der Terraultra ist im geräumigsten Bereich 5 angesiedelt. Merkt man.

inov-8 Terraultra G 260

Letztendlich hat mich der Terraultra G 260 positiv auf seinem ersten längeren Lauf überrascht. Trotz für hiesige Verhältnisse relativ anspruchsvollem Profil hielt sich der Muskelkater in den Waden in Grenzen. Dennoch würde ich zur Vorsicht raten – die nicht vorhandene Sprengung und die flexible Sohle sind gewöhnungsbedürftig.

Wo wir gerade beim Thema Sohle sind: Die Einlegesohle musste ich leider gegen ein anderes Exemplar austauschen, weil deren Rand inkompatibel mit meiner Ferse ist. Da hatte ich schon lange keine Blase mehr.

Mein Fazit zum inov-8 Terraultra G 260

Keine Ultras weit und breit, und so richtig schönes Sauwetter lässt auch auf sich warten. Auch wenn ich den Terraultra G 260 mangels Extrembedingungen daher nicht unter Extrembedingungen testen konnte, traue ich ihm Einiges zu. Wie schon beim X-Talon überzeugt die Graphen-verstärkte Außensohle, die wirklich keinerlei Verschleiß zeigt. Nicht mal ansatzweise. Wenn die tausende Kilometer überlebt, wäre ich nicht überrascht.

»Natural (Ultra-)Running«, dezent gedämpft, mit spürbarem aber nicht störendem Bodenfeeling. Das macht wirklich viel Spaß. Vom Laufgefühl ist der Schuh schwer zu toppen. Daher: Klare Empfehlung!

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von inov-8 hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

inov-8 Terraultra G 260

165 EUR
9.5

Passform

10.0/10

Design

9.5/10

Stabilität

8.5/10

Dynamik

9.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Natürliches Laufen
  • Verarbeitung
  • Passform

Negativ

  • Einlegesohle

2 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 18. Mai 2020

    Oha… grüne Schuhe statt rote?! Wie passt das denn ins Regal? ;) Das Bild mit der Brücke ist sehr, sehr schön. Kann ich das als Hintergrundbild haben?

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 19. Mai 2020

      Grün passt toll zu rot. Kein Problem.

      Du willst doch nicht ernsthaft ein alten, rennenden Mann als Hintergrundbild haben? Du hast doch genug Bilder von dir! :hehehe:

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