Wenn ihr ehrlich seid, kennt ihr doch sicher auch diesen Begehrlichkeitsfaktor, den das ein oder andere Gadget auf dem Bereich des Läuferequipments weckt. Bei mir sind es schon seit jeher jene Jacken, die mit dem Shakedry™-Material von GORE-TEX® ausgestattet sind. Mal abgesehen davon, dass deren mattschwarze Optik genau mein Fall ist, interessierte mich deren Funktionalität doch ungemein. Wie gut, dass Salomon da was passendes für mich im Programm hat.

Die zweite Haut

Zunächst klären wir doch einmal: Was genau ist denn das Besondere an dem GORE-TEX® Shakedry™-Material der Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke? Möglichst viele Trademarks in einer Produktbezeichnung untergebracht zu haben? Mag sein, kann ich noch mal näher hinterfragen, wenn ihr das möchtet. Ich denke, es ist aber eher die Eigenschaft, dass sich die Jacke wie eine zweite Haut anfühlen soll. Um das zu erreichen, muss sowohl der Schnitt der Jacke als auch das Material perfekt funktionieren.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Fangen wir mal an, einen Blick auf den Schnitt zu werfen. Zugegeben: Mit MotionFit™ 360° konnte ich zunächst erst mal nicht besonders viel anfangen. Zunächst sieht das gute Stück ähnlich aus, wie all die Jacken, die ich noch im Schrank hängen habe – vielleicht ein klein wenig weiter geschnitten. Doch schon beim ersten Praxistest auf dem Trail macht sich bemerkbar, dass der Armschwung und -einsatz durch mehr Bewegungsfreiheit in Ärmel- und Schulterbereich merklich vereinfacht ist. Ziemlich perfekt und so noch nie erlebt: Die aufgezogene Kapuze sitzt wie eine Mütze und folgt den Kopfbewegungen, ohne zu verrutschen oder das Sichtfeld zu blockieren.

Geschüttelt (nicht gerührt)

James Bond wäre absoluter Fan der Jacke, denn nach dem Schütteln ist das Shakedry-Material (ah!) ähnlich trocken, wie sein heiß geliebter Martini. Zack – somit hätten wir die wichtigste Eigenschaft der Jacke bildlich dargestellt. Stellt euch nur vor, wie 007 von Q die Jacke verpasst bekommt. Okay, ich übertreibe es mit meiner Art von Kopfkino. Kommen wir mal wieder zurück in die Realität.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Für einen ordentlichen Dauerregen musste ich nach dem Erhalt der Jacke lange warten – der Klimawandel lässt grüßen. Umso mehr hat es dann geschüttet, als ich zwei Stunden durch den Kasseler Bergpark gerannt bin. Dabei stellt sich die Jacke als absolut und vor allem dauerhaft wasserdicht heraus. Dank der glatten Oberfläche nimmt sie keinerlei Feuchtigkeit auf, denn die Shakedry-Technologie verzichtet auf ein zusätzliches Obermaterial auf der GORE-TEX Membran und verhindert somit eine Wasseraufnahme. Einmal kurz an den Ärmeln geschüttelt – schon ist die Jacke wieder trocken. Zumindest an der Stelle. Netter Nebeneffekt, der bei jenem Minimalismus entsteht: Die Jacke wird auch bei starkem Regen nicht schwerer, da kein Textil da ist, welches die Nässe aufnehmen kann. Apropos schwer: ist sie nicht, die Jacke – 155 Gramm wiegt sie.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Die Membran des Shakedry™-Materials ist außen glatt und innen matt. Der Reißverschluss ist ebenso wasserabweisend – wie sollte es anders sein?

Apropos Klima…

Ich habe eben schon vom Klimawandel gesprochen, aber wie sieht’s denn aus mit dem Klima in der Jacke? Das ist sozusagen die Königsdisziplin eines solchen Kleidungsstücks. Grundsätzlich ist es so, dass es bei einer Luftfeuchtigkeit von 100% keinen Austausch des Wasserdampfs zwischen inner- und außerhalb der Jacke geben kann. Die Luft ist mit Feuchtigkeit gesättigt, der Schweiß bleibt drin. Unterhalb der 100% kann man das Problem reduzieren, indem man dünnere Bekleidung drunter zieht und/oder auf atmungsaktivere und dampfdurchlässigere Materialen setzt. Das funktioniert beim GORE-TEX®-Material ziemlich gut.

Selbst gegen Ende der zwei Stunden im Bergpark, bei denen auch durchaus fordernde Anstiege für vermehrte Schweißproduktion gesorgt haben, hatte ich keinen Eindruck eines Hitzestaus. Auch Wasser, welches am Ärmel runterläuft – also die typische Ekligkeit einer nicht funktionierenden Regenjacke – blieb aus. Innen war die Jacke nach dem Lauf zumindest optisch trocken. Lediglich mein Shirt war feucht.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Die Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke ist vollständig abgedichtet. Sie besitzt keine Lüftungsöffnungen, dafür aber verklebte Nähte.

Rucksack: Ja? Nein?

Kommen wir mal zu einem neuralgischen Punkt, wenn es um “Oberbekleidung” geht. Zumindest wenn man Rucksäcke oder Laufwesten auf dem Trail trägt. Jenes Equipment hat nämlich unter Umständen die unangenehme Eigenschaft, dass es durch die Reibung gerne mal Shirts und Jacken zerstört. Zumindest optisch. Bei mir ist das immer im Bereich der Verschlüsse und der Trinkflaschenböden der Fall. Ein paar Shirts und Jacken können das ab, andere wiederum nicht.

Ob die Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke für Rucksäcke geeignet ist, habe ich nicht getestet. Oder besser gesagt: nicht testen wollen. Wie ich beim Harlerunner gelesen habe, kann GORE-TEX® für sein Shakedry™-Material das Tragen von Rucksäcken nicht empfehlen, weil die Membran eine dauerhafte mechanische Belastung nicht aushalten würde. Das wäre dann in der Tat recht schade, wenn das nicht gerade preiswerte Jäckchen derart zerstört werden würde. Insofern lasse ich das mal und nutze dafür das, was sich Salomon für Rucksackträger ausgedacht hat…

Quasimodo oder doch James Bond?

Noch bin ich nicht in dem Alter, dass ich die Rolle des buckligen Quasimodo übernehmen müsste. Zwar ist die Körperhaltung nicht ganz optimal, aber ich bin dann eher der Rolle des 007 zugeneigt. Kommen wir zurück zur Jacke. Die hat nämlich auf dem Rücken eine ziemlich große Falte, die das Volumen des Rückenteils erheblich vergrößern kann, so dass ein Fallschirm (Bond) oder aber ein Rucksack (Trailläufer) locker Platz findet. Okay, dass mit dem Fallschirm ist Blödsinn (MAAARTIN, CONTENANCE BITTE!!).

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Da unter der großen Falte am Rücken hat eine Menge Platz. Ein Buckel, ein Fallschirm oder ein Rucksack.

Was auf den ersten Blick total unpraktisch erscheint – also den Rucksack unter die Jacke zu ziehen – kann bei widrigem Wetter durchaus Vorteile haben, denn so bleibt der Inhalt des Rucksacks trocken. Mittlerweile kommt mir der Rucksack auf einer Jacke total unlogisch vor, so dass ich mir wünschte, dass ich ihn auch bei allen anderen Jacken drunter tragen könnte. Leider passt das sonst bei keiner – zumindest nicht in der Art und Weise, dass es bequem ist.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Rucksack mit Trinkflaschen unter der Jacke? Kein Problem – fällt noch nicht mal auf. Oder?

Für die Regenpausen hat sich Salomon bei der S/LAB MotionFit™ 360° Jacke noch etwas Besonderes ausgedacht. Sie besitzt einen elastischen Hüftbund, so dass man die Jacke an der Hüfte verstauen kann. Das sieht noch nicht mal besonders wurstig aus und funktioniert wirklich einfach – sogar während des Laufens. Mal davon ab hat der Bund den Vorteil, dass die Jacke dort sehr gut sitzt und nicht hochrutscht, was ich bei vielen Jacken extrem störend finde. Vor allem am Rücken, wenn es kalt ist.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Die Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke hat einen elastischen Hüftbund, in dem man die Jacke an der Hüfte verstauen kann.

Mit Sicherheit

Ja, ich sehe schon die mahnenden Zeigefinger vor mir: “Hey, die Jacke ist schwarz. Die gibt’s auch nur in schwarz. Das ist nichts für mich. Da wird man nicht gesehen im Dunkeln!” Ja, ihr habt recht. Die ist schwarz. Also fast. Und es gibt sie auch nur in der Farbe. Jacken mit Shakedry™ habe ich bis dato auch noch nie in einer anderen Farbe gesehen. Aber: Auf dem Trail ist das nicht schlimm und für die Straße hat die Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke zumindest ein paar Reflektoren spendiert bekommen, die übrigens nur auffallen, wenn sie geblitzdingst oder von Scheinwerfern angeleuchtet werden.

Salomon S/LAB MOTIONFIT 360 JKT

Ein paar Reflektoren sorgen für ein Mindestmaß an Sicherheit. Die fallen übrigens erst auf, wenn man sie beleuchtet.

Mein Fazit zur Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke

An der Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke gibt es wenig zu meckern. Sie funktioniert wirklich perfekt, die Passform ist absolut überragend. Ob man damit klarkommt, dass man den Rucksack nur unter der Jacke tragen sollte, muss jeder für sich beurteilen. Sehr diskutabel ist natürlich der Preis der Jacke, der bedingt durch die Verwendung des Shakedry™-Materials von GORE-TEX® am oberen Ende der Fahnenstange angesiedelt ist. Für den Betrag bekommt man zwei Jacken. Ob die dann zusammen in Summe so viel können, wie dieses Exemplar allein, sei dahingestellt.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Jacke kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon S/LAB MotionFit™ 360° Jacke

350 €
9.2

Passform

10.0/10

Design

10.0/10

Funktionalität

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Preis/Leistung

5.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Funktioniert perfekt
  • geniale Passform

Negativ

  • Preis

6 Kommentare

  1. Comment by Nico

    Nico Antworten 4. Januar 2021

    Danke für den Bericht. Leider regnet es in Hamburg nicht so häufig, daher lohnt sich so eine Anschaffung für mich eher nicht :)

  2. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 4. Januar 2021

    Ahh… da ist der Bericht ja endlich! Die Jacke schien ja zuletzt quasi an Dir festgewachsen zu sein. :) Eine Shakedry-Jacke gehört sicher auch zu meinen TOP-3-Regenjacken. Wenn die Dinger nur nicht so teuer wären… 350 Euro sind kein Pappenstiel. Andererseits weiß ich die Vorzüge einer gut funktionierenden und gut sitzenden Jacke sehr wohl zu schätzen. Ist ganz was anderes als die “Plastiktüten”, die man eigentlich selbst bei Regen nicht anziehen möchte…

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 5. Januar 2021

      Ahh… Adlerauge. ;)
      Ja, da hast du wohl recht. Das gute Stück habe ich wirklich intensiv getestet. Und es ist ja nicht so, dass es keinen Spaß gemacht hat.

  3. Comment by Franz Meiser

    Franz Meiser Antworten 4. Februar 2021

    Guter Bericht, allerdings wird bei den sehr teuren und minimalistischen leichtgewichtigen Jacken immer eine funktionierende Einstellmöglichkeit der Kopfhaube übersehen. Ich durfte bei meinen Wettkämpfen in England mehrfach stundenlang gegen den Wind bei heftigem Regen laufen und es nervt dabei wahnsinnig, wenn einem im Minutentakt die Kopfhaube nach hinten geblasen wird. Da gibt es Hersteller, die das Thema besser im Griff haben.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 4. Februar 2021

      Kann ich mir vorstellen, Franz.
      In der Tat ist es bei dieser Jacke aber wirklich nicht vorgekommen, dass mir die Kapuze vom Kopf geweht wurde. Die sitzt bedingt durch die (ich hab keine Ahnung, wie sich die nennt) Innenkonstruktion aus zusätzlichen, elastischen Bändern extrem gut.

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