Exit

Anfang März hat Nike Schluss gemacht mit der leidigen Frage, welche Socke denn zu welchem Laufschuh passt. Genial wie sie nun mal sind, hatten sie dem neuesten Modell, dem LunarEpic Flyknit, einfach an das eh schon gestrickte Obermaterial ein Sockenbündchen dran gehäkelt, so dass der eher weniger modebewusste Läufer gefahrlos zur nun nicht mehr sichtbaren, weißen 80er-Jahre Tennissocke mit dem blau-roten Streifen* greifen konnte (* Ihr erinnert euch vielleicht, zumindest die ältere Generation).

Doch jetzt ist wieder modisches Gespür gefragt, denn die niedrige Variante LunarEpic Low Flyknit steht in den Regalen. Verschiedene Farbvarianten stehen zur Auswahl. Mich hat man mit der ULTD Version beglückt. Das steht für unlimited – also bunt. Passt also doch wieder nur die weiße Socke zu.

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

Die Farbkombination des Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD mag vielleicht etwas gewagt sein, aber lasst es euch gesagt sein – sie fällt auf!

Was ist das für 1 Schuh?

Genau das fragt man sich, wenn man das ungewöhnliche Sohlenkonstrukt näher betrachtet. Zwei mit Hitze verbundene oder besser gesagt verschmolzene Schaumstoffschichten werden mit Laserstrahlen derart bearbeitet, dass an den Seiten Lamellen und auf der Außensohle fünf höhenprofilartige Gebilde entstehen. Vier kleinere bis mittlere Berge im Vorfußbereich und ein größerer an der Ferse. Manchmal muss man Sachen bildlich beschreiben, damit es jeder versteht. Habt ihr doch, oder?

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

Bewundernswert: wie der Author des Textes den LunarEpic Low pittoresk in Szene setzen kann (links) und wie Nike es schafft, aus einer simplen Lunarlon Sohle ein Kunstwerk zu machen (rechts).

Für was genau soll das gut sein? Nun ja, die Forschung orientiert sich immer öfters an der Natur. Diesmal musste der Gecko herhalten, dessen lamellenartige Füße auch senkrechte Wände rauf- und runterlaufen können. Ich war kurz davor, das Werbeversprechen überprüfen zu wollen, entschied mich dann aber es doch nicht zu übertreiben. Dennoch, ein wenig Grip kann man immer vertragen. So war ich gespannt auf den ersten Ausritt mit dem Schuh, kann allerdings schon vorab verraten, dass es an jenem Grip nicht scheitern würde. Beim Laufbloggercamp 2016 konnte ich mich bereits überzeugen, dass ein ehemaliger Europameister mit dem Schuh sogar auf Waldwegen und Trails unterwegs ist. Außer für den Grip sorgen die Lasercuts zudem für eine große Flexibilität der bewährten Lunarlon-Sohle. Der Schuh lässt sich in alle erdenklichen Richtungen biegen und gibt so dem Fuß alle Freiheiten die er braucht, ohne dass man auf Dämpfung verzichten muss.

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

Auf der Unterseite der Lunarlon-Sohle haben die Laser ganze Arbeit geleistet und aus dem Konstrukt eine hochflexible Einheit geschaffen.

Dieses Plus an Flexibilität resultiert genau wie bei der Nike Free Serie aus dem Verzicht auf einer zusätzlichen gummierten Außensohle. Daraus ergibt sich eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Free. Der LunarEpic sammelt Steine. Viele Steine…

Der Steinesammler

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

Die Lamellen auf der Außensohle sorgen für den nötigen Grip, haben aber ihren Preis. Sie sammeln Steine. Das war allerdings keine große Überraschung.

Zugegeben. Es war keine große Überraschung und auch bereits in diversen Testberichten zu lesen. Die Rillen des Lasermachwerks werden von diversen kleinen Steinchen bevölkert, sofern man nicht ausschließlich auf Asphalt läuft. Und wer macht das schon? Nach dem Lauf hat man also erst einmal richtig was zu tun, wenn man den Schuh wieder so herrichten möchte, dass er auf Parkett und Laminat keine unschönen Verzierungen bereitet.

Der Eyecatcher

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

Auch in Kombination mit der nordhessischen Natur (links Buga-Gelände, rechts Schloss Wilhelmshöhe) macht der Nike LunarEpic Low eine gute Figur. Ganz wie der Autor selbst.

Meine Kollegen sind ja mittlerweile einiges gewohnt – ich trage ja meine Laufschuhe auch im Büro. Kaum ein Schuh hat aber so viel Gefallen gefunden, wie der LunarEpic Low. Das schicke Schuhwerk ist ein Hingucker. Man war regelrecht verzückt. Diese Tatsache hat in einem ordentlichen Testbericht eigentlich nichts zu suchen, denn wir testen stets nur technische Aspekte und beurteilen, wie sich der Schuh bei Überpronation und Supination schlägt. Ok, sollt ihr haben…

Das Wohnzimmer

Fangen wir mal bei der Passform des Schuhs an. Ihr ahnt es bereits. Es sei denn, euer Wohnzimmer hat mit Gemütlichkeit eher wenig zu tun. Der LunarEpic Low Flyknit ist jedenfalls einer der bequemsten Schuhe, die ich je getragen habe. Da drückt dank Flyknit wirklich nichts, aber auch gar nichts, selbst die Zehenbox ist in wahres Raumwunder. Allerdings hat die Bequemlichkeit auch ihren Preis. Sollte euer Fuß Support benötigen, kann es sein, dass der Schuh vielleicht nicht so gut geeignet ist, zumal die Außensohle nicht typisch flach wie bei anderen Laufschuhe ist. Bemerkbar macht sich das vor allem, wenn man noch nicht so richtig warm ist oder auch später, wenn die Gelenke müde werden. Zwischen diesen Phasen empfand ich den Schuh jedoch als einen Knüller. Ich war damit ein paar Mal im Kasseler Bergpark laufen. Erst bergauf und dann bergab. Vor allem auf den Bergab-Passagen hat er mich begeistert, denn er schluckt wirklich viel weg und hat ordentlich Grip auf dem feinen Schotter, der dort auf den Wegen vorzufinden ist. Apropos Wege – in’s Gelände würde ich mich mit dem Schuh nicht wagen, dafür ist mir das Flyknit-Material nicht fest genug.

Beim Vorbereitungslauf zum Kassel Marathon konnte ich den LunarEpic Low auch noch einmal auf der Halbmarathon-Distanz testen. In der Gruppe der 1:45er Läufer bereitete der Schuh zunächst keinerlei Probleme. Allerdings merkte ich am Ende des Laufs leichte Ermüdungserscheinungen im Fuß, die ich sonst nicht habe. Kann am Schuh liegen, muss aber nicht sein.

Fazit

Vom LunarEpic Low Flyknit sollte man sich unbedingt persönlich ein Bild machen. Entweder man liebt den Schuh, was recht wahrscheinlich ist, oder man mag ihn nicht. Vielleicht lässt euch euer Händler ein wenig auf dem Laufband traben oder eine Runde um den Block rennen, bevor ihr den zugegeben recht hohen Preis von 160 EUR auf den Tisch blättert, denn allein von der bequemen Passform sollte man sich nicht bezirzen lassen. Anschließend hat man Spaß beim täglichen Training. Für den langen Lauf am Wochenende würde ich dann eher zu einem anderen Modell raten, z.B. zum Pegasus oder dem Structure – je nach Bedarf an Support.

Für die Transparenz

Die PR-Agentur von Nike Deutschland hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben, es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD

160 €
Nike LunarEpic Low Flyknit ULTD
9.3833333333333

Passform

100/10

    Design

    98/10

      Stabilität

      80/10

        Dynamik

        95/10

          Verarbeitung

          100/10

            Spaßfaktor

            90/10

              Positiv

              • - Extrem bequeme Passform
              • - Komfortable Dämpfung
              • - Guter Grip
              • - Gelungenes Design

              Negativ

              • - Problematische Stabilität
              • - Sohle sammelt Steine
              • - Nicht gerade günstig

              8 Kommentare

              1. Comment by chris

                chris Antworten 26. Oktober 2016

                optisch muss man den auch mögen!? mir viel zu bunt! ich überleg gerade welchen Nike ich mit Flexkerben auch zuhause hab, da ging mir das Steine rausgepopel auch auf den Geist, wenn du es nämlich nicht sofort machst, hast die dellen da für immer drin;(
                Für mich also nicht so praktikabel und das man kaum bis wenig stabilität hat, macht es nciht besser ;(

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 26. Oktober 2016

                  Die Optik ist ganz klar Geschmacksache. Mir gefällt er. Sieht in Natura auch noch ein wenig anders aus. Zudem ist jeder Schuh ein Unikat, da das Muster eher Zufall ist.

              2. Comment by Michael

                Michael Antworten 4. November 2016

                Hallo,

                der Schuh ist optisch vielleicht gewöhnungsbedürftig aber dennoch ein echter Hingucker. Viel wichtiger ist für mich eigentlich, dass der Schuh bequem ist und eine gute Passform hat.

                Liebe Grüße,

                Michael

              3. Comment by Laufhannes

                Laufhannes Antworten 5. November 2016

                Ich fand die Kerben beim „echten“ Nike Free 3.0 von früher gar nicht so schlimm. Da waren die Kerben so groß, dass auch die Steine entsprechend größer waren und man die recht schnell rausbekommen hat. Aber diesen Schuh mit einem Nike Free von früher zu vergleichen ist vermutlich auch nicht fair.

                Trotzdem frage ich mich ein wenig, was der „Grip“ soll: Auf Asphalt hatte ich bisher mit jedem Laufschuh Grip, solange er nicht wie ein Bowlingschuh präpariert ist (oder er rutschige Gumminoppen wie der Pure Grid hat und der Boden nass ist). Und auf „normalen“ Waldwegen komme ich auch mit jedem x-beliebigen Schuh zurecht. Nur im alpinen Gelände oder tiefem Matsch darf es etwas mehr Grip sein, aber da dürfte vermutlich auch dieser Grip nichts bringen.

                Aber so oder so – letztlich zählt ja sowieso das Gefühl am eigenen Fuß – 160 Euro sind ein Wort, vor allem bei diesem Augenkrebs ;)

              4. Comment by Stefan

                Stefan Antworten 6. November 2016

                Deine Bilder finde ich wirklich klasse! Und ja, du hast die Schuhe tatsächlich sehr gut in Szene gesetzt ;-) Ich finde die Schuhe optisch echt ansprechend, da ausgefallen. Leider hasse ich es mit Schuhen zu laufen, die der Meinung sind, Steine zu sammeln wäre eine schöne Sache. Das ist nervig. Das ist lästig.
                Letzteres Argument ist für mich ein Ausschlusskriterium. Ich hatte mich bei meinen letzten Schuhen (gekauft beim UrbanAthlon) tierisch über diese Sammelfähigkeit geärgert.

              5. Comment by Frauke

                Frauke Antworten 28. Januar 2017

                Das mit den Steinen kenne ich nur zu gut bei den Nike Laufschuhen… ist echt zu schade bei dem Preis. Da nutze ich meine Nikes lieber im Studio oder zu Hause auf dem Laufband. Ich nutze draußen lieber stinknormale Hallenschuhe.

              6. Comment by Guido

                Guido Antworten 11. April 2017

                Ich habe den Schuh nun 3 Monate gelaufen. Am Anfang war es ein gutes Gefühl. Umso wärmer es nun wurde, desto schwammiger wurde der Schuh. Zudem sind nach jedem 10km-Lauf meine Oberschenkel matschig. Das kenne ich überhaupt nicht, den ich laufe 3 Mal die Woche 10 km. Schau mal wie sich das so entwickelt, aber es ist bereits der zweite Schuh von Nike, den ich nicht weiterempfehlen würde. Schade eigentlich.

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 11. April 2017

                  Sowas in der Art schrieb ich ja oben. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass er zudem noch eine ziemlich hohe Sprengung hat, die auch nicht gerade zur Stabilität beiträgt. Für kurze, spontane Läufe finde ich ihn trotzdem fein. Wenn es um Bestzeiten oder effektives Training geht, habe ich andere Favoriten.

              Dein Kommentar

              Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

              E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren. Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

              Close
              Go top