Exit

Bevor ich euch den New Balance Fresh Foam Zante vorstelle, muss ich mal ein klein wenig ausholen. Es geht um weiße Kittel, Sechsecke und getarnte Wettkampfschuhe. Klingt spannend, oder? Ok, aber der Reihe nach…

Vor gut einem Jahr habe ich im Sportgeschäft mal den New Balance Fresh Foam 980v1 auf dem Laufband getestet. Fresh Foam – das könnte auch ein erfrischender Rasierschaum sein, ist aber in Wirklichkeit eine hexagonale Struktur der Zwischensohle. Wow – das hört sich schon viel besser an und erinnert mich an Wissenschaftler, die in weißen Kitteln in Forschungslaboren sitzen und plötzlich »Heureka« schreiend in die Vorstandsetage sprinten, um den wahren Durchbruch am Laufschuhmarkt zu verkünden.

Leider hatte sich die Erkenntnis der wahren Revolution nicht bis zu meinen Füßen rumgesprochen, denn die fanden die Version 1 nicht so überragend. Der Schuh war mir zu wenig dynamisch, eher schwammig und zu unpräzise.

Es verging einige Zeit, und New Balance brachte mit dem Fresh Foam Boracay den Nachfolger des 980 auf den Markt. Für mich als frisch gebackener Verfechter des weniger gedämpften Laufschuhs noch immer keine wirkliche Option. Doch die Jungs in den weißen Kitteln hatten noch ein Ass im Ärmel. Der New Balance Fresh Foam Zante gilt als der kleine und leichte Bruder des Boracay. Ich erspare euch jetzt die Beschreibung meines Kopfkinos und komme lieber zum eigentlichen Testbericht.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich grün mag? Nein? Ich mag grün!

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich grün mag? Nein? Ich mag grün!

Dann fangen wir doch einfach mal mit dem Aussehen des Schuhs an. Zunächst erinnert er mich mehr an einen Sneaker, als an einen Laufschuh. Und er ist grün. Also so richtig grün. Im Labor von New Balance war scheinbar noch genug Kobragift übrig, welches schon beim Race 1500 zum Einsatz kam. Und wenn ich schon von Schlangen rede, dann drehen wir den Schuh einfach mal um…

Die ungewöhnliche Sohle sieht rutschig aus, ist es aber nicht. Dafür ist sie grün. Da besteht zwar kein Zusammenhang, ich fand es aber wichtig zu erwähnen.

Die ungewöhnliche Sohle sieht rutschig aus, ist es aber nicht. Dafür ist sie grün. Da besteht zwar kein Zusammenhang, ich fand es aber wichtig zu erwähnen.

Auch die Sohle kommt ein wenig in Schlangenhaut-Optik daher. Vielleicht dachte ich deswegen, dass der Grip etwas rutschig sein könnte – das stellt sich später aber als Irrtum heraus. Nun ja, auf alle Fälle ist sie grün. Und wem das jetzt endgültig zu viel Augenkrebs ist, dem sei gesagt, dass vor allem für die Altersklassen M50 aufwärts der Schuh auch noch in gedeckteren Farben in Gestalt der limitierten Sondermodelle NYC, Roma und Boston in den Regalen ausgewählter Händler zu finden ist.

Kommen wir zur Anprobe. Der Zante bietet ein nahtfreies Obermaterial, welches zunächst etwas nachgiebig auf mich wirkte. Die luftige, aber dennoch recht flache Zehenbox machte mir ein wenig Sorge. Im Mittelfußbereich, also dort, wo der schwarze Bereich beginnt, ist das Material aber wesentlich fester und bewirkt, dass der Schuh sehr gut am Fuß sitzt, vor allem, wenn man die Schnürung ordentlich fest zieht.

Der Fersenbereich ist hingegen wieder recht weich gehalten – Fersenkappen, wie man sie früher™ verbaut hat, scheinen zumindest bei New Balance völlig aus der Mode gekommen zu sein. Ein Trend, der mir seit dem Race 1500 aber sehr gut gefällt. Summa summarum sitzt der Zante also eher bequem und sockenähnlich am Fuß, als dass er (unter-)stützend wirkt.

Links: Die Zunge ist leider ein wenig kurz geraten. Marathonschnürung ist nicht. Rechts: Weiche Fersenkappen? Hatta!

Links: Die Zunge ist leider ein wenig kurz geraten. Marathonschnürung ist nicht. Rechts: Weiche Fersenkappen? Hatta!

Beim Anziehen erfahre ich dann aber doch ein Manko. Die Zunge ist zu kurz geraten. Wer auf Marathonschnürung steht, hat also Pech gehabt. Aber auch ohne diese Schnürung sitzt der Fuß gut im Schuh, und als Trost kann ich berichten, dass die Zunge super sitzt und nicht drückt. Sie ist zudem am Obermaterial festgenäht und kann somit nicht verrutschen.

Auffällig beim Hineinschlüpfen ist zudem die gute Unterstützung des Fußgewölbes und wie flach der Schuh ist. Die geringe Sprengung von 6 mm tut ihr Übriges. Das alles ist ganz nach meinem Geschmack, so dass einem ersten Test nichts im Wege steht. Ein wenig skeptisch bin ich allerdings schon, denn die Fresh Foam Technologie erinnert mich ein wenig an die Boost-Geschichte von Adidas, die mir so gar nicht zusagt. Gute Dämpfung bei gleichzeitig stabilem Laufgefühl? Ob das mal klappt? Ich weiß nicht…

Auf den ersten Metern fällt besonders eins auf: der Zante motiviert mich zum Mittelfußlauf, wie ich es bisher bei kaum einen Schuh erlebt habe. Ich vermute, es liegt daran, dass beim Fersenlauf die Dämpfung zwar einiges wegschluckt, aber ein wenig schwammig wirkt. Beim Mittelfußlauf jedoch empfinde ich sie als optimal. In diesem Schuh schaffe ich es sogar, meine Schrittfrequenz ein wenig zu erhöhen, ohne dass es unangenehm ist. Liegt sicher auch daran, dass das Abrollverhalten sehr gut ist. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Stabilität des Schuhs auch für längere Strecken ausreicht.

Ich versuche es zunächst erst mal mit ein paar lockeren Regenerationsläufchen – für die kernigen langen und die kurzen schnellen Einheiten habe ich ja andere Kandidaten im Schuhschrank.

Auch auf der Parkbank macht der Zante eine gute Figur. Kein Wunder bei dem Läufer...

Auch auf der Parkbank macht der Zante eine gute Figur. Kein Wunder bei dem Läufer…

Irgendwie ahne ich jedoch, dass die Jungs in den Kitteln den Schuh aber für andere Zwecke entwickelt haben. Okay. Er heißt nicht „Race“, macht auch nicht den brettharten Eindruck eines Wettkampfschuhs. Das Upper ist auch ein wenig zu fluffig. Dafür ist er extrem leicht – in meiner Größe (EUR 44.5) bringt er schlappe 240 Gramm auf die Waage. Es spricht also wenig bis nichts dagegen, mal eine schnelle Runde zu versuchen. Und genau da zeigt sich – den Zante muss man einfach schnell laufen, denn das macht viel mehr Spaß, als langsam vor sich hin zu traben. Keine Ahnung, ob die Jungs da im Labor außer dem Hexagonalzeugs noch Raketentreibstoff oder atomare Brennstäbe verbaut haben – jedenfalls habe ich Mühe, meine Pace herzfrequenzfreundlich zu halten.

Wie der Zante ich sich auf längeren Distanzen schlägt, wollt ihr sicher auch wissen. Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man beim Kilometerschrubben Support möchte oder lieber einen leichten Schuh haben will. Eine eierlegende Wollmilchsau ist der Zante nicht, das sei vorab schon mal gesagt. Er läuft sich sehr bequem, und bei Distanzen bis zum Halbmarathon konnte er durchaus überzeugen. Einen Marathon würde ich aber lieber mit dem Race 1500 laufen, denn der bietet bei nahezu gleichem Gewicht mehr Support. Ob das nun an der Fresh Foam Zwischensohle oder am Upper liegt, kann ich gar nicht so genau sagen, vielleicht ist es auch Einbildung, aber bei allen langen Läufen mit den Zante hatte ich zum Ende des Laufs das Gefühl, dass mein Fuß langsam ermüdet.

Fazit

Ich habe jetzt schon wieder ein Problem. Zugegebenermaßen ist es aber ein Luxusproblem, denn jetzt steht hier ein weiter Schuh im Schrank, der das Prädikat »Lieblingschuh« erhält. Ja, ich habe viele Lieblingsschuhe, aber nicht jeder Lauf ist wie der andere, insofern greife ich gerne mal zu dem passenden Schuh, wenn feststeht, was auf dem Trainingsplan steht.

Der Zante wird seinen Einsatz bei schnellen Einheiten finden, denn da schlägt er sich bestens. Man kann einfach nicht langsam laufen mit dem grünen Kerl, denn er ist direkt, leicht und flach. Und wenn ich dann beim nächsten Wettkampf in der Startaufstellung stehe und die anderen Jungs über meine »Sneakers« lächeln, werden sie Augen machen, wenn er sich als Wettkampfschuh entpuppt. So ist zumindest der Plan. Wenn’s nicht klappen sollte – am Schuh lag es nicht…

Für die Transparenz

Die PR-Agentur von New Balance Deutschland hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

New Balance Fresh Foam Zante

120 €
New Balance Fresh Foam Zante
9

Passform

85/10

    Design

    95/10

      Stabilität

      80/10

        Dynamik

        95/10

          Verarbeitung

          95/10

            Spaßfaktor

            90/10

              Positiv

              • - direkt und trotzdem gut gedämpft
              • - leicht
              • - luftig
              • - cooles Design

              Negativ

              • - zu kurze Zunge
              • - Obermaterial könnte etwas fester sein

              17 Kommentare

              1. Comment by Jürgen

                Jürgen 7. April 2015

                Eigentlich „Asics-Fanboy“, vielleicht gebe ich „New Balace“ aber eine Chance. ;-)

                • Comment by Martin

                  Martin 7. April 2015

                  Asics Fanboy hätte auch auf mich gepasst. Seit ich aber regelmäßig laufe, achte ich schon ein wenig auf Vielfalt am Fuß.

              2. Comment by Thomas

                Thomas 9. April 2015

                Hmm… mir gefiel der Schuh ja auch ganz gut am Fuss – aber ich hatte ihn ja leider in der falschen Größe bestellt. Die Zante hören sich so nach gemütlichem Sonntagsnachmittagslauf an. ;) Schönes Review, Martin!

                • Comment by Martin

                  Martin 10. April 2015

                  Sie hören sich nur so an – sind sie aber nicht, wie ich oben im Text schon schrieb. Schnell laufen macht mehr Spaß! ;)

                  Danke für’s Lob, Thomas!

              3. Comment by Ditsch

                Ditsch 16. April 2015

                Hi, also ich laufe den Zante seit geraumer Zeit und find den einfach super. Für mich ist er ein perfekter Allrounder in der Kategorie zwischen Lightweight Trainer und Wettkampfschuhen, vergleichbar mit dem Saucony Kinvara kombiniert mit einem Tick mehr Wettkampfschuhfeeling. Gerade für lange Läufe (HM/Marathon)finde ich ihn ideal, da er leicht und schnell ist, aber für meine Verhältnisse auch ausreichend Komfort bietet. Da ich den Zante so mag, überlege ich mir auch die Anschaffung des NB 1500. Mich würde interessieren, ob Du zwischen dem Zante und dem 1500 ausreichend Differenzierung in den Laufeigenschaften siehst oder sind die zu ähnlich ? Ich bin Neutralläufer und Schuhe mit leichten Stabilelementen finde ich okay bzw. nicht weiter störenswert, solange sie nicht allzu stark ausgeprägt sind. Mit dem Asics DS Racer 10 habe ich z.B. keine Probleme, finde die Stützelemente aber kaum spürbar und empfinde ihn eher als Neutralschuh. Dank im Voraus für sachdienliche Hinweise ;-)

                • Comment by Martin

                  Martin 16. April 2015

                  Meinen Testbericht zum Race 1500 hast du gelesen?
                  Der Schuh ist im Vergleich zum Zante schon sehr viel straffer. Das fängt bei der Mittelsohle an und hört beim Obermaterial auf. Der Fuß sitzt „sicherer“ im Schuh. Außerdem hat die Sohle mehr Grip. Gerade auf Wegen mit feinem Schotter fällt das sehr auf. Wenn du einen Schuh suchst, der dem DS Racer ähnelt, dann greif zum Race 1500. Du wirst es nicht bereuen. Auch die Stabielemente sind ähnlich dezent, wie beim Asics.

                  • Comment by Ditsch

                    Ditsch 16. April 2015

                    Danke für die Info! Ja, den Bericht zum 1500 habe ich gelesen. Ich habe mich nur im Vorfeld gefragt, ob der Zante und der 1500 nicht vielleicht zu ähnlich sind, um sie beide in der Rotation zu haben (Ich finde New Balance macht in letzter Zeit verdammt gute Schuhe, gerade im Performance Bereich). Meiner Einschätzung nach hört sich der 1500 nicht nach einem radikalen Wettkampfschuh an und deckt damit einen ähnlichen Einsatzbereich wie der Zante ab, der sich trotz Komfort eben recht flott laufen lässt. Eine kleine Frage noch: ist der DS Racer mit dem 1500 vergleichbar in puncto Direktheit ? Für mein Gefühl war der DS Racer erstaunlich komfortabel, für 10km würde ich direktere Schuhe bevorzugen. Besten Dank!

                    • Comment by Martin

                      Martin 17. April 2015

                      Na wenn du den DS Racer als komfortabel bezeichnest, dann ist es der Race 1500 auch. :D

                      Bretthart passt auf den Mizuno Wave Hitogami 2. Hatte ich ja auch getestet. Wäre das eine Option?

                      Oder du versuchst mal den New Balance RC1600. Den hatte ich allerdings noch nie am Fuß.

                      • Comment by Ditsch

                        Ditsch 17. April 2015

                        Ich schwanke derzeit noch zwischen 1400, 1500 und 1600. Ich glaube die sind alle ganz gut auf ihre eigene Art und Weise. Falls es der 1400 oder 1600 wird, kann ich ja ein kleines Feedback geben. Den Mizuno Wave Hitogami habe ich und mag ihn, einzig die Passform ist etwas suboptimal für meinen Fuß. Falls Du bei Wettkampfschuhen Rotation haben willst, ist auch der Adidas Adios Boost immer eine gute Option, ein mehr als solider Klassiker.

              4. Comment by Gunther Bolte

                Gunther Bolte 23. Mai 2015

                Hallo Martin,

                wie Du ja weißt, bin ich in dem Zante (wenn auch in der gedeckten M50 Variante „Roma“) den HH-Marathon gelaufen und ich denke in einer recht passablen Zeit. Ich empfinde den Schuh als sehr gut, sehr wettkampffähig (auch über die Königsklasse) und er bietet auch Komfort. Ich denke, der Race ist noch schneller, aber ist er auch so komfortabel? Du hast ja noch 154 Tage Zeit, mich davon zu überzeugen. Von mir bekommt der Zante einen ganz klaren „Daumen hoch“!

                • Comment by Martin

                  Martin 25. Mai 2015

                  Ich werde mich hüten, jemanden einen Schuh für den Marathon aufzudrücken. Nachher bin ich noch Schuld, wenn es in die Hose geht.

                  Ich habe derzeit zwei Favoriten für Frankfurt. Aber wie du schon sagst, es ist noch lang hin – bis dahin kann sich noch viel ändern.

              5. PINGBACK › 18. Johannes-Lauf Lette 2015 | HarleRunner - ein Laufblog aus Coesfeld

              6. PINGBACK › New Balance Fresh Foam Zante im Test | HarleRunner - ein Laufblog aus Coesfeld

              7. PINGBACK › New Balance Vazee Pace im Test › Frankfurt Marathon, Laufschuh, Marathon, New Balance, Vazee Pace › runomatic

              8. PINGBACK › adidas Ultra BOOST im Test › laufen, Laufschuh, adidas, Runners Point, Ultra BOOST, BOOST › runomatic

                • Comment by Martin

                  Martin 8. August 2016

                  Den gibt’s doch schon lange. Seit Frühjahr. Meine Holde ist damit schon locker 300km gelaufen.

              Kommentare geschlossen.

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