Der Salomon S/LAB Ultra tritt ein großes Erbe an. Immerhin ist sein Vorgänger, der S/LAB Sense Ultra, der meist verkaufte S/LAB Schuh aller Zeiten. Dazu habe ich nicht unwesentlich beigetragen, denn mittlerweile steht bei mir bereits Exemplar Nr. 3 im Regal. Nahezu alle langen Trainingsläufe für den Ultra beim Bilstein Marathon bin ich mit diesem Schuh gelaufen. Die Erwartungen an das Nachfolgemodell konnten also nicht größer sein, besonders, wenn man die Geschichte des S/LAB Ultras betrachtet.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Sozusagen als Sahnehäubchen sollte dieser Test mit einem Bericht über den Wettkampfeinsatz des neuen Salomon S/LAB Ultra garniert werden. Doch Sahne macht bekanntlich dick, und zudem kam der Schuh leider nicht mehr rechtzeitig an, um mich ausgiebig mit ihm anfreunden zu können. Was natürlich nicht heißen soll, dass wir keine Freunde geworden sind. Doch dazu später.

Entwicklung mit prominenter Unterstützung

Salomon S/LAB Ultra

Für meinen Geschmack der mit Abstand schönste Schuh in meinem Regal. Fast zu schade für den Trail, aber was will man machen?

Wie macht man aus einem erfolgreichen Schuh einen noch erfolgreicheren? Ganz einfach – man nimmt einen ebenso erfolgreichen Läufer und lässt ihn an der Entwicklung teilhaben. François D’Haene, unter anderem mehrmaliger Gewinner des Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB), Zweiter beim diesjährigen Western States Endurance Run (WSER) und Rekordhalter auf diversen Ultradistanzen, hat wohl einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Schuh gehabt. Aus einem speziell für ihn angepassten Schuh wurde letztendlich der, den ihr nun im Laden kaufen könnt.

Apropos kaufen: Als Belohnung hat man ihm dann noch eine Limited Edition des Schuhs gewidmet. Nur 171 durchnummerierte Exemplare – analog zur Kilometeranzahl des UTMB – konnte man für schlappe 250 EUR im Salomon Shop ergattern. Pssst – das darf die Holde nicht lesen: Ich war ja kurz davor zu bestellen. Gott sei Dank ist er mittlerweile ausverkauft…

Der erste Eindruck

Salomon S/LAB Ultra

1 vong Optik her völlig neuer Schuh! (Ja doch – ich bin zu alt für diese Sprache…)

Eine radikal neue Optik, die Bezeichnung „Sense“ aus dem Namen geworfen – Salomon tut wirklich alles, um den Nachfolger nicht wie einen Nachfolger erscheinen zu lassen. Und auch der erste Eindruck bestätigt meine Vermutung. Der Schuh fühlt sich anders an. Zunächst bei der Anprobe und später auch beim ersten Lauf.

Doch zunächst zurück zur Optik. Wohl am markantesten ist der sehr gelungene Farbverlauf. Er spiegelt den Verlauf eines Ultras wieder. Am Start noch voller Energie (rot), bis hin zur völligen Erschöpfung am Ende des Rennens (violett).

Auffällig auch die zusätzlichen Laschen im Mittelfußbereich. In Verbindung mit der QuickLace-Schnellschnürung, die ebenfalls merklich verbessert wurde, geben sie zusätzlichen Halt. Ich bin seit jeher Fan der Schnürung. Meistens ziehe ich sie einmal zu und habe dann Ruhe. Wenn man den Aussagen Salomons Glauben schenken darf, so hat François D’Haene während des UTMBs ebenfalls nicht einmal die Schnürung korrigieren müssen.

Salomon S/LAB Ultra

Im Detail: Das TPU Exoskelett, das eue Material beim Upper und eine wesentlich verbesserte Quicklace-Schnürung.

Ziemlich spacig sieht auch das Exoskelett aus TPU aus, welches sich im Vorfußbereich über den Schuh legt und so für Festigkeit sorgen soll. Aus dem gleichen Material ist der Zehenschutz, in den das Skelett übergeht. Beim Abknicken der Zehen ist es ein wenig steif, macht mitunter sogar Geräusche und ist demzufolge etwas gewöhnungsbedürftig. Macht euch keine Sorgen – auf dem Trail merkt ihr davon nichts mehr.

Das Upper ist übrigens sehr feinmaschig und wasserabweisend. Kein Vergleich zum alten Sense Ultra. Doch wo ein Vorteil ist, findet sich meist auch ein Nachteil: gefühlt schwitzt der Fuß im neuen Ultra mehr als im alten Modell. Besonders jetzt in der warmen Jahreszeit.

Salomon S/LAB Ultra

Zumindest Brüder im Geiste: von oben eine merkliche Evolution, von unten eher wenig Änderungen.

Auch wenn sich bei der Sohle optisch wenig getan hat, so bietet sie „unter der Haube“ doch einige Verbesserungen. Unter dem Vorfuß wurde die herkömmliche Dämpfung aus EVA durch ein Inlay aus PU ersetzt. Das ganze schimpft sich „Energy Save“ und ist erkennbar an der weißen Farbgebung. Ziel und Zweck des Aufwands ist eine bessere Dämpfung bei gleicher Stabilität. Ich bin maximal gespannt, denn beim Sense Ultra merke ich nach über 500 km doch schon eine recht nachlassende Dämpfung des Materials.

Salomon S/LAB Ultra

Die Premium Wet Traction Contagrip Sohle. „Never change a winning team“ haben die sich bei Salomon wohl gedacht.

Nichts geändert hat sich bei der Sprengung. Sie beträgt weiterhin 8 mm (Höhe vorne 18 mm, hinten 26 mm) und ist für einen Schuh für lange Kanten nach meinen Vorlieben ein durchaus geeigneter Wert. Allerdings ist der Schuh, vielleicht durch den ganzen technischen Fortschritt (fast hätte ich Schnickschnack geschrieben) etwas schwerer geworden. Mein Exemplar in Größe 44 bringt 311 Gramm auf die Waage. Der Sense Ultra wiegt lediglich 290 Gramm. Beim Laufen merke ich den Unterschied allerdings nicht.

Salomon S/LAB Ultra

Minimal schlanker präsentiert sich die Rückseite des S/LAB Ultras. Die Fersenkappe ist zudem nun flexibel und weniger gepolstert.

In der Praxis. Oder aber: Laufen ist Kopfsache

Salomon S/LAB Ultra

Auf dem Weg zum ersten Ultra. Der ein oder andere Trainingskilometer kommt da schon zusammen.

Ich erwähnte es oben bereits. Eigentlich wollte ich mit dem neuen S/LAB Ultra meinen ersten Ultramarathon laufen. Leider erreichte mich mein Testexemplar erst vier Wochen vor dem großen Event. Normalerweise ist das ein ausreichender Zeitraum für eine Eingewöhnungsphase. Doch ich ertappte mich ständig dabei, wie ich während der Läufe den Schuh mit seinem Vorgänger verglich, der gerade in der Vorbereitungszeit mein treuer Begleiter war und zu meinem Lieblingsschuh mutierte.

Kann gut sein, dass ich mental noch nicht bereit für den neuen Schuh war. So albern sich das anhört, aber Laufen ist nun mal Kopfsache, und zum Laufen gehört der Schuh nun einmal mit dazu. Ich darf jetzt schon verraten, dass nach dem Wettkampf die Problemchen mit dem neuen Ultra wie weggeblasen waren. Seltsam, oder?

Salomon S/LAB Ultra

Noch mal im Detail: Die Fersenkappe ist so flexibel, dass man sie mühelos zusammendrücken kann. Muss man mögen – zumindest ist es gewöhnungsbedürftig.

Die Passform des S/LAB Ultras ist perfekt. Oder besser gesagt: fast perfekt. Gewöhnungsbedürftig fand ich insbesondere das mehr oder minder kaum vorhandene Fersenpolster des Schuhs. Die Fersenkappe ist im Gegensatz zum Sense Ultra extrem flexibel, passt aber scheinbar dennoch nicht so recht zu meinem Fuß. So meinte meine Achillessehne anfangs, ich solle doch bitte lieber wieder das alte Modell anziehen. So eine verwöhnte Zicke.

Nun, das muss alles nichts heißen und ist auch nicht auf jeden Läufer übertragbar. Ich hab schon Stimmen gehört, die genau das gegensätzliche Urteil verlauten ließen. Gerade leidende Kandidaten mit Haglund Ferse schreien sicher gerade auf vor Freude über die neue Fersenkappe.

Salomon S/LAB Ultra

Die wohl größte Verbesserung beim S/LAB Ultra: die weißen „Energy Save“ Einsätze aus PU sorgen für noch mehr Dämpfung im Vorfußbereich.

Eine der größten Verbesserungen des Schuhs ist gleichzeitig auch mein größtes Problem. Ok, Problem ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber die neue Dämpfung unter dem Vorfuß stellt sich zwar als wunderbar komfortabel heraus, sie hindert mich jedoch dabei, so abzurollen, wie ich es mit dem Sense Ultra tue. Der Mensch ist numal ein Gewohnheitstier. Je älter, desto schlimmer. Aber auch hier gilt, wie bei der Fersenkappe: das ist selbstredend Geschmacksache und zudem auch wohl ein Problem meines bescheidenen Laufstils.

Dafür schluckt der Ultra allerdings auch so ziemlich alles weg. Geschotterte Waldautobahnen, die man hier gerade nach den Aufräumarbeiten nach den Frühjahrstürmen zuhauf findet, sind kein Problem und lassen selbst bei Läufen jenseits der 30 km den Schuh noch komfortabel erscheinen.

(Ein etwas längeres) Fazit zum Salomon S/LAB Ultra

Wir haben ein wenig mehr Zeit miteinander gebraucht, bis wir Freunde geworden sind, der Ultra und ich. Eine Liebe auf den zweiten Blick – so könnte man es umschreiben. Nach dem Bilstein Marathon bin ich fast nur noch mit dem S/LAB Ultra rungerannt und habe ihn von Lauf zu Lauf nach nun knapp 200 km letztendlich doch in mein großes, altes Herz geschlossen. (Hach!)

Nächstes Jahr stehen zwei Ultras auf dem Programm. Der BiMa mit 57 Kilometern und gleich anschließend, weil es so viel Spaß macht, der Rennsteig mit schlappen 74 km. Mindestens bei einem von beiden muss er dran glauben – dann ist er mit im Gepäck, ob er will oder nicht.

Noch eine Bemerkung zum Thema „Nachfolger“. So richtig sicher, ob der S/LAB Ultra nun der Nachfolger des S/LAB Sense Ultra ist, scheint man sich noch nicht mal bei Salomon zu sein. Ok, kleiner Spaß – zumindest aber geisterten eine Zeit lang die Bezeichnungen „S/LAB Sense Ultra 2“ und „S/LAB Ultra 2“ herum, bis man sich auf den jetzigen Namen einigte. Was ich damit sagen will: für mich sind der „Alte“ und der „Neue“ zwei unterschiedliche Schuhe, wenn auch für denselben Einsatzzweck. Damit meine ich selbstredend nicht nur die Optik, sondern insbesondere das Laufverhalten.

Ich spreche jetzt sicher für viele Fans des Vorgängers, die es schade finden, dass der Schuh nicht mehr produziert wird. Mein Exemplar Nr. 3 liegt noch unbenutzt im Karton. Man weiß ja nie. Und außerdem habe ich ja kaum Schuhe…

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon S/LAB Ultra im Test

UVP 179,95 €
Salomon S/LAB Ultra im Test
9.6

Passform

9.0 /10

Design

10.0 /10

Stabilität

10.0 /10

Dynamik

9.0 /10

Verarbeitung

10.0 /10

Spaßfaktor

9.5 /10

Positiv

  • Überragende Dämpfung
  • Schnellschnürung noch mal verbessert
  • Gute Passform
  • Tolles Design

Negativ

  • Fersenkappe gewöhngsbedürftig
  • Etwas schwerer als der Vorgänger

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Close
Go top