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Beim Thema Kompressionssportbekleidung scheiden sich die Geister. Manche Läufer lachen darüber, für sie ist es eine Art Globuli. Andere sehen darin ein Hilfsmittel, auf welches sie bei keinem Lauf verzichten möchten. Meistens sind es mehr oder wenig hübsch anzusehende Strümpfe, die für die Kompression der Wadenmuskulatur sorgt. Eher selten sieht man Kompressions-Tights, wie die von CEP, mit denen ich meine langen Einheiten absolviere. Beim Frankfurt Marathon durften sie auch mit an den Start. Wie viel von der Zielzeit ich dem Hightech-Textil zu verdanken mag, sei mal dahin gestellt.

Während in diversen Laufblogs gerade eine regelrechte Kompressionssocken-Test-Orgie am laufen ist, mime ich mal den Aussenseiter und teste Tights. Und zwar die SKINS A400 Men’s 1/2 Tights. Damit ich aber nicht ganz der Underdog bin, schaue ich mir auch noch mal Performance Socks an, die mit im Paket lagen.

SKINS A400 Men’s 1/2 Tights

Ich finde es immer wieder toll, was die Marketing-Abteilungen sich so ausdenken. Die Entwicklung der SKINS Kompressionssportbekleidung erfolgte auf Grundlage der 400 wichtigsten Punkte des Körpers, so liest man. Okay. Obwohl, halt mal – kann gut sein, dass das stimmt. An ähnlich vielen Stellen tut es mir weh, wenn ich mich nach langen Läufen mal so richtig verausgabt habe. Aber ob die Tights da wirklich helfen können? Wie dem auch sei – die Kompression steigert die Durchblutung und führt den Muskeln mehr Sauerstoff zu. Dadurch wird die Milchsäure schneller abgebaut, wenn ich das richtig verstanden hab.

Was ich wesentlich interessanter finde: es erfolgt ein kontrollierter Druck auf das Iliotibialband und den Oberschenkelbindenspanner. Gerade mit dem Iliotibialband habe ich so meine Problemchen. Also, dann – wenn’s wirklich so ist, wie beworben, dann werden wir Freunde, die A400 und ich.

Verpacken können sie bei SKINS - das steht schon mal fest. Gespart hat man jedoch beim Reißverschluss. Den hat die Tasche im Bund jedenfalls nicht.

Verpacken können sie bei SKINS – das steht schon mal fest. Gespart hat man jedoch beim Reißverschluss. Den hat die Tasche im Bund jedenfalls nicht.

Optisch macht sie schon einmal etwas her – die Verpackung. Ein edler Karton, so gar nicht 08/15. Mit einem Schnippelchen zum Herausziehen der Lade. Mannomann, da müssen die bei CEP aber noch mal eine Schippe drauf legen. Achso ja, die Tight ist ähnlich edel. Da scheint zwischen Verpackung und Inhalt tatsächlich ein Zusammenhang zu bestehen.

Spaß beiseite. Die Verarbeitung ist optisch 1a. Fünf verschiedene technische Stoffen werden sind mit sogenannten A-Nähten vernäht, die Komfort und Langlebigkeit ohne Wundreiben versprechen, leisten ihren Beitrag zur optischen Qualität. Ich hab es tatsächlich gewagt und bin die Tight einige Kilometer ohne Unterbuchse gelaufen. Da reibt in der Tat nichts. Wieder ein Punkt, den sie der CEP voraus hat. Mit der hatte ich nämlich weniger gute Erfahrungen. Ich sage nur: AUA!

Nein, das ist kein Bild meiner letzten Darmspiegelung, vielmehr sieht so die SKINS von innen aus. Schön zu erkennen: die Nähte und die Belüftung im Schritt.

Nein, das ist kein Bild meiner letzten Darmspiegelung, vielmehr sieht so die SKINS von innen aus. Schön zu erkennen: die Nähte und die Belüftung im Schritt.

Thema Optik: die Hose hat eine 360 Grad reflektierende Glasperlentechnologie, die dafür sorgt, dass man auch im Dunkeln zu sehen ist. Habe ich aber nicht getestet – bin nur im Hellen gelaufen. Wollen wir’s mal glauben.

Apropos Hell: langsam habe ich den Eindruck, als hätte mir Q die Tight aus den Reservoir des britischen Geheimdienst überreicht. 50+ UV Schutz hat sie nämlich auch noch. Eincremen – zumindest unter Hose – entfällt. Ich könnte jetzt noch was von „ADAPTIVE Technologie“, „Warp Knit“, „Dynamisch Gradienter Kompression“ und schusssicherer Gesäßpolsterung erzählen, aber das führt zu weit. Letzteres war übrigens nur Spaß. Ich denke, ich erzähle euch einfach mal, wie sie sich trägt…

Ähm, halt. Bevor man sie trägt, muss man sie erst einmal anziehen. Das kann bei Kompressionsbekleidung schon einmal etwas problematisch werden. Wenn man etwas muskulöse Oberschenkel hat umso mehr. Seit dem Malheur mit den Nähten der CEP bin ich etwas vorsichtig. Einmal angezogen, sitzt sie jedoch perfekt. Der Stoff sitzt sehr eng und wirkt wesentlich glatter, weicher und somit angenehmer auf der Haut, wie der der CEP Tight. Auch hier endet die Beinlänge über dem Knie, so das der Quadrizeps noch bedeckt ist.

Die SKINS A400 sieht nicht nur optisch sehr gut aus, sie trägt sich auch super.

Die SKINS A400 sieht nicht nur optisch sehr gut aus, sie trägt sich auch super.

Die Hose hat einen bequemen, breiten Bund, der hinten eine Tasche besitzt, in der man Kleingeld oder einen Schlüssel unterbringen kann. Leider hat sie keinen Reißverschluss, so dass man drauf vertrauen muss, dass die Utensilien beim Lauf auch in der Tasche bleiben.

Der Kompressionsgrad kommt mir im Vergleich zur CEP geringer vor. Das kann allerdings auch dran liegen, dass die CEP im Kniebereich zusätzlich dieses Bündchen besitzt, welches die SKINS nicht hat. Die Kompression der SKINS wirkt dadurch gleichförmiger und macht so den ausgewogeneren Gesamteindruck. Mit einem Preis von 85 EUR sind sie zudem etwas günstiger.

Performance Socks

Sitzt, wackelt nicht und hat auch keine Luft. Dafür aber Polster unter dem Ballen. Man hat es ja gern gemütlich.

Sitzt, wackelt nicht und hat auch keine Luft. Dafür aber Polster unter dem Ballen. Man hat es ja gern gemütlich.

Ohne Kompression, jedoch mit weichen Polsterzonen kommen die Performance Socks daher. Jene Polsterung soll Stöße mindern und gegen Druckstellen schützen. Wichtig sind zudem die flachen Nähte im Zehenbereich, unterschiedliche linke und rechte Exemplare, sowie hohe Herstellungsqualität und somit lange Haltbarkeit.

Alles in allem Eigenschaften, die ich von einer guten Socke erwarte. Der Tragekomfort ist schon mal ok, beim Lauf merkt man tatsächlich die Polsterzonen. Positiv sei auch anzumerken, dass die Bündchen nicht einschneiden, denn das ist ein Mangel, den ich oft bei Socken vorfinde. Der Preis von 12 EUR ist hoch, geht aber in Ordnung, wenn sich irgendwann die versprochene Herstellungsqualität und die daraus resultierende Haltbarkeit in der Realität bewahrheitet. Ey, geschwollen schreiben kann ich…

Fazit

Sowohl die SKINS A400 Half Tights, als auch die Performance Socks konnten von der Qualität überzeugen. Auch der Tragekomfort ist perfekt. Eher subjektiv lässt sich die Kompressionswirkung der Tights beurteilen. Dies ist allerdings bei allen Tests derartiger Bekleidung der Fall. Verglichen mit dem Modell des Mitbewerbers CEP wirkt die Kompression etwas geringer, dafür ist der Materialmix aber angenehmer auf der Haut. Letztendlich also wieder einmal Geschmacksache, für was man sich entscheidet.

Die Performance Socks sind sicherlich eine gute Wahl, wenn man einfach nur mal gut sitzende Socken haben möchte. Leider, oder besser gesagt glücklicher Weise, bin ich nicht der Testkandidat, der mit Problemen wie Blasen, Druckstellen oder Krätze am Fuß glänzen kann, sobald er nur den Hauch einer problematischen Socke am Fuß hat. Ich kann auch mit den Dingern vom Discounter für 4,99 EUR Marathon laufen. Mach ich aber nicht – aber ich könnte. Gut zu wissen, wenn man kann. Übrigens: Man(n) soll nicht nach zwei Jever einen Testbericht schreiben…

Für die Transparenz

Die Tights und die Socken wurden mir von SKINS kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

10 Kommentare

  1. Comment by O-Jay

    O-Jay 20. August 2015

    Abgesehen davon, dass Deine Testberichte stets fundiert und sehr pointiert geschrieben sind und somit auf Gefallen stoßen: mit Ausnahme der Hosting-Gebühren dürfte Dich das Hobby Laufen mittlerweile wohl kaum noch etwas kosten, oder? ;-)

    • Comment by Martin

      Martin 20. August 2015

      Haste gedacht. Die Schuhe oben auf dem Bild sind schon mal selbst gekauft. ;)

      Auch die ganzen Anmeldegebühren für die Laufveranstaltungen gehen ins Geld. Und so richtig teuer werden Physiotherapie-Einheiten, die man nicht vom Arzt verschrieben bekommen hat. Und davon hatte ich bereits einige! :D

  2. Comment by Thomas

    Thomas 25. August 2015

    Schöner Bericht, vielen Dank!
    Wenn neben wissenswertem Inhalt ein Test auch noch Spass beim lesen macht, dann ist er gelungen. :D
    Die Hose macht einen guten Eindruck und gefällt mir auch optisch besser als das alte gelb.
    Allerdings fällt sie für mich bei einem Punkt dann unwiderruflich durch: der nicht vorhandene Reissverschluss.
    Wenn ich 85 Euro für eine gute Laufhose ausgebe, dann geht eine Tasche ohne Zipper garnicht. Es mag ja sein, dass man davon ausgeht, dass der Sitz so knackig ist, dass da nichts rausfällt. Aber wer garantiert mir, dass sich durch die Laufbewegungen der Autoschlüssel nicht doch nach oben schiebt. Und wenn ich etwas nicht erleben möchte, dann dass ich nach 1 oder 2 Stunden aus dem Wald komme und feststelle irgendwo im Gehölz liegt nun mein Schlüssel…

    • Comment by Martin

      Martin 25. August 2015

      Danke für’s Lob. :)

      Ja, das mit der Tasche ist echtes Manko. So richtig wohl ist mir da auch nicht. Ich hab da während der Testläufe meinen iPod-Shuffle reingetan, dafür war sie optimal. Aber einen Schlüssel? Hmmm…

  3. Comment by Sebastian

    Sebastian 25. August 2015

    Toller Bericht! Bier macht halt redselig und verführt zur Wahrheit. Ich kenne allerdings niemanden, der Kompressionssocken testet ;).
    Ich teste gerade – oder hab es zumindest versucht – die A400 3/4-Tight. Bisher finde ich die Hose sehr gut. Die Kompression ist toll, aber auch bei der 3/4-Variante fehlt der Reißverschluss. Beim ersten Anziehen dachte ich, dass ich die Hose schnell wieder ausziehen muss, weil sie so eng war, aber das legte sich recht schnell und ich fand sie vom Tragekomfort einfach nur super.

    • Comment by Martin

      Martin 25. August 2015

      Dann halt Kompressionsstrümpfe – oller Erbsenzähler! :razz:

      Und 3/4-Tights sind was für Walker und nicht für Läufer! ;)

      • Comment by Sebastian

        Sebastian 25. August 2015

        ;) Finde die ja ganz praktisch, wenn es mal nicht so ganz warm ist. Da fällt mir gerade ein….ich schreib die Tage mal den Bericht zu den CEP Ultralight :P

        • Comment by Martin

          Martin 25. August 2015

          Ja, ok Herr Langstrumpf. Bei -20°C werde ich vielleicht auch mal drüber nachdenken…

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