Ich werde es nie verstehen, dass man 2021 immer noch mit diesen Trinkgürteln rumrennen muss, die im letzten Jahrzehnt noch weitverbreitet waren. Ihr erinnert euch? Zwei Fläschchen hinten, zwei vorn? Garniert von einem Arsenal an Gel-Beuteln und akustisch untermalt vom ständigen Geschwabbel beim Laufen. Als Krönung zum perfekten Outfit haben wir da noch die an den Ärmeln umgebundene Wind- oder Regenjacke im Programm. Bei 25°C im Schatten. Man weiß ja nie, was da einen noch so erwartet.

Ich schweife schon gleich am Anfang des Testberichts ab. Kurze Notiz an mich selbst, bevor es losgeht: Einen Beitrag über die größten Unsitten beim Laufen schreiben. So, jetzt aber…

First Look: Das NAKED RUNNING BAND

Alter. Was haben die sich bei dem Markennamen gedacht? Naked! Mal ehrlich, das traut sich doch niemand zu googeln. Ich glaub auch nicht, dass dieser Beitrag hier in den Suchergebnissen weit oben ranken wird. Falls du diesen Beitrag hier in einer Suchmaschine gefunden hast – schreib doch mal bitte in die Kommentare, mit welchem Begriff du gesucht hast.

Ich interpretiere das einfach mal so: Das Teil passt im Idealfall so, dass man es beim Tragen nicht spürt, sich also nackig fühlt. Ob das auch so ist? Schauen wir mal…

Laufgürtel gibt es mittlerweile viele, auch in der Art des NAKED RUNNING BANDs. Ich hatte bis dato ein Modell von Salomon in Gebrauch. Das tat seinen Dienst, aber so ganz optimal war es nicht. Das 11er iPhone passte nur mit Nachdruck rein, der Reißverschluss der Tasche war fummelig. Besondere Extras, wie es das NAKED RUNNING BAND hat? Fehlanzeige.

Extras? Was für Extras?

Habe ich schon wieder zu viel verraten? Verdammt. Naja, wo “Multifunktions-Laufband” draufsteht, ist auch Multifunktion drin. Auf der Haben-Seite stehen zwei große Taschen und eine (minimal) kleinere, eine Stockhalterung, einen Karabiner für einen Schlüssel, eine Startnummernbefestigung und reflektierende Elemente.

NAKED RUNNING BAND

Da passt was rein – und das ist lange noch nicht alles. Da geht noch mehr.

Ich bin ja eigentlich mehr der Fan von Laufwesten, aber wenn ich scharf kalkuliere, passt hier eigentlich alles rein, was man so braucht. Selbst wenn jetzt irgendwann und endlich mal wieder Wettkämpfe möglich sind, ist man mit dem NAKED RUNNING BAND gut bedient. Und das nicht nur aufgrund der Startnummernbefestigung.

NAKED RUNNING BAND

Das NAKED RUNNING BAND mit der Startnummernbefestigunghätte ich beim BiMa echt brauchen können. Naja, der nächste Wettkampf kommt bestimmt.

Hips don’t lie

Na toll. Ich fühle mich diskriminiert. Andererseits bin ich ja selber schuld, dass meine nötige Größe am oberen Ende der Skala der verfügbaren Größen liegt. 9 von 12 – beim ESC wäre das eine gute Platzierung, hier fühle ich mich fett. Vielleicht hätte ich das NAKED RUNNING BAND einfach ein oder zwei Nummern kleiner bestellen sollen. Für’s Ego.

NAKED RUNNING BAND

“And here are the results of the NAKED Jury. Martin, nine points!”

“Das NAKED RUNNING BAND besteht aus dem patentierten Naked® Exopower Gewebe” liest man in der Produktbeschreibung. Da haben sich die Werbefuzzis von den Marvel Comics inspirieren lassen, oder? Will heißen: Das Gewebe des Bandes dehnt sich in beinahe alle Himmelsrichtungen, somit sitzt es nicht nur gut auf den Hüften, sondern bewahrt auch die Ausrüstung so am Mann oder der Frau, dass nichts rausfällt oder beim Laufen hüpft. Womit wir unmittelbar zum Praxiseinsatz kommen können…

Das NAKED RUNNING BAND in der Praxis

Tatsächlich bin ich die letzten drei Monate ziemlich oft mit dem NAKED RUNNING BAND durch die Gegend gerannt. Wenn auch dessen Einsatz nicht so ist, wie sich der Hersteller das eigentlich gedacht hat. Und das liegt nicht nur an der Pandemie, die uns die Wettkämpfe nimmt.

Wie ihr unschwer erkennen könnt, bin ich Laufblogger. Und diese merkwürdige Gattung schleppt gerne Zeugs mit sich rum, welches der gemeine Läufer nicht dabeihat. Smartphone für Selfies oder andere Fotos ist selbstverständlich, hinzu kommt im Idealfall noch eine GoPro. Selbstredend mit einem oder gar zwei Stativen.

NAKED RUNNING BAND

Blogger sind ein eigenartiges Völkchen. Deren Ausrüstung passt nicht so ganz in die traditionelle Verwendung des NAKED RUNNING BANDs. Aber was soll’s?

Neben dem ganzen Technik-Rumpes sollte dann noch Platz für eine Flask und einen Riegel sein. Kein Problem für das NAKED RUNNING BAND. Wie gesagt – ich tendiere stark zu “Band statt Weste”. Gerade im Sommer ist “naked” obenrum doch ganz nett. NEIN – keine Angst – das Shirt bleibt an.

NAKED RUNNING BAND

Eine Flask passt locker rein. Zur Not auch zwei. Und die wackeln noch nicht mal.

Mein Fazit zum NAKED RUNNING BAND

Das NAKED RUNNING BAND fällt in die Kategorie “Wieso habe ich das nicht schon eher gehabt?”

Okay. Jetzt habe ich den Spannungsbogen völlig versaut. Aber ihr habt bestimmt eh schon auf die Bewertung geschielt. Wenn überhaupt gibt es nur Kleinigkeiten zu meckern – sei es, dass man sich erst mal mit dem Öffnen der Fächer während des Laufs anfreunden muss. Für Unbegabte gibt es diese praktischen gelben Schlaufen, aber ich ertappe mich, wie immer ohne die Dinger versuche, die rückseitige Tasche zu benutzen. Das ist dann halt etwas fummeliger, aber da bin ich wohl selbst schuld.

Zusammengefasst: Das NAKED RUNNING BAND ist großartig. Ich wüsste jetzt nicht, was man da noch groß verbessern könnte. Insofern ist es definitiv ein Kauftipp!

NAKED RUNNING BAND
Run 3
NAKED RUNNING BAND
Run 1
NAKED RUNNING BAND
Run 2

Für die Transparenz

Die Jungs von Sporthunger haben mir das NAKED RUNNING BAND für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Naked Running Band

45 EUR
10

Passform

10.0/10

Design

10.0/10

Funktionalität

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Preis/Leistung

10.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Sitz und Passform
  • Features

Negativ

  • nix

11 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 11. Mai 2021

    Ich fand die Naked Weste ja irgendwie innovativer. Aber bei überschaubarer Ausrüstung ist so ein Gürtel doch deutlich praktischer – besonders im heissen Sommer.

    Detailfrage: ist das die Enduro da an Deinem Arm, oder nur dessen Nylon-Band? ;)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 11. Mai 2021

      Haha. Wieder mal das spezielle Auge…

      Nein. Keine Enduro. Habe mir das Band in Schwarz bestellt. Jetzt funktioniert die Pulsmessung am Handgelenk übrigens wesentlich besser.

      • Comment by Thomas

        Thomas Antworten 11. Mai 2021

        Das hatte ich auch schon fast im Warenkorb, aber die Anstoßbreite passt nicht zu 945… :( Hat das denn auch einen leichten Stretch? Ich meine auch, dass die Pulsmessung am Handgelenk deutlich besser mit solchen Bändern funktioniert. Hab alle Uhren darauf umgeerüstet.

        • Comment by Martin

          Martin Antworten 11. Mai 2021

          Ja, ist stretchy. Wenn es eng am Arm anliegt, kann mal locker noch einen Finger drunter bekommen.

  2. Comment by Frank

    Frank Antworten 12. Mai 2021

    Meine Frau und ich laufen seit Jahren mit dieser Idee, allerdings haben wir einfach die Geldbürsen-Gürtel genutzt, die es im Outdoorsport für unter die Hose gibt. Sie sind hautfreundlich, fassen Handy und etwas Geld, Gel ohne Sorgen. Ggf. eine günstigere Alternative für einige deiner Leser.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 13. Mai 2021

      Das steht ja außer Frage. dass es auch mit “einfacheren” und günstigeren Mitteln funktioniert. Hier hat man halt die eierlegende Wollmilchsau parat. Kostet dann halt ein paar Euro mehr. In Anbetracht dessen, was man sonst so für Equipment ausgeben kann, ist der Preis doch noch human.

  3. Comment by Andreas

    Andreas Antworten 15. Mai 2021

    Man muss sehen, wofür man sich da rüsten will. Mal abgesehen von Schlüssel, Handy, etc. was ich z.B. anders unterbringe, finde ich den Getränkevorrat am wichtigsten. Die eine kleine (oder auch zwei kleine) Flasks sind mir für lange Läufe (20-30 km) gerade im Sommer zu wenig. Und darunter nehme ich oft gar kein Getränk mit ;-) Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich sogar einen ähnlichen – wahrscheinlich nicht ganz so guten – Gürtel bereits irgendwo hinten in der Schublade. Den ich aber fast nie benutzt habe, weil er immer nicht zum „Anforderungsprofil“ meiner Läufe passte. Aber natürlich sollte man auch bei Läufen von 5-15 km etwas trinken, und dann mag das ja für die meisten passen.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 15. Mai 2021

      Der Gürtel kommt ja aus dem Trailbereich und kann als Ergänzung zu einer Weste oder einem Rucksack dienen. Für die Straße ist ursprünglich nicht konzipiert – siehe Stockhalterung.
      Ich renne die langen Dinger auch nur mit Weste. Da passen zwei Flasks rein, zur Not noch eine Blase. Aber mit zwei Flasks komme ich in der Regel aus. Nun habe ich die Möglichkeit, noch den Naked dazu zu nehmen und ein oder zwei weitere Flaks mitzunehmen. Das reicht locker für einen Ultra bei 30°C. :hehehe:

      • Comment by Andreas

        Andreas Antworten 16. Mai 2021

        Stimmt, als Ergänzung ist das natürlich allemal eine Überlegung wert. Aber Ultra bei 30° muss für mich auch so nicht sein ;-)

  4. Comment by Daniel

    Daniel Antworten 11. Juni 2021

    Ah, danke für den Testbericht. Ich bin immer mal wieder auf der Suche nach einem neuen Laufgürtel. Den Salomon habe ich mir mal auf deinen Tipp hin gekauft, bin mit dem auch eigentlich sehr zufrieden. Aber wir du geschrieben hast: für ein aktuelles Telefon ist das Ding schon sehr eng.

    Werde mir das Naget Running Band Mel “genauer anschauen”.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 11. Juni 2021

      Der Salomon ist grundsätzlich nicht verkehrt. Aber der NAKED ist eben noch einen Tacken besser.

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