Mittlerweile hat sich meine Vorliebe für das Salomon Zeugs soweit herumgesprochen, dass man mich nicht nur für einen Markenbotschafter, sondern auch noch für ein klein wenig bekloppt hält. Kann ich gar nicht verstehen. Das ist doch völlig normal, dass man sich schon mal einen Schuh vorab bestellt, wenn man die Lieferung des Testschuhs nicht erwarten kann. Oder etwa nicht?

Und wo wir gerade dabei sind. Ja, ich liebe rote Schuhe. Dementsprechend unvoreingenommen gehen wir jetzt mal gemeinsam in medias res und befassen uns mit dem S/LAB Ultra 2 von Salomon, dem unmittelbaren Nachfolger des Schuhs, den ich vor gut einem Jahr bereits ausprobieren durfte.

Wie kann man einen Schuh, der „Ultra“ in seinem Namen trägt, besser auf Herz und Nieren testen, als auf einem Ultra? Nun bin ich nicht jemand, der diese Distanzen mehrfach im Jahr abrockt. Zumindest nicht derzeit. Wenn aber der Bilstein Marathon ruft, bin ich dabei. Leider wurde mir die Lieferung des Testschuhs erst nach dem Event in Aussicht gestellt. Was macht man also, wenn der Dickschädel sich unbedingt ausgemalt hat, mit genau diesem Modell am Start zu stehen? Man kauft sich eben einen vorab. Laufschuhe kann man schließlich nicht genug haben. Schon gar nicht rote.

Auf den ersten Blick…

…sieht der S/LAB Ultra 2 fast so aus wie sein Vorgänger. Das geübte Auge erkennt jedoch sofort, dass da bei Salomon gespart wurde. Selbstredend nur zum Wohle der Gewichtsersparnis. Die vorderen Laschen über dem Spann wurden entsorgt, die hinteren minimiert, und der Zehenschutz verdient seinen Namen auch nicht mehr so richtig. Dazu später mehr.

Auch die Verstärkung des Fersenbereichs ist minimalistischer, mitsamt des Markenlogos. Letzteres durfte allerdings wenig zur Gewichtsreduzierung beigetragen haben. Insgesamt hat das bei meiner Größe (EUR 44) 18 Gramm gebracht (vorher 311, jetzt 293 Gramm).

Der S/LAB Ultra 2 im Vergleich mit seinem Vorgänger. Linkes Bild: oben S/LAB Ultra 2, unten S/LAB Ultra. Rechtes Bild: links S/LAB Ultra, rechts S/LAB Ultra 2.

Salomon S/LAB Ultra 2

Auch bei der Fersenkappe hat sich einiges getan: links S/LAB Ultra 2, rechts S/LAB Ultra.

What’s (really) new?

Was hat sich denn nun wirklich geändert, bis auf die Optik? Vielleicht schauen wir erst mal, was im Wesentlichen beibehalten wurde. Der S/LAB Ultra 2 ist noch immer ein dynamischer Wettkampfschuh mit einer komfortablen Dämpfung, die, wie es der Name bereits suggeriert, auf langen Distanzen vollkommen überzeugen kann. Mit einer Sprengung von 8 mm (vorn 18, hinten 26) komme ich persönlich bestens zurecht.

Salomon S/LAB Ultra 2

Salomon S/LAB Ultra 2 Da war’s dann nur noch eine Lasche. Mal sehen, ob die im Nachfolger auch noch gestrichen wird.

Okay, nicht hauen: es ist nicht wichtig und zudem reine Geschmackssache. Aber hey, der Schuh sieht immer noch galaktisch gut aus. Meines Erachtens der schönste Trailschuh, den man zurzeit haben kann. Da es ein Unisexschuh ist, haben die Mädels auch was von diesem schönen Design.

Salomon S/LAB Ultra 2

Zumindest bei der Außensohle hat sich nichts getan. Contagrip® MA sorgt für einen ausgewogenen Grip.

Das, was definitiv neu ist, ist die Passform. Klingt komisch, ist aber so. Erst habe ich gedacht, ich bilde es mir ein, aber nach zig gefühlten Vergleichen zum Salomon S/LAB Ultra muss ich sagen, dass der S/LAB Ultra 2 viel angenehmer am Fuß sitzt und zudem besser abrollt. Meine Kritikpunkte aus dem Vorgängertest (Geräusche des Uppers beim Flexen, Sitz der Fersenkappe) sind passé.

Noch immer ist es aber ein Schuh für eher schmale Füße. Auch in der Zehenbox hat man nicht unbedingt viel Luft. SensiFit und EndoFit heißen schließlich nicht ohne Grund so. Der Schuh sitzt eher wie eine Socke. Wer also beim Lauf gerne mit den Zehen wackelt, sollte besser zu einem Altra greifen.

Der Salomon S/LAB Ultra 2 im Wettkampf

Eschwege Rund um die Leuchtberge

Beim Praxistest gehen wir diesmal direkt ins Eingemachte. Wie kann man einen Wettkampfschuh besser testen, als auf einem Wettkampf? Kaum aus dem Karton entschlüpft durfte das neue Pferd im Stall mit mir rund um die Leuchtberge rennen. Berge – das hört sich ja genau so an, als wäre es DER ideale Einsatzort für die Rennsemmel. Dummerweise habe ich das „rund um“ überlesen. Zu 90% ging es über geteerte Feldwege und die Berge waren ein paar leichte Anstiege.

Eine Erkenntnis hat der Tag trotzdem gebracht: Man kann auch mit einem Trailschuh annähernd Bestzeit auf der 20 Kilometer Distanz laufen – wenn er denn so leicht ist, wie der S/LAB Ultra 2. Die Generalprobe war also schon mal okay. Dementsprechend frohen Mutes geht es, sogar mit einem wettkampferprobten (!) Schuh, auf die Piste meines Ultras Nummer 2. Wenn das mal kein gutes Omen ist, dann weiß ich es nicht.

Mit dem S/LAB Ultra 2 auf dem Ultra Nr. 2

Bei der Überschrift ist schon klar, dass Salomon im Mai 2020 einen S/LAB Ultra 3 am Start haben muss, oder? Okay, Spaß bei Seite. Schauen wir erst mal, wie sich das aktuelle Modell dieses Jahr beim Bilstein Marathon auf der Ultradistanz geschlagen hat.

Fangen wir mit dem Positiven an. Bei der Dämpfung gibt es wirklich nichts zu meckern. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt des Laufs den Eindruck, dass die Dämpfungs- und Schutzeigenschaften des Schuhs nachlassen. Weder auf den Forstwegen, noch auf den Trails. Auf matschigen Passagen ist er selbstredend nicht ganz so griffig, wie beispielsweise der Speedcross 5. Aber das habe ich auch nicht erwartet.

Salomon S/LAB Ultra 2

Auch die Passform überzeugt auf der ganzen Strecke. Da drückt nichts, da reibt nichts. Auch nicht nach 57 Kilometern. Er sitzt halt wie eine Socke. Apropos Socke: Ich hatte nach dem Lauf nur minimale Blasen am Zeh, die eher an der Sockenwahl lagen. Ein neues, unerprobtes Modell auf einem Ultra zu tragen (auch wenn es von Salomon ist) – böser Anfängerfehler.

Kommen wir zum Negativen. Salomon hat bei dem Schuh ein kleines Problem mit der Haltbarkeit des Meshgewebes. Bis zum Zeitpunkt des Ultras war mir persönlich das noch neu, doch mittlerweile liest man öfters davon. Auch in den Bewertungen auf der Herstellerseite meckern die Kunden darüber, dass das erste Loch über den Zehen nicht lange auf sich warten lässt.

Irgendwo bei Kilometer paarundreißig des BiMas stolperte ich, ungelenk wie ich nun mal so bin, über einen Ast und blieb mit der Schuhspitze daran hängen. Zack, da war’s passiert – ein Loch in meinem schönen neuen roten Schmuckstück, welches sich auf den restlichen Kilometern des Laufs zu allem Überfluss dann auch noch etwas vergrößerte.

Salomon S/LAB Ultra 2 Loch

Hoppla. Ein Loch genau neben dem Zehenschutz – hätten die Salomon das mal so gelassen, wie beim S/LAB Ultra (rechts). Am falschen Ende gespart, sage ich da.

Erfahrungen mit dem Salomon Support

Echte Kerle rennen auch mit löchrigen Schuhen über die Trails, ich weiß. Aber für euch wollte ich doch mal testen, wie gut denn der Kundendienst von Salomon ist. Schließlich werben die ja mit zwei Jahren Garantie. Also schwupps das Formular ausgefüllt, das Malheur in blumigen Worten zusammengefasst und ein paar Bildchen angehängt. Wenige Tage später hatte ich einen Gutscheincode im Wert des Schuhs im Postfach, mit dem ich im Salomon Store einkaufen gehen konnte. Den „alten“ Schuh durfte ich behalten. Nice!

Mein Fazit zum Salomon S/LAB Ultra 2

Zugegeben, das war nicht so geplant. Hier stehen jetzt zwei Paar vom S/LAB Ultra 2 im Schrank. Der „Löchrige“ und der Testschuh, der nach dem Ultra auch endlich bei mir eintrudelte. Ich hatte für diesen Test also ausgiebig Material und Zeit. Und irgendwie ist er mir – trotz Loch – ans Herz gewachsen. Liegt wohl daran, dass ich so gut mit ihm zurechtkomme. Sogar im Urlaub am Strand und in den Dünen bin ich damit rumgerannt. Was die Passform und den Komfort anbelangt, gibt es da aus meiner Sicht wenig Verbesserungsbedarf. Dennoch bin ich extrem auf das Update gespannt, denn das Obermaterial ist definitiv eher wenig haltbar und ein Rückschritt zum S/LAB Ultra oder gar zum S/LAB Sense Ultra. Da wird sicher was passieren, da bin ich mir sicher.

„Los, Martin. Komm zur Sache. Wie ist denn nun dein Fazit?“
Ja, ok. Da ist das mit dem Loch. Normalerweise etwas, wo ich sage: das geht gar nicht. Vor allem nicht bei so einem Preis. Aber(!): der Schuh ist ansonsten einfach genial, um nicht zu sagen einer meiner Lieblingsschuhe. Oder vielleicht auch DER Lieblingsschuh. Zudem hätte er die volle Punktzahl abgeräumt, wenn das mit dem Löchlein nicht gewesen wäre. Das Problem besteht allerdings nicht immer und zudem ist der Service ja so kulant, dass der Schuh ersetzt bzw. ausgetauscht wird. Insofern ist das Risiko eher gering.

Übrigens. Das Loch habe ich mit einem Rissband und Shoe Goo gefixt. Sieht jetzt nicht mehr ganz so schick aus, aber ihr wisst ja – echte Kerle…

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon S/LAB Ultra 2

179 EUR
9.2

Passform

10.0/10

Design

10.0/10

Stabilität

10.0/10

Dynamik

10.0/10

Verarbeitung

5.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Perfekte Dämpfung
  • Super Passform

Negativ

  • Haltbarkeit des Obermaterials

5 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 22. Oktober 2019

    Ach ja… da war ja noch ein roter Schuh unterwegs. :) Den muss ich mir vielleicht auch mal genauer ansehen – obwohl ich leider prädestiniert für solche Zehenlöcher bin. Zumindest in Socken. Kaufst Du Dir mit dem Gutschein dann noch einen dritten Schuh? ;)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. Oktober 2019

      Nee, von dem Gutschein habe ich mir den Sense Pro 3 geordert. Als Salomon Jünger sollte man die Produktpalette schon annähernd komplett im Regal stehen haben. :hehehe:

      • Comment by Brennr.de

        Brennr.de Antworten 23. Oktober 2019

        Verständlich. Bei der reizvollen Produktpalette kann man sich aber auch echt schwer entscheiden. :)

  2. Comment by Stefan

    Stefan Antworten 25. Oktober 2019

    Ich kann deinen Test echt nur unterschreiben. So ein toller Schuh und auch mein Lieblingsschuh und hat mich auf meinen ersten Ultra super begleitet. Aktuell hält mein Schuh noch bei der Zehenbox, aber Salomon dürfte von den „Problem“ schon bescheid wissen. Ich hab meinen Schuch direkt online gekauft und im Juni eine Mail bekommen. „Wir mussten feststellen, dass wenige der innerhalb der letzten Monate verkauften Modelle nicht unsere Qualitätsstandards erfüllen, was sich genauer gesagt auf den Mesh-Einsatz in der Zehenbox bezieht.“. Mal sehen ob und wann sich die Zehenbox löst.
    Aber der Salomon Support ist echt klasse, hab ihn bei einer Laufweste mal in Anspruch nehmen müssen und sofort einen Gutschein bekommen damit ich mir Ersatz bestellen kann. Top.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 26. Oktober 2019

      Der Support ist immer am besten, wenn man ihn nicht in Anspruch nehmen muss. Aber du hast schon recht – passt schon so. Beim Ultra 3 wird alles besser. ;)

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