Exit

Eigentlich bin ich eher der Straßenläufer, doch gerade zur Winterzeit gönne ich mir den ein oder anderen Lauf in die umliegenden Wälder. Ich traue mich nicht wirklich, meine Lieblingsstrecken als Trail zu bezeichnen. Echte Trailrunner, wie Hendrik beispielsweise, würden mich dafür auslachen. Allerdings gibt es die ein oder andere Stelle, bei der man ohne den passenden Schuh ganz schön alt aussieht. Doch dazu gleich mehr.

Bisher war der Trailschuh meiner Wahl ein Asics Gel-Fujitrabuco 2 GTX. Zu Beginn meiner Läuferkarriere im Herbst letzten Jahres war mit knapp 95kg auf der Waage die Auswahl an Laufschuhen nicht sehr groß, und da bot sich dieser stabile, aber doch recht schwere Schuh an. Mittlerweile komme ich mit ihm aber überhaupt nicht mehr klar und so war ich froh, dass mir Mizuno den Wave Mujin zu einem Test bereitgestellt hat. Schauen wir doch mal, ob ich damit besser zurecht komme. Ich nehme euch mal mit auf einen Lauf…

Rein & los

Der Wave Mujin ist nicht mein erster Mizuno. Für schnelle Läufe gibt es kaum einen besseren Schuh bei mir im Schrank, als den Wave Inspire 10 (hier das Nachfolgemodell). Sehr leicht und direkt, trotzdem im Fersenbereich optimal gedämpft. Mit diesen Erwartungen einen Test mit einem Trailschuh starten – ob das gut geht?

Die Passform des Mujins ist schon einmal ähnlich. Wie im Inspire habe ich viel Platz in der Zehenbox. Im Vergleich zu meinen Asics Modellen (Größe 44,5) fallen die Mizunos recht groß aus. Hier trage ich eine halbe Nummer kleiner, der Mujin könnte sogar mit 43,5 noch passen. Auch sonst gibt es nichts zu meckern. Passt, sitzt und hat Luft. Es kann also losgehen.

Die ersten Kilometern bis in’s Gehölz gehen über den Asphalt. Das lässt sich nicht vermeiden. Auch der Regen nicht. Der jedoch sorgt für optimale Testbedingungen, denn Grip auf trockenem Untergrund? Das kann ja jeder.

Hier zeigt sich schon mal, dass ein Trailschuh in’s Gelände gehört. So richtig gut vom Fleck komme ich nicht, was sicher auf die grobe Sohle zurückzuführen ist. Die Dämpfung ist gut, schon fast zu gut. Kein Wunder, denn der Mujin ist ein Supportschuh mit maximalen Dämpfungseigenschaften und einer Sprengung von 13mm. Dadurch muss ich Abstriche in der Direktheit hinnehmen, die ich vom Inspire gewohnt bin. Ich laufe ein wenig schwammig. Aber damit habe ich gerechnet, insofern ist das nicht als Kritik zu verstehen. Mit einem Winterreifen fährt man ja auch kein Formel 1 Rennen.

Ab in’s Gelände

Nach knapp 2 km kann der Mujin nun zeigen, was er kann. Es geht links ab auf einen leicht abschüssigen Trampelpfad an einem Feld entlang. Feuchtes Gras, von dem nur noch wenig übrig ist. Dafür Matsch wohin das Auge reicht, garniert mit Laub, welches aufgrund seiner Nässe noch nicht weg geweht ist. Hier habe ich mit normalen Straßenlaufschuhen schon mal einen bösen Salto gedreht, doch dem Mujin traue ich hier alles zu. Ich gebe also Gas, der Schlamm spritzt, und das wasserabweisende Obermaterial darf mal zeigen, ob es seinen Namen verdient.

Mizuno Wave Mujin
Am Ende des Weges sehe ich und auch der Schuh nicht mehr ganz klinisch rein aus, aber ich bin ohne Blessuren durch gekommen und die Füsse sind auch noch trocken. Was will man mehr?

Jetzt geht es kurz über die Landstraße auf einen Feldweg. Ein von Traktoren ausgefahrener Weg mit ein paar Pfützen mittendrin verleitet zum Zickzack-Lauf. Das macht Spaß und der Schuh darf wieder zeigen was er kann. Was ich allerdings nicht kann: meckern. Es läuft und langsam wird das Kind in mir wach. Jetzt, wo der Schuh eh schon dreckig ist, nehme ich jede Pfütze mit, sei sie auch noch so tief und so matschig.

Mizuno Wave Mujin
Nach ein paar Metern geht es jetzt hinauf in den Wald. Auf STRAVA ist das mein Segment Running up that hill – wie passend. Bis zu 17% Steigung über Stock und Stein – recht anspruchsvoll für mich, denn ich bin derzeit nicht zu 100% im Training. Für den Schuh ist das aber eher kein Problem. Er beißt sich in den Hang, wie seinerzeit Luis Suárez in die Schulter von Chiellini.

Nun geht’s weiter über ein paar Kilometer Waldweg. Auch hier läuft sich der Wave Mujin recht angenehm. Wer es naturnah mag, dem sei aber gesagt, dass man eher wenig vom Untergrund vermittelt bekommt. Natural Running ist für den Mujin ein Fremdwort, da kann sicher mehr der Wave Hayate trumpfen.

Bergab geht es langsam wieder zurück. Bei dieser Passage bin ich froh, dass die Ferse gut gedämpft ist. Nach ein paar Metern entdecke ich links des Weges einen kleinen Trailpfad, auf dem ich die bald folgende Kehre abkürzen kann. Grazil wie ein junges Reh nehme ich die Herausforderung an und stürze mich den Berg hinab.

mujin_03
Wie schon zuvor besteht die eigentliche Schwierigkeit darin, meine mangelnde Koordination auf die Reihe zu bekommen. Trail muss ich noch üben. Vielleicht sollten alte Männer sich doch eher den Massen eines Stadtmarathons anschließen. Egal, es macht trotzdem Spaß und ich lerne, das Matsch nicht gleich Matsch ist.

Mizuno Wave Mujin
Nun sieht der Schuh endlich aus, wie ein richtiger Trailschuh aussehen muss. Ich kann mich also beruhigt auf den Rückweg machen. Nach 11,3 km ist die Tour zu Ende, und ich klingele völlig verdreckt an der Haustür. Erste Reaktion vom Nachwuchs: „Naja, so ganz appetitlich siehst du ja jetzt nicht aus, Papa!“

Mizuno Wave Mujin
Ok. So ganz unrecht hat er nicht. Aber was tut man nicht alles, um einen Schuh auf Herz und Nieren zu testen. Die Füße sind übrigens weitgehend trocken geblieben. Es muss also nicht immer GTX sein. Schauen wir aber noch mal unter die Haube…

Little Known Facts

Ergänzend zu den technischen Daten auf der Herstellerseite möchte ich euch noch ein paar Details verraten, die mir aufgefallen sind. Da wäre zum Beispiel das Thema Gewicht. Der Schuh in bringt in meiner Größe 325g auf die Waage. Vergleichen mit dem Asics Gel-Fujitrabuco 2 GTX, der 389g wiegt, ein wahres Leichtgewicht und für einen gut gedämpften Supportschuh durchaus ansehnlich.

Der Wave Mujin auf der Waage
Apropos ansehnlich: Über die Optik lässt sich bekanntlich ja streiten. Mir jedenfalls gefällt das auffällige Design. Für Fans eines Fußballvereins aus Lüdenscheid gibt es ihn in einer schwarz-gelben Variante »Cyber Yellow/Black/Gunmetal«. Mich erreichte glücklicherweise die Farbkombination »Lime Punch/Black/Chinese Red«. Wieso ein japanisches Unternehmen mit chinesischen Farbbezeichungen wirbt, weiß der Geier. Der weiß sicher auch, wieso Werbeabteilungen sich so tolle Bezeichnungen, wie Xtatic Grooves einfallen lassen.

Gemeint ist damit sicherlich die bemerkenswert gute Torsionsfähigkeit zwischen Vor- und Rückfuß des Wave Mujins. Krasser Gegensatz zu der des Fujitrabucos. Der kommt einem dagegen vor, als hätte man ein Brett unter dem Fuß. Gerade im unebenen Gelände ist die Anpassungsfähig des Schuhs eine wichtige Eigenschaft, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Vergleich Torsion

Fazit

Ganz klarer Fall – der Mizuno Wave Mujin gehört in’s Gelände. Da fühlt er sich wohl, und als Läufer hat man stets das Gefühl, gut geschützt zu sein. Auf der Straße hat er mir keinen Spaß gemacht, im Wald und erst recht im Matsch dafür um so mehr. Ich freue mich schon auf den ersten Schnee, denn ich bin mir sicher, dass der Schuh da ebenso glänzen kann. Vor allem wird er dann wieder sauber.

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Mizuno Deutschland hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Mizuno Wave Mujin

140 €
Mizuno Wave Mujin
8.5

Passform

90/10

    Design

    90/10

      Stabilität

      90/10

        Dynamik

        65/10

          Verarbeitung

          95/10

            Spaßfaktor

            80/10

              Positiv

              • - super Grip im Gelände
              • - wasserabweisendes Obermaterial
              • - gute Torsionsfähigkeit
              • - geringes Gewicht

              Negativ

              • - etwas zu hohe Sprengung
              • - leicht schwammig durch hohe Dämpfung
              • - wenig Kontakt zum Untergrund

              13 Kommentare

              1. Comment by Olaf

                Olaf 25. Dezember 2014

                Schöner Bericht und bestätigt auch andere Aussagen über einen gut gelungenen Einstieg ins Trail Segment von Mizuno. Ich hatte bisher zwei Straßenversionen von Mizuno welche bislang zu den besten Schuhen gehörten.

                • Comment by Martin

                  Martin 26. Dezember 2014

                  Den Inspire mag ich auch sehr. Interessieren würden mich der Aero 13 oder der Hitogami 2. Hast du Erfahrungen mit denen?

              2. Comment by Thorsten

                Thorsten 26. Dezember 2014

                Einzig die Stabilität im Zehenbereich gibt mir zu denken. Da liebe ich meinen Spreedcross von Salomon, damit kann man schon mal einen Stein oder Stock einfach wegkicken, ohne Blessuren an den Zehen zu befürchten. Auch der Fersenbereich ist hart geschützt. Für leichte Trails mag ich zum Beispiel auch den Nike Kiger oder meine Vibram Fivefingers (ganz andere Liga), aber für schwere Trails oder echt unwegsame Gelände ist ein richtiger Trailschuh besser geeignet meiner Meinung nach. Aber für leichte Trails oder gar City Trails würde ich den Mizuno durchaus auch probieren.

                Schöner Bericht, Martin. Und du beschreibst die Natur, das ist gut. Beim Trailrunning zählen nicht nur Zeiten oder Bergleiche, sondern ganz persönliche Erlebnisse. Wer nach dem Lauf seine durchlaufene Umgebung beschreiben kann, der ist richtig auf dem Trail unterwegs gewesen.

                Schöne Grüße
                Thorsten

                • Comment by Martin

                  Martin 26. Dezember 2014

                  Danke Thorsten.

                  Beim Lauf durch den Pfad habe ich gemerkt, dass ich Trail wirklich noch nicht drauf habe. Ist doch was ganz anderes als Straße laufen.
                  Ich freue mich schon auf den ersten Schnee. Das wird mal eine Herausforderung. Letztes Jahr war bei uns nur ein Tag mit weißer Pracht.

              3. Comment by Patrick

                Patrick 26. Dezember 2014

                Schöner Bericht Martin, das Ergebnis deckt sich ziemlich mit meiner Meinung. Ich laufe den Mujin überall gerne, sogar auf der Straße :-)

                • Comment by Martin

                  Martin 26. Dezember 2014

                  Danke Patrick. Auf der Straße laufe ich mittlerweile gerne so leicht als möglich.

              4. Comment by Laufhannes

                Laufhannes 26. Dezember 2014

                Auch wenn für Hendrik so etwas vielleicht keine wirklichen Trails sind und ich das auch eher als einfache Waldwege sehe: Im häufigen Sprachgebrauch ist ja bereits genau so etwas mit den ach so hippen Trails gemeint.

                Ich persönlich komme auch auf matschigen, rutschigen Wegen mit „normalen“ Laufschuhen bestens zurecht. Wenn es wirklich rutschig ist, helfen mir auch die paar Noppen an Profil nicht viel.

                Das Einzige was für mich für Trailschuhe spricht, ist das wasserabweisende Obermaterial. Besonders auf einer langen Strecke, wenn es ständig durch den Matsch geht, ist es schon ganz hilfreich, wenn die Füße nicht von Anfang an komplett nass sind.

                • Comment by Martin

                  Martin 26. Dezember 2014

                  Ich werde sicher nie Hardcore-Trailrunner werden. Dazu bin ich zu alt! :hehehe:
                  Waldwege und die kleinen Abkürzungen, wie oben beschrieben, müssen reichen.

                • Comment by Daniel

                  Daniel 29. Dezember 2014

                  Es kommt auch nicht nur darauf an, was man Trails nennt sondern was man machen möchte. Locker traben kann man mit fast jedem Schuh mit etwas Profil. Meine ersten 800 Lebenslaufkilometer habe ich in Nike Free abgespult davon einige auf Feld und Waldwegen.
                  Mit steigendem Tempo auch bergauf und vor allem bergab habe ich etwas mehr Grip schon geschätzt. Der Vorteil von Trailschuhen ist in meinen Augen die stabilere Konstruktion und damit der Schutz vor spitzen Steinen und der (je nach Modell) flachere „sattere“ Stand. Jetzt bei Schnee kommt noch dazu, dass man mit ein ein bisschen mehr Profil immerhin auch sicherer auftreten kann.

              5. Comment by Thorsten

                Thorsten 26. Dezember 2014

                Komm, zu alt ist man nie, ich habe auch erst seit einem Jahr den Trail wieder unter den Füßen. Dieses Jahr der 30km-WK, kommendes Jahr der Ultra mit 65, geht alles. So weit sind unsere Geburtsjahre nicht voneinander entfernt.

                Bin heute auch wieder quer durch Felder und Wälder gerannt, sah aus wie ein Matsch-Ferkel danach, Waden und Schienbeine vom Reisig aufgeritzt dank kurzer Hose, egal.

                Schneerennen mag ich auch, vor Jahren bis -12 Grad, jeden Tag, in zugeschneiten Ackerfurchen hin un her, quer durch den Wald. Eiszäpfchen an den Augenbrauen, damals hatte ich schon so eine Trail-Zeit, war vor meinen Triathlon – Jahren …… Erinnerungen, die wieder Lust machen. Nur fehlt der Schnee gerade :)

                • Comment by Martin

                  Martin 26. Dezember 2014

                  Komm, zu alt ist man nie, ich habe auch erst seit einem Jahr den Trail wieder unter den Füßen.

                  Ne bessere Ausrede fiel mir gerade nicht ein… :hehehe:

              6. Comment by Gerd (diro1962)

                Gerd (diro1962) 27. Dezember 2014

                Toll geschriebener Bericht dem ich uneingeschränkt zustimme. Der Hayate ist natürlich noch eine Nummer direkter, dafür bekommst Du nasse Füße. Dementsprechend bin ich mit dem Schuh genauso zufrieden wie Du.
                Dir und deiner Familie alles Gute für 2015. Man liest sich!

              7. Comment by uli b

                uli b 5. Januar 2015

                …ich überlege gerade mir einen neuen cross schuh zuzulegen. Meine ascis crosser sind ein wenig in die jahre gekommen und sehr schwer. Da könnte der mizuno mir aus der „patsche“ helfen.

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