Exit

Es ist Mitte April. In Kassel findet der erste Salomon Trail Running Workshop statt. Ich sitze mit der Holden auf dem Sofa und stupse sie an: „Hier guck mal. Das ist was für uns.“ Zack, angemeldet. Ob sie will oder nicht, sie ist auch dabei…

Mitte Mai – der vorerst letzte Workshop ist Geschichte. Hinter uns liegen unzählige Höhenmeter in Kassels wunderschönem Bergpark. Zusammen mit vielen anderen begeisterten Trailläufern hatten wir viel Spaß – die Holde übrigens auch. Im Herbst, nach der Sommerpause, sollen die nächsten Workshops starten. Ich kann’s kaum erwarten.

Salomon Trail Running Workshop

Salomon Trail Running Workshop in Kassel – ab in den größten Bergpark Europas.

Wie heißt es so schön? „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Risiken? Genau, da war doch was: „Risiko kommt vor Sicherheit.“ Das war das nicht ganz so ernst gemeinte Motto des Workshops. Nebenwirkungen? Vor mir steht der Salomon S-Lab Sense 6. Den hatte ich kurz nach dem ersten Workshop spontan als Testschuh angefordert. Ich verrate es ungern schon vorher – Spannungsbogen und so: das Ding hat mich total überzeugt. Daher stehen im Regal noch zwei weitere Paar Schuhe der S-Lab Serie. Was genau hat mich jetzt zum Salomon Fan gemacht? Der Schuh oder die Workshops? Ist ja auch egal…

Willkommen im Trailolymp

Zumindest in Sachen Schuhausrüstung bin ich im Trailolymp angekommen, schon bevor ich das erste Mal vom Waldweg ins Gelände abgebogen bin. Der S-Lab Sense 6 ist ein Wettkampfschuh. Wenn nicht gerade DER Wettkampfschuh. Kurz bevor Salomon 2011 die erste Version des Modells auf die willigen Käufer losgelassen hat, war es Kilian Jornet, der sich den Schuh nach seinen Anforderungen auf den Fuß zimmern ließ. Dementsprechend kompromisslos ist er – also der Schuh. Bretthart und federleicht, 4 mm Sprengung und Vorfuß-Auslegung. Wundert mich fast, dass ich alter Sack mit dem Ding zurechtkomme. Aber vielleicht wird aus mir ja auch noch mal irgendwann ein richtiger Trailläufer.

Salomon S-Lab Sense 6

Treffen der Generationen – einmal Sense, immer Sense. So scheint es. Fest steht: der Schuh hat viele Fans.

Einmal Minimalismus rot-weiß, bitte.

Ein Schuh, an dem alles minimalistisch ist – außer vielleicht sein Preis. Mit seinen 246 Gramm bei Größe 44 ist er so leicht, wie ein Adidas Adizero Adios 3 oder ein NewBalance Race 1500 und schlägt sich somit als Trailschuh vom Gewicht her schon mal sehr ansehnlich. Die 4 mm Sprengung sowie die geringe Dämpfung sorgen für ein wahnsinnig direktes Laufgefühl. Genau mein Geschmack.

Salomon S-Lab Sense 6

Minimalistischer kann ein Trailschuh kaum sein. Viel direkter allerdings auch nicht.

Auch am Upper ist nicht viel dran. Einlagig – wie damals das Klopapier beim Bund. Ein schnell trocknendes, atmungsaktives Mesh-Gewebe ohne Nähte, alles nett verklebt. Der Schutz um die Zehenbox ist eher minimal, genau wie die Nylonlage, die viel Luft an die Zehen lässt. Für den Winter ist der Schuh wahrscheinlich nichts. Ziemlich auffällig und typisch für die Schuhe von Salomon zeichnet sich das Sensifit System im Mittelfußbereich ab. Es umschließt den Fuß von der Zwischensohle bis zum Schnürsystem und sorgt für eine optimale Passform. Weniger marketinggeschwurbelt kann man sagen: die Stabilität und der Seitenhalt kommen nicht nur von Sensifit allein. Die Schnürung sorgt letztendlich für den Halt und die individuelle Anpassung.

Apropos Schnürung: der Schuh ist mein erster Salomon. An die Quicklace Schnürung musste ich mich zunächst erst einmal gewöhnen. Auch an die Tatsache: wenn einmal fest, dann fest. Mittlerweile finde ich das Schnellschnür-System so geil, dass ich es am liebsten in jedem Schuh hätte. Auch die Schnürsenkeltasche ist enorm praktisch.

Salomon S-Lab Sense 6

Praktisch: das Quicklace™ Schnellschnür-System mit der Schnürsenkeltasche (links) / EndoFit™ umschließt den Mittelfuß und gibt den nötigen Halt (rechts)

Die Passform ist wie erwartet sportlich eng. Mein Fuß ist nicht besonders breit – zum Glück. Ich habe schon Berichte gelesen, die dazu raten, den Schuh eine Nummer größer zu bestellen, weil er so eng geschnitten ist. Kann ich aber nicht bestätigen. Der Schuh sitzt dank EndoFit, ein innenliegender Schaft, schon fast wie eine Socke. Da die Zunge Bestandteil des EndoFit-Systems ist, drückt auch da kein Rand. Der Schuh lässt sich somit auch angenehm barfuß tragen.

In der Praxis

Salomon Trail Running Workshop

Salomon Trail Running Workshop – auch bergauf laufen will gelernt sein. Das gibt dicke Waden.

Der S-Lab Sense 6 ist ja nicht der erste Schuh den ich getestet habe. Mit keinem der Kandidaten bin ich jedoch bis zum Bericht knapp 200 Kilometer gelaufen. Asphalt und Pflaster, Schotter und Steine, Waldboden, Strand und Dünenwege – da war alles dabei. Ob nass oder trocken, kurzer oder langer Lauf – egal. Der Schuh ist für jeden Spaß zu haben. Natürlich hat er auch seine Grenzen. Wenn es dann doch mal ein Ultra werden soll oder wenn es noch etwas mehr Grip sein darf. Doch dazu später.

Salomon S-Lab Sense 6

Die Sohle des Salomon S-Lab Sense 6: Eher unscheinbar, doch mit allem ausgestattet, was das Trailherz benötigt.

Dass Salomon in diesen Schuh alles reingepackt hat, was deren Entwickler in letzter Zeit aus dem Hut gezaubert haben, dürfte nicht verwunderlich sein. Premium Wet Traction Contagrip muss man wohl nicht erklären. OS Tendon musste ich erst mal nachschlagen. Dahinter verbirgt sich eine Konstruktion, die das Abrollen und die Rückfederung erleichtert.

Für die nötige Protektion sorgt der Profeel Film. Im Sense besteht er aus einer Lage Carbon, der vor durchdrückenden Steinen schützt. Der Clou – er ist gerade so dick, dass er noch schützt, aber auch so dünn, dass man ihn nicht merkt. Zudem verbindet er den Vorfuß mit dem hinteren Bereich und sorgt so für Stabilität und einen besseren Abdruck.

Im Vergleich

Darf es noch etwas Grip mehr sein? Vielleicht auch eine weniger harte Sohle? Kein Problem. Fast der identische Schuh – zumindest von der Passform her, ist der Salomon S-Lab Sense 6 SG. SG steht für Soft Ground – der Spielplatz für den Trailer besteht also hier aus weichem, nassem und matschigem Terrain. Das Kind im Manne freut sich schon allein von der Vorstellung her. Kann es sich auch, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Hey, der Schuh macht noch mehr Spaß, als der Kollege in rot-weiß. Selbst auf Asphalt läuft er sich angenehm – doch Vorsicht: die Stollen sind dann wahrscheinlich rubbeldiekatz runtergelaufen. Dann freut sich nur noch Salomon #katsching. Nun, was die Haltbarkeit anbelangt – lange Freude wird man mit Wettkampfschuhen eh nicht haben.

Salomon S-Lab Sense Serie

Die drei aus der Oberklasse im Vergleich: S-Lab Sense 6, S-Lab Sense 6 SG und S-Lab Sense Ultra (v.l.n.r.)

Salomon S-Lab Sense Serie

…und das Gruppenbild noch mal von Hinten.

Grip, schön und gut. Aber was ist mit Dämpfung? Was ist mit Komfort? Wenn’s um die richtig langen Distanzen geht? Genau jetzt kommt der Salomon S-Lab Sense Ultra ins Spiel. Der Schuh bietet von allem etwas mehr. Auch bei der Sprengung hat man noch ein Schippchen drauf gepackt. Die Wade freut sich über 8 mm statt der 4 mm bei den beiden anderen Modellen und der Fuß über mehr Schaumstoff im Schaftabschluss. Der Ultra ist zudem etwas weiter geschnitten, so dass auch Läufer mit breiterem Fuß Freude an ihm haben werden. Für mehr Komfort sorgen die rückfedernde Zwischensohle mit EnergyCell+ und eine Ortholite Einlegesohle.

Erstaunlich, dass sich der ganze Hokuspokus nicht übermäßig auf der Waage bemerkbar macht. Der Ultra wiegt mit 295 Gramm bei Größe 44 gerade mal 50 Gramm mehr als der Sense 6. Ist jetzt also nicht unbedingt so, dass man einen Klotz am Bein hat. Im Gegenteil.

Bilstein Marathon 2017

Mit dem Sense Ultra beim Bilstein Marathon 2017. War eine gute Wahl. Bild: Benjamin Sperl @art_of_trailrunning

Der Schuh war beim Bilstein Marathon 2017 mein Schuh der Wahl. Leider nur auf der Halbmarathon-Strecke. Ich merkte regelrecht, wie er sich unterfordert gefühlt hat. Dafür hat ihn Jens beim diesjährigen Ultra-Maxi-Race über 100 km durch die französischen Berge gequält und war von ihm begeistert, wie er mir später verriet. Seinen Bericht über das Rennen lest ihr übrigens hier. Lohnt sich.

Weitere Testberichte zum Salomon S-Lab Sense Ultra findet ihr auf Swiss Ultra Trail und iRunFar.

Fazit

Tolle Wurst. Da hat die Marketing Abteilung von Salomon ganze Arbeit geleistet. Mit nur einem Trailworkshop haben sie aus mir einen Salomon Junkie gemacht. Schaut lieber nicht zu Hause bei mir ins Regal und in den Kleiderschrank. Da tummelt sich bereits einiges der Marke. Und der teure Trailrucksack musste es natürlich auch noch sein.
Und dann noch diese Einstiegsdroge – der S-Lab Sense 6. Ich konnte gar nicht anders und musste mir den 6 SG und den Ultra auch noch bestellen. Ehrlich. Also, klare Nicht-Kauf-Empfehlung*. Lasst es lieber, sonst geht es euch wie mir und der Holden – die hat nämlich auch schon ihr zweites Paar Trailschuhe bestellt.

*Das war ein Scherz. Selbstredend sollt ihr den kaufen.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir den S-Lab Sense 6 kostenlos zur Verfügung gestellt. Die weiteren vorgestellten Schuhe wurden von mir käuflich erworben. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon S-Lab Sense 6

UVP 179€
Salomon S-Lab Sense 6
9.75

Passform

100/10

    Design

    100/10

      Grip

      90/10

        Dynamik

        100/10

          Verarbeitung

          95/10

            Spaßfaktor

            100/10

              Positiv

              • - Sehr dynamisch
              • - Extrem leicht
              • - Passform optimal
              • - Praktische Schnellschnürung
              • - Guter Grip

              Negativ

              • - Hoher Preis

              6 Kommentare

              1. Comment by Thomas

                Thomas Antworten 28. Juli 2017

                Na, da hast Du ja wieder einen raus gehauen, Martin. ;) Und wenn Du Dich bei Salomon auch zum Vollsortiments-Sammler entwickelst, bin ich mal gespannt, was aus Deinem Schuh-Altar so wird. Oder musstest Du schon anbauen?!

                Als weitere Ergänzung mit mehr Grip würde sich ja auch noch der S-Lab Speed anbieten. Der steht in meinem Schrank und wird hier hin und wieder durchs Gelände getrieben. Dabei gehöre ich auch eher zur Gattung „breite Füsse“ und muss bei Salomon immer gucken, wie die Mittelsohle vorne/innen ausgebildet ist. Leider haben wir hier nicht so viel Gelände, dass sich ein zusätzlicher Sense Ultra lohnen würde. Dein Bericht macht schon Lust darauf…

                Herzliche Grüße

                Thomas

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 28. Juli 2017

                  Hehe, nein. Ich musste nicht anbauen. Einmal ordentlich aussortieren – das hat Platz gegeben. Die Problematik dürfte dir ja bekannt sein. :hehehe:

                  Was den Grip anbelangt: ich denke mal, dass in den 6 SG in der Hinsicht kaum ausreizen kann. Der hat schon ordentlich Biss. Und Speed auch. Und glücklicherweise haben wir hier in Kassel und in der Umgebung genug Natur und Berge, wo ich die hier vorgestellt Parade ausführen kann.

              2. Comment by Andreas

                Andreas Antworten 6. August 2017

                Hört sich gut an! Ich habe ja auch schon das eine oder andere Paar Salomon gelaufen und war eigentlich immer zufrieden. Wobei der Preis natürlich schon der Hammer ist…

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 6. August 2017

                  Naja, der hier genannte Preis ist ja UVP. Ich hab mir von dem Schuh jetzt noch ein weiteres Paar für mich und eins für die Holde bestellt. Für jeweils 125€.

              3. Comment by othmar hofer

                othmar hofer Antworten 9. August 2017

                wo hast du den die schuhe gekauft?:)

                • Comment by Martin

                  Martin Antworten 10. August 2017

                  Unterschiedlich. Den 6 SG bei shop4runners.com und den Ultra bei runningwarehouse.de. Den nachgeorderten Sense 6 für die Holde und mich (siehe Kommentar weiter oben) bei 21run.com.

              Dein Kommentar

              Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

              E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren. Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

              Close
              Go top