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Verdammt, ich bin spät dran. Die erste Ladung Lebkuchenherzen beim Feinkost Albrecht ist bereits ausverkauft, die Palette Glühwein neigt sich auch bereits dem Ende. Spätestens jetzt macht sich allerorts leichte Panik bemerkbar. Was zum Henker verschenke ich am Heiligabend? Gut, dass wir Läufer einfach gestrickt sind. Wir freuen uns sogar über Socken, sofern sie mit einem L und einem R verziert sind. Etwas Originelleres darf es aber trotzdem sein. Hier drei Vorschläge, über die sich laufende Zeitgenossen freuen werden.

Die Philosophie des Laufens

Philosophie des Laufens

Stellt euch vor, ihr sitzt an einem kalten Winterabend vor eurem Kamin, das Holz knistert, das Bärenfell kitzelt auf der nackten Haut, während der Rotwein leicht – ja schon fast zu leicht – den Gaumen umschmeichelt. Was gibt es da schöneres, als sich mit einem guten Buch in andere Welten verführen zu lassen? Diese pittoreske Szenerie wird allerdings zerplatzen wie eine Seifenblase, wenn das literarische Werk aus einem schnöden Ratgeber für Trainingsplänen bestehen würde. Etwas geistig Wertvolles muss also her. Kant, Schopenhauer – so etwas in der Art.

Ein Deutsch Leistungskurz hinterlässt zwar einige Spuren, doch die verblassen leider im Alter. Wichtige Gedankengänge, wie das Berechnen der Pace und der Zwischenzeiten für den nächsten Marathon erobern und kapern auch die allerletzten Gehirnzellen des Langzeitgedächtnisses. Wird also Zeit, dass man etwas dagegen unternimmt. So dachte man sicher auch beim Mairisch Verlag und veröffentlichte ein Sachbuch mit dem schönen Titel Die Philosophie des Laufens.

Der Name ist Programm. Mehrere internationale Autoren, ihres Zeichens Journalisten, Sportler, Philosophen(!) und auch Blogger wie du und ich geben in ihren Beiträgen preis, warum das Laufen auch philosophische Züge hat. Wie heißt es noch gleich? „Der Geist ist willig, allein das Fleisch ist schwach.“ Damit wäre der erste Beweis schon erbracht, mal ganz davon abgesehen, dass Laufen, speziell der Marathon, eh Kopfsache ist. Selbigen muss man nicht nur beim Laufen frei haben, sondern besser auch beim Lesen des Buches. Die Beiträge der Philosophieprofessoren sind nicht unbedingt leichte Kost, doch dafür sind die journalistischen Texte umso mehr lesenswert.

Sehr liebevoll offenbart sich die Gestaltung des Buches. Ein qualitativer Druck und ein ebensolcher Einband machen das Werk zu einem tollen und wertvollen Weihnachtsgeschenk für Läufer und solche, die es werden wollen. Selbst ein Reich-Ranicki würde mit dem Laufen beginnen, wenn er denn noch leben würde.

RunRunRun Rubbelkalender

Endlich gibt es die Alternative zu den Rubbellosen, bei denen man eh nur selten den erhofften Geldsegen gewinnt: der RunRunRun Rubbelkalender. Hier gewinnt man gleich mehrfach. Motivation, Fitness und eine höhere Stromrechnung. Letzters, weil man ständig die Rubbelkrümel aufsaugen muss, die sich unter dem Kalender anhäufen. Ok, man kann auch die Kehrschaufel nehmen, dann erhöht sich der Fitnessfaktor – wenn auch nur minimal.

An jedem Tag, an dem man die Laufschuhe geschnürt hat, darf man zur Tat schreiten und ein Feld frei rubbeln. Irgendwann am Ende des Jahres ist es dann vollbracht. Je mehr Felder freigerubbelt sind, umso fleissiger war man. Streakrunner haben im Idealfall alle Felder vom schnöden Grau befreit, die weniger eifrigen Sportler finden immerhin ein hübsches Muster vor, welches der Nachwelt als Beweis läuferischer Glanzleistungen erhalten bleiben kann.

Insgesamt also ein tolles Geschenk, welches dekorativ neben Urkunden und Medaillen aller bereits absolvierten Marathons den Bewunderungsgrad enorm in die Höhe schnellen lässt – vorausgesetzt man läuft auch fleissig. Für Laufanfänger vielleicht sogar noch ein wenig mehr hilfreich, als für die alten Hasen, welche den Schweinehund nur noch vom Hörensagen kennen.

Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: hängt den Kalender nicht an eine Wand, die mit Rauhfasertapete tapeziert ist – macht sich nicht so gut beim Rubbeln.

Formbelt Laufgürtel

Last but not least habe ich noch das klassische Weihnachtsgeschenk. Einen Gürtel. Aber halt – für uns Läufer wäre der obligatorische Gürtel aus Krokolederimitat doch wirklich das unpassendste aller Geschenke ever. Der laut Hersteller „beste Laufgürtel für Handys und Smartphones“ ist uns gerade gut genug.

Da hat die Marketingabteilung zumindest schon mal gut vorgelegt. Könnte man in dem Gürtel noch 2 Liter Getränke unterbringen, ohne dass es schwabbelt, hätte ich die Behauptung sofort unterschrieben. So musste ich mich erst einmal bei einem Test überzeugen, ob der FORMBELT wirklich weder drückt, wackelt noch rutscht.

Die Idee ist so einfach wie genial. Ein breiter Schlauch aus einem elastischem Material, mit ein paar nach innen gerichteten Öffnungen für Handy, iPod, Gel und Co. und als i-Tüpfelchen noch ein dehnbares Schlüsselbändchen, damit man vor der Haustür kein dummes Gesicht macht, wenn man den Schlüssel unterwegs verloren hat.

Formbelt

Die Verarbeitungsqualität ist hoch, doppelte Nähte sorgen dafür, dass da so schnell keine der Taschen einreißen dürfte. Zudem ist der Gürtel waschbar und ist nach Versprechen des Herstellers selbst nach dem 100.000sten Gebrauch noch so elastisch wie am ersten Tag. Hallo Marketing? Ich werde das prüfen. Wehe das ist nur derartige Prosa, wie die lustigen Bezeichnungen der verfügbaren Farbvarianten. The Classic (schwarz), The Rock (grau), The Lady (pink) und The Fresh (grün) – ihr seid so brilliant…

Das Leben ist leider voller Kompromisse. Das zeigt sich auch hier. Neben dem schon oben angesprochenen Makel, dass man keine Getränke unterbringen kann (war ein Witz), wird der Formbelt bei Gebrauch feucht – je nach Aktivität, Wetter und Transpiration des Läufers (kein Witz). Smartphones, die nicht so ganz umempfindlich gegen Nässe sind (wie mein olles iPhone), sollte man also lieber in einem Beutel verpacken, bevor man sie in den Gürtel steckt.

Für schlappe 25 EUR ist der FORMBELT dennoch ein ideales und praktisches Geschenk. Nach den Festtagen schwabbelt es um die Hüften schon genug, da muss wenigstens der Gürtel sitzen.

Für die Transparenz

Sowohl das Buch, der Laufgürtel als auch der Kalender wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hatte allerdings weder einen Einfluss auf den Inhalt, noch auf die Bewertung.

5 Kommentare

  1. Comment by Jürgen

    Jürgen 3. November 2015

    Hehehe, der Kalender, genial! Kommt auf Wunschliste!

    • Comment by Martin

      Martin 3. November 2015

      Muss man haben. :)

      • Comment by Jürgen

        Jürgen 4. November 2015

        Absolut! :-)

  2. Comment by Micha - darum-laufe-ich

    Micha - darum-laufe-ich 8. Dezember 2015

    Hey der runrurun Kalender ist super spitze ! in tolles Geschenk für Läufer, nicht nur zu Weihnachten.
    Habe mir in diesem Jahr ebenfalls Gedanken dazu gemacht, was als Weihnachtsgeschenk für Läufer geht und was nicht. In meinem Blog www. darum-laufe-ich.de findet ihr noch mehr Anregungen (sind drei Beiträge geworden) für Geschenke http://darum-laufe-ich.de/weihnachtsgeschenke-fuer-laeufer/
    Viel Spaß beim stöbern und runhappy :) Micha

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