Da steht er vor der Tür und grinst mich an. Wir sind schon lange per Du, der UPS Mensch und ich. So richtig rausgerückt hat er noch nicht, was er darüber denkt, dass er mir dauernd Laufschuhe und anderes Sportzeugs liefert. Sicher vermutet er eine Art Sucht. Völliger Unsinn…

Mit dem Paket, welches er mir gerade vorbeibringt, habe ich überhaupt nicht gerechnet. Sozusagen eine Überraschung im doppelten Sinne. Ich verfolge ja primär, was Salomon im Trailbereich auf den Markt bringt. Umso mehr war ich erstaunt, dass da ein Straßenlaufschuh drin ist, der anscheinend von mir getestet werden möchte. Nun bitte. Gerne doch. Als ob ich da ein Problem mit hätte.

First Look: Der Salomon Predict 2

Mit dem neuen Predict 2 hat Salomon einen Schuh ziemlich umfassend überarbeitet, den ich mir vor einiger Zeit schon mal aus Interesse bestellt hatte. Ehrlich gesagt war der Predict der erste Schuh der Marke, der mir so gar nicht gefallen hat (ja, wirklich!). Nach zwei oder drei Runden haben wir beide uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Die Dämpfung war so gar nicht meins. Viel zu sehr Sofa – da stehe ich seit meinen Hoka Experimenten gar nicht drauf.

Salomon Predict 2

Tja, und dann packe ich das Paket aus und erblicke einen Schuh, der augenscheinlich primär aus Sohle zu bestehen scheint – mit einem Hinterteil, bei dem Kim Kardashian Patentante gestanden ist. Ich ahne Fürchterliches. Wird das ein ähnliches Fiasko wie beim Vorgänger?

Salomon Predict 2

Na immerhin: Das neue schwarz-weiße Design ist ganz cool, vor allem im Vergleich zu dem Opi-Look vom Vorgänger. Apropos – scheint die bei Salomon auch nicht zu interessieren, dass ich doppelt so alt bin, wie die eigentliche Zielgruppe. Nun, mich auch nicht.

Salomon Predict 2

Was mich ja ganz optimistisch stimmt, ist das, was ich da auf der Sohle lese: INFINIRIDE ist ein neuer, mit Stickstoff versetzter Schaumstoff auf TPU-Basis, der sich hoffentlich besser läuft, als die Sofa-Dämpfung des Vorgängers. Verwendet wird dieses Material auch im Salomon Index.01 – einem Laufschuh, der nach seinem Laufleben recycelt werden kann. Aus eben jener Sohle wird später mal ein Skischuh. Tolle Sache. Allerdings werden wir uns so nie wieder treffen – der Schuh und ich. Es sei denn, ich lerne im hohen Alter noch den Pistenschwung.

Salomon Predict 2

Die Zwischensohle des Salomon Predict 2 bietet, wie schon beim Vorgängermodell, eine anatomisch entkoppelte Zwischen- und Außensohle. Mit ihrer Hilfe werden die Belastungen auf das Knie und die Hüfte reduziert, indem sie eine geschmeidige, an die wichtigsten Fußgelenke angepasste Laufbewegung ermöglicht. In Anbetracht dessen, dass erstaunliche 42 Prozent aller Läuferinnen und Läufer über Knieverletzungen klagen (me included), sieht Salomon da wohl vermehrten Handlungsbedarf.

Salomon Predict 2

Radikal verändert hat man die Oberkonstruktion des Predict 2. Mit dem Vorgänger hat die neue Half-Bootie-Konstruktion nun wirklich nichts mehr gemeinsam. Der Schuh ist weitestgehend frei von Innennähten und bietet somit extrem viel Komfort und eine tolle Passform. Ich greife mal vorweg – man kann ihn auch prima ohne Socken laufen. Stabilität erlangt man durch die flexible und entkoppelte Oberkonstruktion. Apropos stabil: Die Fersenkappe ist eher weich und nachgiebig. Wer da mehr Halt benötigt, sollte sich vielleicht einen anderen Schuh aussuchen.

Salomon Predict 2

 

Der Salomon Predict 2 in der Praxis

Wusstet ihr schon? »Ich hab da ein ganz mieses Gefühl… « ist ein Zitat, welches in jeder STAR WARS Episode vorkommt. Hat zwar nur bedingt etwas mit dem Thema zu tun, aber ihr habt wieder was bei mir gelernt. Vom Gefühl ging’s mir aber auch beinahe so, als der Praxistest des Salomon Predict 2 anstand. Wo doch der Vorgänger und ich so gar keine Freunde geworden sind. Aber um gleich mal den Druck vom Kessel zu nehmen – alles wird gut. Diesmal gibt’s ein Happy End. Wie bei STAR WARS.

Der Salomon Predict 2 sieht nicht nur optisch komplett anders aus – er ist es auch und läuft sich demnach auch so. Und zwar wesentlich besser. Aber kommen wir erst mal kurz zur Passform. Wie schon oben erwähnt, besitzt der Predict 2 einen sockenähnlichen Innenschuh, der von einem stabilen Konstrukt gehalten wird. Der wesentliche Halt erfolgt also über die Schnürung. Von der Fersenkappe darf man nur wenig Führung erwarten. Für Läufer, die auf Support angewiesen sind, ist der Schuh demnach eher nichts. Für alle anderen gilt: Bequemer geht’s kaum.

Auch wenn die Sohle den Eindruck macht – gerade auch aufgrund des voluminösen Hinterteils – die eierlegende Wollmilchsau ist sie nicht. Sie ist weder Sofa noch hart, sondern im Grunde perfekt ausgewogen und nach meinem Geschmack. Die wulstige Kante der Sohle verleiht dem Schuh ausreichend Seitenhalt, der durch die Oberkonstruktion und der spartanischen Fersenkappe vielleicht nicht so ganz gegeben ist. Der Vorfuß darf ordentlich Druck auf den Asphalt ausüben und die Ferse bekommt genügend Dämpfung ab. Mit den 8 mm Sprengung komme ich gut zurecht. Auch die 280 Gramm bei Größe 44 gehen durchaus in Ordnung.

Salomon Predict 2

Mein Fazit zum Salomon Predict 2

Hey, Salomon. Das nenne ich mal eine Überraschung. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Weder mit dem Schuh noch mit dem Testergebnis. Klasse Dämpfung, perfekte Passform. Eher nicht der Wettkampfschuh, sondern mehr der ideale Kandidat für den täglichen Trainingslauf. Alles in allem ist der Salomon Predict 2 tatsächlich ein Schuh, der mir super gefallen hat. Und dabei ist er ja noch nicht mal ein Trailschuh. Okay, Spaß – dass Salomon auch gute Straßenlaufschuhe kann, weiß ich bereits seit dem Salomon Sonic 3 Balance. Beim nächsten Überraschungspaket bin ich dann genauso wenig überrascht, wie der UPS Mensch.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon Predict 2

149,95€
9.3

Passform

10.0/10

Design

9.0/10

Stabilität

8.0/10

Dynamik

9.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

9.5/10

Positiv

  • Dämpfung
  • Passform

Negativ

  • Seitenhalt des Obermaterials

2 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 30. September 2020

    Hi Martin,

    hast Du echt so Probleme mit Fersenkappen – also allgemein? Ist mir noch nie als Problempunkt aufgefallen und auch im Predict 2 sitzt mein Fuß gut und sicher. Aber ist schon echt spannend, was Salomon da in Richtung Straße alles entwickelt. Das kommt ja auch den Trailschuhen zugute.

    Herzliche Grüße

    Thomas

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 30. September 2020

      Hi Thomas,
      nicht unbedingt. Ich wollte nur mal drauf hinweisen, denn für Läufer mit Instabilitäten ist der Schuh ja eher nicht optimal. Ich weiß nicht, wie das aussehen würde, wenn die Fersenkappe härter wäre. Wahrscheinlich würde dann aber die Charakteristik des Schuhs flöten gehen.

      Was die Entwicklung anbelangt: Da bin ich mir bei Salomon nicht sicher, wer bzw. was hier wen beeinflusst – der Trail die Straße oder andersrum. Die Athleten, die die Entwicklung mitgestalten, kommen ja eher zu 99% aus dem Trailbereich (Jornet, D’Haene …). Und wenn du dir den S/LAB Phantasm anschaust – der trägt auch die Handschrift von Kilian Jornet.

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