Exit

Ich habe versprochen, dass ich euch über mein Projekt 2017 Gesunde Füße auf dem Laufenden halte. Vor ein paar Tagen hatte ich es schon erwähnt – mein Fersenleiden hat sich gebessert. Es läuft mittlerweile wieder einigermaßen rund. Heute möchte ich noch einmal genauer darauf eingehen, wie ich mich in der mehr oder minder lauffreien Zeit mit meinen Gliedmaßen beschäftigt habe. Denn, um es mal vorweg zu nehmen: das Projekt beschränkt sich nun nicht nur mehr auf die Füße, sondern auf die komplette Muskelkette. Merke: nicht unbedingt da, wo der Schmerz auftritt, ist auch die Ursache zu finden.

Die Mischung machts

Am Anfang des Projekts hatte ich noch vor, nur noch mit Schuhen ohne Sprengung zu laufen. Also in meinen Altras, in den LunaSandals oder im Merrell Vapor Glove. Das hat mit den Altras noch gut geklappt. Die haben zwar ZeroDrop, dafür aber Dämpfung. Die Idee, mal einen Lauf in Lunas einzubauen, ging mächtig in die Hose. Meine Ferse gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ich das doch bitte lassen soll. Und das, obwohl ich sicherlich nicht mit der Ferse aufgekommen bin. Knapp eine Woche habe ich gebraucht, um mich von dem Lauf zu erholen. Den Merrell, den ich als Testschuh bekommen habe, nutze ich daher vorerst nur zum Reha-Sport. Der Schuh hat ähnlich viel Dämpfung, wie die Schluppen. Nämlich keine.

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ab und zu ein wenig Sprengung ganz angenehm ist. Die Achillessehne wird entlastet, die Ferse findet ein paar Millimeter mehr auch ganz ok. Das Zitat trifft es wie so oft ganz gut…

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.Paracelsus (1493–1541), Schweizer Arzt, Alchemist, Mystiker und Philosoph

Derzeit laufe ich daher zu ca. 90% mit Altras und die restlichen Läufe mit 4-10mm Sprengung in verschiedenen Schuhen. Je nach dem weiteren Heilungsverlauf meiner Ferse wird sich der Anteil noch verschieben – in welche Richtung auch immer.

Mobility – geschmeidig wie ein Leopard

Kennt ihr Bücher, die auf alles eine Antwort finden? Nein, ich meine jetzt nicht „den Steffny“, sondern jene Werke „vom Starrett“. Die Überschrift gibt ja bereits den Hinweis. Kelly Starrett ist ein sogenannter Mobility Coach, also jemand, der einem erklärt, wie der Körper funktionieren könnte, wenn man ihn regelmäßig in alle verschiedenen Himmelsrichtung biegt und dehnt. Früher hieß das glaube ich mal Gymnastik. In der Zeit, in der Jogginghosen noch einen Steg unter dem Fuß hatten und ausschließlich in Dunkelblau zu haben waren. Heute müssen es so lustige Foltereinheiten, wie der „Pistol Squat“ oder der „Couch-Stretch“ sein. Ich mag jetzt keine Beispiele verlinken – YouTube ist voll von solchen Mobility-Einheiten. Sucht euch was raus.

Das Problem an solchen Videos ist, dass man die genau passende Übung für seine Leiden finden muss. Ok, im Idealfall macht man einfach alle – aber wer will das schon? Sowohl Werde ein geschmeidiger Leopard, als auch Ready To Run eignen sich daher als Nachschlagewerk, wobei „der Leopard“ mehr in’s Detail geht. Beide muss man also nicht haben.

Kelly Starrett

Die Bücher von Kelly Starrett bieten für jedes Läufer-Aua eine passende Übung. Oft tun die weh, dann helfen sie aber auch meist.

Wenn es darum geht, gezielt nach Übungen zu suchen, greife ich zuerst zu dem umfassenderen Leoparden. Es gibt eigentlich nichts, was darin nicht zu finden ist. Fast alle Übungen sind ohne aufwändige Hilfsmittel durchführbar. Eine Blackroll, ein paar Bälle und Therapiebänder hat man als Sportler eh meistens schon zu Hause.

Yoga – Inhale & Exhale

Yoga ist derzeit voll hipp unter den Läufern. Musste man noch vor nicht allzu langer Zeit den herabschauenden Hund im stillen Kämmerlein machen, so biegt und dehnt man sich nun öffentlich in Challenges auf Instagram, Twitter und Facebook. Ich wickel mich nun auch schon seit fast einem Jahr mit der Holden auf der Matte. Zwecks Inspiration hatten wir uns bei Amazon Prime eine Serie dazu ausgesucht. Mit einer hübschen jungen Trainerin, die dekorativ auf den Klippen die Übungen vorführt. Aber Achtung: Weil im Titel der Serie Nice Butt & Sexy Legs vorkommt, muss man den PIN für die Altersfreigabe eingeben. Die spinnen, die Amis.

Pillen & Salben

Heikles Thema. In der Not schluckt man, was Zeug hält – nur um wieder laufen zu können. Selbst die IBU 800, die mir der Quacksalber verschrieben hat. Sorry, für die Wortwahl. Aber leider war ich so doof und habe gehofft, dass nach der Einnahme der kompletten Packung alles wieder gut ist. War es aber nicht. Das andere Extrem, die Homöopathie, war ebenso wenig erfolgreich. Traumeel-Tabletten und Globulikügelchen – schön, wenn man daran glaubt. Das versetzt bekanntlich Berge, heilt aber anscheinend keine Fersen. Genau so wenig haben Voltaren- und Traumeel-Salbe geholfen. Nur ausgerechnet das Zeug, was so erbärmlich stinkt…

Retterspitz

Retterspitz Muskelcreme – stinkt wie Hölle, hilft aber. Kann allerdings sein, dass Mitmenschen einen großen Bogen um einen machen.

Ich traue mich schon gar nicht in’s Büro. Die Muskelcreme von Retterspitz habe ich nicht nur auf die Ferse geschmiert, sondern auf die komplette Muskelkette – also vom Oberschenkel abwärts bis runter. Einmal morgens und einmal abends vor dem Schlafengehen. So hat nicht nur mein Kollege, sondern auch die Holde etwas von dem aufdringlichen Geruch. Jegliche Versuche, den Gestank mit einem betörenden Aftershave zu überdecken, kann Mann sich übrigens schenken. Ist mir auch egal – denn die Creme hilft. Zumindest bei mir und bei regelmäßiger Anwendung.

Irgendwo in einem Forum habe ich auch von einer erfolgreichen Anwendung durch ChillSan gelesen. Ich hab es noch nicht ausprobiert, aber ich hab noch ein Fläschchen davon zu Hause liegen. Das Zeugs brennt nicht nur übelst, sondern versaut durch seine Rotfärbung (Chili!) auch noch die Wäsche. Wenn es hilft, soll’s mir recht sein…

Laufstil

Was fehlt noch, um dauerhaft beschwerdefrei zu sein? Richtig, ein besserer Laufstil. Obwohl es nicht den Laufstil gibt, sollte man dennoch ein paar grundsätzliche Regeln und Ratschläge beherzigen. Ob das nun die Trittfrequenz, die Armbewegungen oder was auch immer ist. Auch hier gibt es drölfzigmilliarden Videos, die den perfekten Laufstil propagieren. Oder aber Bücher, wie das Werk ChiRunning. Kauft es euch nicht, es ist sterbenslangweilig. Körper in eine Linie, nach vorne fallen lassen, loslaufen. Das ist die Kurzfassung.

Ich denke mal, ohne professionelle Hilfe werde ich da kaum vorankommen. Ich habe da schon einen geeigneten Trainer im Petto. Auch die erste Session des TrailRunning-Workshops von Salomon war schon mal ein guter Anfang. Apropos Trail – ab jetzt geht es mehr in den Wald. Mehr Höhenmeter, mehr auf und ab. Und wenn es irgendwann wieder richtig läuft, dann gern auch länger.

Für die Transparenz

Sämtliche Bücher, Arzneimittel und andere Produkte, die in diesem Beitrag erwähnt und verlinkt worden sind, wurden von mir käuflich erworben. Es sind keine Affiliates – ihr könnt beruhigt drauf los klicken.

6 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 21. April 2017

    Schön zu hören, dass Du einen Weg der Besserung gefunden hast. Gleichzeitig beunruhigen mich solche Berichte immer: bisher laufe ich ja beschwerdefrei. Aber offensichtlich kann der böse Schmerz jeden Mal erwischen. Meine Twitter-Timeline ist voll davon… :(

    Ich bilde mir ja ein, dass die große Auswahl an Schuhen mit denen ich so ‚rumlaufe bei mir das Schlimmste verhindern. Indem Füße und Muskeln immer wieder leicht anders belastet werden. Und Minimalschuhe kommen höchstens ein Mal in der Woche zum Einsatz.

    Im Moment habe ich eher das Gefühl, dass der gesteigerte Wochenumfang nicht ganz spurlos an mir vorüber geht. Wenn ich nachts zum Kleinen rüber muss, laufe ich oft nichts besser als ein Marathonläufer nach seiner neuen Bestzeit… ;)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 21. April 2017

      Danke für deinen Kommentar.

      2016 war ja schon nicht so toll, aber was mich da Anfang diesen Jahres ereilt hatte, hatte es dann noch getoppt. Ich war ziemlich deprimiert, dass das so fast gar nichts mehr ging. Vor allem dass mir niemand genau sagen konnte, wie ich das Problem beheben kann. Laufen war Mist, Laufpause erst recht. Komischerweise wird es gerade mit steigenden Umfängen besser. Ich klopf mal auf Holz.

      Das mit dem Nachts aufstehen – war bei mir schon immer so. Bin ja nicht mehr der Jüngste. :hehehe:

  2. Comment by Markus

    Markus Antworten 22. April 2017

    Das mit dem Trainer ist ein guter Ansatz. Mir geht es genauso, ich bin aktuell auch auf der Suche nach jemanden der mir das zeigt. Habe auch das Buch Gentle Running aber mit einem Buch den Laufstil verbessern, geht schlichtweg garnicht.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. April 2017

      Ein Trainer ist sicher das Optimum. Was auch hilft, ist sich selbst mal mit einer Kamera aufzunehmen. Ich dachte immer, ich hätte schon Fortschritte gemacht, bis ich mich dann mal mit meinem neuen Spielzeug, einer GoPro, gefilmt habe. Ach herrje, da ist noch viel Arbeit… :hehehe:

  3. Comment by Anke

    Anke Antworten 1. Mai 2017

    Die Bücher sind genau das, was ich gebraucht habe! Danke für die Empfehlung!

  4. Comment by Laufhannes

    Laufhannes Antworten 13. Juli 2017

    Ich habe bisher nur Ready to Run gelesen, der Leopard liegt noch auf dem Tisch. Wie du sagst, weiß man erst einmal nicht so wirklich, wo bei einem die Probleme liegen, falls es irgendwo zwickt. Die 12 Standard von Starrett geben da aber meiner Meinung nach schon einen sehr guten Eindruck, an welcher Stelle man Nachholbedarf hat.

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