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Natural Running ist ja schön und gut, aber wenn in wenigen Wochen die Vorbereitung für den Marathon in Frankfurt beginnt, darf der Schuh gern ein wenig gedämpft sein, damit die langen Läufe nicht zur Tortur werden. Ein Kompromiss muss her – schnell, stabil und kein Klotz am Bein. Gar nicht so einfach, da einen passenden Partner zu finden.

Im März 2015 beglückte PUMA uns mit einer neuen Laufschuh-Innovation namens IGNITE, vorgestellt von keinem Geringeren als dem schnellsten Mann der Welt: Usain Bolt. Einen hohen Dämpfungsgrad und eine hohe Energierückgewinnung zeichnen den Schuh aus, und wenn der Usain ihn läuft – hey, dann muss der auch schnell sein. Das zunächst recht poppig gehaltene Design wurde im Rahmen der pwrCOOL Serie, die eine thermoregulierende Technologie bieten soll, um die Farben grau und hellblau erweitert.

Der PUMA IGNITE pwrCOOL in grau – der ideale Kandidat für den Best Ager, der flotte Kilometer für den Marathon schrubben will? Schauen wir mal…

Schnell und schnittig sieht er schon mal aus, der PUMA IGNITE pwrCOOL...

Schnell und schnittig sieht er schon mal aus, der PUMA IGNITE pwrCOOL…

Auch das Sohlendesign lässt auf einen schnellen Schuh hoffen.

Auch das Sohlendesign lässt auf einen schnellen Schuh hoffen.

Die Dämpfung macht sich schon optisch bemerkbar. Ebenso die Sprengung von 12 mm.

Die Dämpfung macht sich schon optisch bemerkbar. Ebenso die Sprengung von 12 mm.

Das pwrCOOL-Upper erkennt man an dem waffelähnlichen Muster. Ein dezenter Hinweis findet sich zudem auf der herausnehmbaren Innensohle.

Das pwrCOOL-Upper erkennt man an dem waffelähnlichen Muster. Ein dezenter Hinweis findet sich zudem auf der herausnehmbaren Innensohle.

Nachdem die visuellen Reize nun zur Genüge beglückt worden sind, kommen wir zur den olfaktorischen. Das ist wahrscheinlich der erste Testbericht, der den Geruch eines Laufschuhs bemängelt, aber so leid es mir tut – es muss ein. Der Puma hat ein Geruchsproblem. Und zwar kein solches, wie man es ihm und seinem Käfig allgemein nachsagt. Nein, er stinkt extrem unangenehm nach Chemie. Normalerweise trage ich die Laufschuhe in den ersten Tagen auch im Büro, um mich an sie zu gewöhnen. Das ging mit dem Puma auf keinem Fall, ohne dass ich mich bei meinen Kollegen unbeliebt gemacht hätte. Also, liebe Entwicklungsabteilung – da besteht Nachbesserungsbedarf. Denkt euch was aus. Kleber mit Vanillearoma oder was auch immer. Ob die Chemiekeule am Fuß ungesund ist, will ich lieber nicht wissen.

Apropos am Fuß – probieren wir ihn doch einfach mal an. Wenig zu meckern gibt es da, der Schuh sitzt sehr gut an meinem recht schmalen Fuß. Auch ohne Strümpfe ist er angenehm zu tragen. Die Zunge könnte allerdings 5 mm länger sein. Die Zehenbox ist recht flach, aber gerade so, dass es noch nicht unangenehm ist. An der Schnürung und dem Fersenhalt ist ebenfalls nichts auszusetzen. Was jedoch sofort auffällt – der leichteste Schuh unter der Sonne ist der IGNITE nicht gerade, und dass, obwohl überall mit seiner Leichtigkeit geworben wird. Mit 353 Gramm bei Größe 44 ist er kein Lightweight-Trainer mehr.

Wie läuft’s denn so?

Kurz gesagt: sehr gedämpft läuft er sich, der IGNITE. Das Dämpfungsmaterial des Schuhs wird ja damit beworben, dass es die Aufprallkräfte besser verteilt. Vielleicht ist genau diese Eigenschaft das, was mich beim Laufen irritiert. Der Schuh schluckt in der Tat alles weg. Ob auf Schotter, Asphalt oder Waldweg – es läuft sich wie auf Schienen. Ein wenig indirekt, etwas schwammig, dafür aber ungemein komfortabel. Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Boost-Modell von Adidas anprobiert, welches einen ähnlichen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ein Grund, wieso ich bisher ohne drei Streifen unterwegs bin. Der IGNITE macht hier auf mich den dynamischeren Eindruck, aber darüber lässt sich sicherlich streiten. Insofern empfehle hier dringend, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Von der thermoregulierenden Eigenschaft der pwrCOOL-Technologie habe ich übrigens nichts bemerken können. Auf meinen Läufen war es durchaus warm, wenn nicht gar heiß. Das Potential für ein Ass im Ärmel war also durchaus vorhanden. Das alles heißt jedoch nicht, dass der Schuh in der Hinsicht negativ aufgefallen ist. Nur als ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Technologien sehe ich pwrCOOL nicht.

Tja, und was ist nun mit dem Projekt Marathonvorbereitung? Sagen wir es so: Vorbereitung ja – auf Strecken bis 20 km geht er in Ordnung, für mehr ist er mir zu schwer. 50 Gramm weniger und er wäre in der Gewichtsklasse des Asics Gel-Noosa Tri 9, der mich letztes Jahr sowohl in der Vorbereitung, als auch beim Lauf begleitet hat. Die Gewichtsersparnis wäre optimal – wir würden Freunde werden.

Fazit

Im Angebot, derzeit schon für unter 80 EUR, bekommt man den IGNITE ohne pwrCOOL – im ursprünglichen lila/neonrot-Design. Also in dem Look, mit dem auch Usain Bolt um den Häuserblock rennt. Das ist sicherlich ein Schnäppchen, da kann man nicht viel verkehrt machen. Aber auch der reguläre Preis von 120 EUR ist im Vergleich zu anderen Schuhen aus Herzogenaurach durchaus gerechtfertigt. Ob man nun ein Freund der Dämpfung ist oder nicht, entscheidet sich sicherlich nicht bei der Anprobe im Geschäft, sondern erst beim langen Lauf. Ich persönlich hätte sie mir ein wenig straffer gewünscht, was vielleicht aber daran liegt, dass ich in der letzten Zeit eher wenig gedämpfte Lightweight-Trainer und Natural Running Exemplare gelaufen bin. Hauptkritikpunkt bleibt aber das Gewicht – bis zum Marathon muss ich noch zwei bis drei Kilo abspecken. Der IGNITE könnte auch eine Diät vertragen.

Für die Transparenz

Die Schuhe wurden mir von Puma kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

PUMA IGNITE pwrCOOL

120 €
PUMA IGNITE pwrCOOL
7.5

Passform

80/10

    Design

    80/10

      Stabilität

      85/10

        Dynamik

        65/10

          Verarbeitung

          80/10

            Spaßfaktor

            60/10

              Positiv

              • - Angenehme Passform
              • - Angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis
              • - Guter Grip

              Negativ

              • - Zu schwer
              • - Stinkt nach Chemie
              • - Dämpfung etwas zu schwammig

              9 Kommentare

              1. Comment by Sebastian

                Sebastian 29. Juni 2015

                Schöner Testbericht, danke Martin. Aufgrund vieler der genannten Faktoren, kommt der Schuh eher nicht in mein Regal (Gewicht, Sprengung, Schwammigkeit). Das Marketing hat mich schon heiß auf den Schuh gemacht, aber nun senkt sich der Puls langsam wieder.

                • Comment by Martin

                  Martin 30. Juni 2015

                  Naja, wenn man dem Marketing glauben kann, ist jeder Schuh auf dem Markt der beste, den du kaufen kannst. Da gebe ich nie bis selten etwas drauf.

                  • Comment by Sebastian

                    Sebastian 30. Juni 2015

                    Das hast Du Recht, aber das Interesse am Schuh hat sich bei mir dadurch schon verstärkt. Die Faas Serie sieht zum Teil auch interessant aus, aber ich geh nun erstmal laufen ;).

              2. Comment by Kai

                Kai 30. Juni 2015

                Ich kann den Puma FAAS 600 und den 600v2 mein eigen nennen. Den 600 empfand ich bei Läufen über 10 km als zu weich. Beim 600v2 wurde da gefühlt nachgebessert. Bei vom Gewicht ok und recht flexibel. Allerdings ist die Sohle beim FAAS 600 nach über 170km doch schon recht stark mitgenommen. Ausgerechnet an den „verstärkten“ Zonen. Passform gefällt mir ein beiden sehr gut. Der Ignite wäre bei mir gleich ausgeschieden, weil mir 12mm Sprengung mindestens 4mm zu viel sind.

                Zu deinem Bericht: Wie immer gut geschrieben und informativ.

                • Comment by Martin

                  Martin 30. Juni 2015

                  Also sind die 8mm des 600v2 für dich die „Schmerzgrenze“?
                  Ich weiß nicht – so pauschal sehe ich das nicht. Ich weiß noch nicht mal, wieviel Sprengung die Noosa Tri haben. Hatte ich mir damals™ gar keine Gedanken drüber gemacht, als ich mir die gekauft hatte.

              3. Comment by Patrick Salm

                Patrick Salm 30. Juni 2015

                also ich mag ja den Geruch neuer Schuhe, allerdings mag ich auch den Geruch von Benzin :-). Beim Gewicht war ich überascht, ich dachte er wäre leichter.
                Die Preise neuer Puma Produkte fallen meist erstaunlich schnell und extrem tief, was nicht unbedingt mit der Qualität zusammenhängt, aber anscheinend läuft der Absatz, trotz bekannter Werbegesichter nicht so gut wie bei den Konkurrenten.

                • Comment by Martin

                  Martin 30. Juni 2015

                  Dass die so schnell so günstig an den Mann und die Frau gebracht werden, liegt bestimmt auch an den schnellen Modell- und Design-Wechseln. Der IGNITE wurde ja erst im März auf den Markt gebracht, und im Juni gab’s schon das pwrCOOL Update.

              4. Comment by GunnerRunner

                GunnerRunner 14. Juli 2015

                Habe mir die schuhe auch zugelegt und bin super zufrieden damit. Ich dachte auch das der Schuh etwas leichter wäre, aber ich mag es wenn man beim joggen etwas an den Füßen spürt. Das Design gefällt mir super gut. Puma hat mich hier bisher immer überzeugt. Leider kommen sie nie wirklich gegen Nike an, vllt. fallen deshalb die Preise oft so schnell. Ein toller Schuh und ein guter Artikel

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