Ich bin gerade mal wieder in so einer Art experimentierfreudigen Phase. Ab und zu mal neue Reize setzen ist ja nicht verkehrt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Zwar stehen derzeit keine Wettkämpfe auf dem Programm, was aber nicht heißen muss, dass man nicht Gas geben kann. Zum Beispiel in neuen Schuhen…

Okay, so ganz neu ist der Reiz und auch das Experiment nicht, aber es ist schon einige Zeit her, dass ich den Newton Fate getestet habe. Der Schuh hat enorm viel Spaß gemacht, insofern kann ich mir auch nicht erklären, wieso ich der Marke nicht weiterhin treu geblieben bin.

Vor ein paar Wochen hat mich dann eine Instagram Story von Florian neugierig auf die neuen Modelle aus Colorado gemacht. Was lag also näher, als bei Newton Running mal nett nachzufragen, ob man denn die alte Liebe nicht mal auffrischen könnte?

First Look: Der Newton Motion 9

Newton Motion 9

Wie ihr seht – das hat geklappt. Hier gelandet ist der Newton Motion 9. Warum gerade der, werdet ihr euch fragen? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Die Produktpalette von Newton ist recht übersichtlich. Ohne großartigen Schnickschnack verteilt man hier eine handvoll Schuhe in den Kategorien Training und Wettkampf. Immerhin darf man sich dort zwischen stabilen und neutralen Varianten entscheiden, wobei die Bezeichnung „stabil“ schon beinahe übertrieben wirkt, denn der Unterschied zum neutralen Schuh besteht aus einer innenseitigen Verstärkung der Mittelfußbrücke, die gerade ein paar Gramm mehr ausmacht und zudem auch beim Laufen nicht merklich auffällt.

Newton Motion 9

Den Newton Motion 9 findet man in der Kategorie Training. Das farbliche Muster im Mittelfußbereich, welches mich spontan an meine Blackroll Orange erinnert hat, signalisiert, dass es sich hier um einen Stabilschuh handelt. Da bin ich eher kein Freund von, doch solange es nur minimale Hilfselemente wie hier eingesetzt werden, schadet das nichts, denn ab und zu knicke ich schon mal ein wenig ein. Falls ihr keine Probleme in der Art habt, ist das Modell eurer Wahl übrigens der Newton Gravity 9. Andere Farbe, kein Stützelement – dadurch etwas leichter, sonst alles gleich.

Newton Motion 9

Während ein Newton und somit der Motion 9 oben rum noch aussieht, wie jeder andere Laufschuh auch, zeigt ich unter dem Schuh, was die Marke zu etwas Besonderem macht. Besonders auffällig sind die fünf »Lugs« im Vorfußbereich. Dabei handelt es sich um Dämpfungselemente, die auf Luftkammern gelagert sind. Das System ist patentiert und nennt sich Action/Reaction™ Technologie. Die aktive Bewegung der Lugs hat einen federnden Trampolineffekt und unterstützt somit den Abstoß vom Boden. Meinem Verständnis nach hat Nike sowas ähnliches beim neuen Alphafly verbaut und verkauft das für teuer Geld als neue Innovation – aber das führt jetzt zu weit.

Die Lugs stellen den sogenannten POP (Point Of Power) oder auch den »sweet spot« des Schuhs dar. Es gibt ihn in zwei unterschiedlichen Levels: POP1 (Gravity, Motion, Distance, Distance S) oder POP2 (Fate, Kismet). Die POP1 Lugs sind etwas höher und die Sprengung des Schuhs ist geringer (2 mm beim Distance und 3 mm beim Motion & Gravity). Die Lugs der POP2 Modelle sind vorn leicht abgerundet und flacher. Zudem haben die Schuhe 4,5 mm Sprengung. Für den Einstieg eignen sich somit eher die POP2-Modelle. Da ich den Fate schon mal gelaufen bin und Schuhe mit wenig Sprengung gewohnt bin, habe ich mich an den Motion gewagt.

Newton Motion 9

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Newton verbaut mittlerweile direkt unter der Einlegesohle eine dünne Dämpfungsschicht aus e-TPU, die nicht nur so aussieht, wie das Boost Material von Adidas, sondern auch eine ähnliche Wirkung hat. Ich greife mal vorweg: Die Dämpfung des Schuhs ist extrem angenehm und reaktiv.

Newton Motion 9

Nach all den Gimmicks, die der Schuh zu bieten hat, könnte man annehmen, dass dadurch ordentlich Gewicht auf der Waage landet. Dem ist aber nicht so. In meiner Größe 44 wiegt der Motion gerade mal 270 Gramm, was durchaus in Ordnung geht.

Der Newton Motion 9 in der Praxis

So ganz überraschend war das Laufgefühl ja nicht. Den Newton Fate hatte ich noch gut in Erinnerung, insofern wusste ich, was mich erwartet. Die ersten Meter mit den Lugs unter dem Vorfuß – da ist man doch etwas irritiert, um es mal vorsichtig zu formulieren. Doch spätestens, wenn man merkt, dass einem das merkwürdige Konstrukt zu einem optimalen Fußaufsatz und zu einem explosiven Abdruck verhilft, fängt es an, Spaß zu machen. Letztendlich führt es bei optimalen Bedingungen ja auch zu einem gesünderen und optimalen Laufstil.

Besonders auffällig sind die sensomotorischen Reize, die durch die Lugs erzeugt werden. Das hab ich besonders gemerkt, wenn ich mit dem Mittelfuß nicht korrekt aufkomme. In meinem Fall setzt der rechte Fuß scheinbar unsauberer auf, als der linke. Ist mir vorher nie aufgefallen. So habe ich das äußere (den äußeren?) Lug beim Laufen durch die Sohle gespürt, wenn ich mich nicht bemüht habe, sauber zu laufen.

Was man tunlichst erstmal machen sollte: Langsam beginnen. Also im Sinne von der Steigerung der Umfänge. Vielleicht auch von der Pace – je nachdem, wie vorbelastet man ist. Zum einen haben die Schuhe wenig Sprengung und zum anderen ist das Laufen auf dem Mittel- oder Vorfuß auch recht fordernd für Waden und Sehnen, wenn man es nicht gewohnt ist. Nehmt mich bitte also nicht als Vorbild. Ich bin nach 30 Kilometern in den neuen Newtons gleich aus Spaß an der Freude mal einen Halbmarathon damit gelaufen. Ist aber alles gut gegangen – bis auf einen kleinen Muskelkater.

Newton Motion 9

Wenn der Schweiß die Beine bis in die Newtons runterläuft, war es ordentlich heiß. Und schnell. Zumindest für die Hitze…

Mein Fazit zum Newton Motion 9

Was könnte ein besserer Beweis für einen geglückten Test sein, als dass ich mir bereits während der Testphase noch ein weiteres Modell der Marke bestelle – nur weil der Schuh so viel Spaß macht? Oder: Dass ich nach ein paar Kilometern schon so angetan bin und den Halbmarathon am Wochenende auch in dem Schuh laufe? Obwohl man das besser nicht macht, wegen Eingewöhnung und so? Wie auch immer: Ich bin angefixt. Extremst angefixt. Und zudem merke ich bereits jetzt, dass der Newton – ach nee, die Newtons mir bei der Verbesserung meines Laufstils sehr hilfreich sein werden. Ich vergebe dann also mal die volle Punktzahl. Mal schauen, welcher von den Dingern noch so in’s Regal passt…

Newton Motion 9

Da hat der Motion doch tatsächlich Zuwachs bekommen. Zu ihm gesellt sich nun ein Distance 9 S. Musste einfach sein…

 

Für die Transparenz

Der Newton Motion 9 wurde mir von newtonrunning.eu kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Newton Motion 9

175 EUR
10

Passform

10.0/10

Design

10.0/10

Stabilität

10.0/10

Dynamik

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Verbesserung des Laufstils
  • Passform
  • Dämpfung

Negativ

  • Längere Eingewöhnung

6 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 24. Juni 2020

    Hi Martin, das hört sich richtig gut an! Mir gefällt das Konzept der Schuhe auch. Schon ziemlich einzigartig. Vielleicht muss ich Newton auch mal ausprobieren.

    Was passiert denn eigentlich, wenn man mit denen nicht Vorfuß läuft?

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 25. Juni 2020

      Mittelfuß oder gar Vorfuß läufst du mit den Schuhen eigentlich fast automatisch. Man kippt ja so ein klein wenig nach vorne. Fersenlauf macht keinen Spaß, insofern lässt man es schon auf den ersten Metern. Zumindest ging das mir so.

  2. Comment by Oliver

    Oliver Antworten 25. Juni 2020

    Ich bin immer sehr gerne mit den superleichten MV3 gelaufen, bis zu einem bestimmten Tag:
    https://immerweiterlaufen.de/2019/06/und-weg-damit/
    Mittlerweile hab ich erhebliche Zweifel an diesem „Lug-Konzept“, im Grunde wird Mittel-/Vorfußlaufen künstlich durch die Stollen erzwungen und nicht durch eine veränderte Lauftechnik.
    Neben den MV3 hatte ich es eine Weile mit den Gravity und Distance Elite versucht, kamen mir beide sehr bald wie schwere Klötze vor.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 25. Juni 2020

      Dein verlinkter Beitrag erinnert mich so ein wenig an „Born To Run“. Hast du sicher gelesen.

      Die Lugs sind sicherlich ein Hilfsmittel. Dennoch merke ich, dass ich nach dem Halben lange nicht so ermüdet bin, wie ohne die Newtons. Insofern bleibe ich erst mal dabei. Wenn dann meine Lauftechnik besser ist, versuche ich es mal ohne.

      Die FiveFingers habe ich übrigens auch mal probiert. Damit kam ich wiederum nicht klar. Selbige sind ja auch teilweise umstritten.

  3. Comment by Andreas

    Andreas Antworten 6. Juli 2020

    Hallo Martin, wegen meiner aktuellen Probleme (wir sprachen gerade kurz darüber, drüben auf meinem Blog ;-) bin ich erst mal konservativ und lasse vorerst nichts anderes an meine Füße als meine langjährig bewährten Adidas Solar Glide. Nichtsdestotrotz hört sich der Newton schon sehr interessant an, für mich gerade wegen der Stabilversion mit kleiner Stütze…

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 6. Juli 2020

      Hi Andreas. Ich muss dich aber vorwarnen: Der Newton hat wenig mit dem Solar Glide oder gar mit deinem Hoka gemeinsam. Das Konzept des Schuhs ist grundverschieden. Schon allein die Sprengung wird dich als Adidas Fan etwas irritieren. Und die Dämpfung ist auch eher straff. ;)

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