Auf was habe ich mich da eingelassen? Ein Hauch von Schuh ist das. Im Gegensatz zu mir hat der Salomon S/LAB Sense 7 mächtig abgenommen. Nun, das ist jetzt eine etwas unglückliche Konstellation, denn eigentlich ist der Schuh für grazile Läufer gedacht. In der Kategorie würde ich mich jetzt nicht unbedingt einordnen. Das wird ein interessanter Test…

Das kommt davon, wenn man rennen will wie Kilian Jornet, in Wirklichkeit aber alles andere als gazellengleich die Trails hinauf schnauft. Ja ich gebe es zu. Dieser Renner an meinen Füßen, das ist »perls before swine«, aber hey – ich mag den Vorgänger so sehr, dass ich auch unbedingt den neuen Salomon S/LAB Sense 7 testen wollte.

Magerwahn in der Praxis – der Salomon S/LAB Sense 7 auf dem Trail

Wie jetzt? Erst der Praxistest? Was ist denn nun los? Kein erster Eindruck? Keine Details? Wer autistische Züge hat, wird von diesem Bericht so gar nicht begeistert sein, aber ich stelle heute mal die Reihenfolge auf den Kopf. Mit dem Schuh muss man einfach sofort loslaufen.

Salomon S/LAB Sense 7

Der neue Salomon S/LAB Sense 7 zog nicht nur die Kameraobjektive magisch an. Ein echter Hingucker. (Bild: @art_of_trailrunning)

Es ist nämlich wieder soweit. Ein Salomon Trailrunning Workshop ist angesagt. Mehr als 600 Höhenmeter, verteilt auf 14 km, über die feinsten Trails des Kasseler Bergparks – genau das Richtige für den neuen Sense 7.

Zunächst geht es bergauf. Keine große Überraschung – der Salomon S/LAB Sense 7 ist extrem leicht und sitzt, wie schon der Vorgänger, wie eine Socke am Fuß. Dank der flachen Bauweise hat man einen sicheren Tritt, obwohl die Sohle rund 20% schmäler geworden ist, als die des Sense 6. Wenn man mit dem Schuh den Berg nicht schnell hoch kommt – an ihm liegt’s nicht.

Salomon S/LAB Sense 7"

Sieht nur so langsam aus. Wirklich. Das waren schon eher die schwierigeren Trails. Wenn ich schon teste, dann richtig. (Bild: @art_of_trailrunning)

Auch auf anspruchsvolleren Trails habe ich vollstes Vertrauen in den Schuh. Der limitierende Faktor ist hier eher mein Respekt, den ich vor dem Terrain habe. Und vielleicht auch ein klein wenig mein sportliches Unvermögen. Nun ja.

Irgendwann wird man für all die Schinderei auch wieder belohnt – es geht bergab. Beim Downhill zeigt sich, was der Läufer drauf hat. Die Beine schreien aua und beschweren sich über jedes Kilo meines Übergewichts. Wie schrieb ich schon weiter oben? Ein Schuh für grazile Läufer. Reicht es, wenn ich verrate, dass ich als Letzter unten ankomme? Am Schuh lag es nicht…

Salomon S/LAB Sense 7

Das Bild dient als Beweis. Sowohl Läufer als auch Schuh haben den Downhill schadlos überstanden. (Bild: @art_of_trailrunning)

Der Salomon S/LAB Sense 7 im Detail und im Vergleich

Salomon S/LAB Sense 7

Die Silhouette macht es deutlich. Der Salomon S/LAB Sense 7 besteht beinahe nur noch aus Mesh und Laminat.

Vielleicht fällt es auf dem ersten Blick nicht ganz so auf, wieviel Salomon an dem S/LAB Sense geändert hat. Oder sagen wir – wieviel man reduziert hat. Noch immer kommt er in der klassischen Farbkombination daher. Der Salomon Schriftzug im Fersenbereich ist jetzt allerdings auf der weißen Fläche zu finden und fällt viel besser auf.

Salomon S/LAB Sense 7

Der Salomon S/LAB Sense 7 (links) hat ein feineres Mesh aus Kunststoff. Der Zehenschutz entfällt nahezu gänzlich und ist eher homöopathisch vorhanden.

Ebenfalls neu ist das Obermaterial aus einem Kunststoffmesh, welches dichter als das des Vorgängers ist. Das neue Material nimmt kein Wasser auf und lässt weniger Sand durch. Letzteres werde ich spätestens im Sommer am Nordseestrand testen. Mit dem Vorgänger hatte der Lauf durch die Dünen dafür gesorgt, dass der Schuh am Ende der Runde gefühlt zwei Nummern zu klein war.

Salomon S/LAB Sense 7

Der Salomon S/LAB Sense 7 (unten) ist deutlich schmäler geworden. Wegrationalisiert wurde auch die Aussparung unter der Ferse.

Besonders bei der Sohle zeigt sich, wie schmal der Sense 7 im Gegensatz zu seinem Vorgänger geworden ist. Der Fersenbereich ist nun satte 14 mm schmäler (84 mm zu 70 mm). Auch im Mittelfußbereich wurde reduziert, wodurch der Schuh noch einmal deutlich flexibler geworden ist. Im Innenbereich ist er jedoch nicht schmäler als der 6er. Die Passform ist ähnlich.

Noch immer besitzt der Sense 7 die bewährte Contagrip Gummimischung. Bei meinem Laufstil haben die Stollen im Fersenbereich eine eher bescheidene Lebensdauer – aber hey, das ist eine Rennsemmel. Da sind die Prioritäten anders gesetzt als im Haltbarkeitsrekord.

Salomon S/LAB Sense 7

Wenn man abgenommen hat, sieht man es am ehesten am Hintern. Da macht der Salomon S/LAB Sense 7 keine Ausnahme. Graziles Kerlchen, der Kleine.

Ein Hauch von nichts

Der Abnehmwahn nimmt kein Ende. Neben einer nur noch marginalen Polsterung an einer nun flexiblen Fersenkappe hat man gleichfalls an der Zunge gespart. Selbige ist nur noch ein Läppchen, was der Funktion allerdings kein Abbruch tut. Es drückt nichts, denn merke: wo nichts ist, kann nichts drücken. It’s as easy as that. Der Schuh sitzt, wie oben schon erwähnt, wie eine Socke.

Salomon S/LAB Sense 7

Die Zunge – ein Hauch von nichts. Erstaunlich, dass dennoch nichts drückt.

Ziemlich begeistert war ich davon, dass man die Verbesserung des Quicklace-Systems vom S/LAB Ultra auch beim Sense 7 übernommen hat. Die Öffnung ist nun oben, die Tasche sitzt weiter und hat eine größere Auflagefläche. Die Senkel lassen sich nun einfacher zuziehen und verstauen.

Salomon S/LAB Sense 7

Die neue Quicklace-Schnürung des Salomon S/LAB Sense 7 (rechts) kennt man schon vom S/LAB Ultra. Daumen hoch – die gefällt mir wesentlich besser.

Gleich noch ein Hurra hinterher. Der Sense 7 hat keine Innensohle mehr. Und wo nichts ist, kann nichts verrutschen. Okay, man hätte sie auch verkleben können, so wie man es beim 6er in Ansätzen getan hat. Da hat sie sich allerdings im Zehenbereich bei mir immer gelöst, was ich mich etwas gestört hat. Nun ist sie weg – noch ein paar Gramm Gewicht gespart. Apropos Gewicht – habe ich noch gar nichts drüber gesagt: die vorher schon erstaunlichen 253 Gramm bei Größe 44 wurden auf 226 Gramm abgemagert.

Salomon S/LAB Sense 7

Ein Hauch von nichts. Das Motto setzt sich auch im Schuh durch. Eine klassische Innensohle sucht man vergebens.

Mein Fazit zum Salomon S/LAB Sense 7

Das kommt nicht überraschend. Ich nehme es mal vorweg: Geiles Ding. Schon der Vorgänger des Salomon S/LAB Sense 7 hat mich total begeistert. Ja, ich bin keine Laufstilikone und ja, ich hab ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Zumindest für diesen Schuh. Aber er macht Spaß. Ob beim Baltrumlauf, auf dem Trail oder beim Herkules Bergparklauf – der Schuh war immer erste Wahl. Die Neuauflage sitzt jetzt noch besser am Fuß, als er es bisher schon getan hat. Keine Ahnung, wie das bei Salomon anstellen wollen, dass sie mit dem 8er noch eine Steigerung hinbekommen. Ich bin gespannt.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon S/LAB Sense 7

179,95€
Salomon S/LAB Sense 7
9.8

Passform

10.0 /10

Design

10.0 /10

Grip

9.0 /10

Dynamik

10.0 /10

Verarbeitung

10.0 /10

Spaßfaktor

10.0 /10

Positiv

  • Die neue Definition von leicht
  • Passt wie angegossen
  • Quicklace verbessert
  • Feineres Mesh

Negativ

  • Haltbarkeit der Sohle eher begrenzt
  • Nichts für Schwergewichte

8 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 3. Dezember 2018

    Da haste Recht: ein wirklich feiner Schuh. Er kam mir ohne Vergleich zum Vorgänger schon sehr grazil vor. Aber wenn ich jetzt Deine Bilder sehe, wundere ich mich umso mehr, dass auch ich mit dem 7er meine Freude habe. Ist vielleicht wie Ferrari fahren mit angezogener Handbremse, und überladen, und ohne Führerschein… aber hey: Spaß ist Spaß! :)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 5. Dezember 2018

      Naja, sieh es mal so: Allein das Sitzen im Ferrari ist ja bereits ein Highlight…

  2. Comment by Sascha

    Sascha Antworten 4. Dezember 2018

    Hi Martin,

    klasse Bericht, danke.

    Ich sehe nur so langsam schwarz mal wieder einen Salomon am Fuß zu tragen. Wenn die Dinger immer enger und graziler werden, entfernen sie sich wohl immer weiter von einer zu mir passenden Passform.

    Schade, denn die Bilder und der Text machen echt Lust dann doch mal wieder einen Franzosen zu laufen.

    Gruß
    Sascha

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 5. Dezember 2018

      Ich hab das Glück, schmale Füße zu haben. Somit kann ich fasst jeden Schuh tragen. In den Salomons fühle ich mich am sichersten, weil der Fuß nicht im Schuh rumrutscht. Das war bei den Altras beispielsweise nicht der Fall. Die waren auf langen Läufen zwar bequem, aber wenn es technisch wurde, war der Halt eher so mittel…

      • Comment by Sascha

        Sascha Antworten 13. Dezember 2018

        Siehste, ich fühle mich in meinen Altras recht wohl, lieber mag ich aber die Topo Athletics. Beides sind recht breite Schuhe, geben mir aber ausreichend halt.

        Zum Glück ist jeder Fuß verschieden.

  3. Comment by Brennr.de

    Brennr.de Antworten 5. Dezember 2018

    Ich kann mich für solche Schuhe auch immer sehr begeistern, auch wenn ich eigentlich nicht der Zielgruppe entspreche. Bin auch zu schwer dafür und deswegen hätte ich aufgrund der schmalen Bauweise der Sohle im Fersenbereich beim Downhill etwas Bauschmerzen bzgl. Halt / Stabilität. Das neue Quicklace-System gefällt mir gut. Die Lasche fand ich nämlich bisher immer schwierig zu erreichen. Von den nicht-gepolsterten Zungen bin ich jedoch kein Freund. Mir drücken da immer die Schnürsenkel zu sehr durch. Aber ich brauche mir bei dem Schuh eh keinen Kopf machen. Die S/LAB-Modelle gibt es eh nie in meiner Größe. Dennoch vielen Dank für den informativen und schön geschriebenen Testbericht.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 5. Dezember 2018

      Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre es Quicklace immer und überall. Ich habe noch nicht gemerkt, dass sich da was durch drückt – auch nicht bei der dünnen Zunge.

      Dass derzeit viel BOA-Systeme verbaut werden, kommt dem schon sehr nahe. Das habe ich allerdings noch nicht getestet. Müsste ich mal in Angriff nehmen.

      • Comment by Sascha

        Sascha Antworten 13. Dezember 2018

        Ich habe das BOA System an einem Schuh von Viking getestet, allerdings bin ich davon nicht so überzeugt. Es hält einfach meinen Fuß nicht ordentlich und muss alle Nase lang nachgedreht werden. Da fand ich Quicklace immer zuverlässiger.

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