Das kennst du sicher auch: Du liebst ein Modell abgöttisch, und dann meint es der Hersteller zu gut mit den Verbesserungen. Heraus kommt – im schlimmsten Fall – ein völlig anderer Schuh. Im Grunde das Worst-Case Szenario schlechthin: Die berühmt-berüchtigte Verschlimmbesserung.
Kein Trailschuh hat bei mir so viele Wettkampfeinsätze absolviert wie der Salomon S/LAB Genesis. Ob in der Rhön, beim BiMa oder auf dem Rennsteig – der Schuh hat mich nie im Stich gelassen. Mit der Spine-Variante war ich Anfang des Jahres noch beim Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathon am Start (und später auch im Ziel).
Seit seiner Veröffentlichung im Herbst 2022 hat der S/LAB Genesis eine große Fangemeinde gewonnen – darunter Größen wie Courtney Dauwalter und Mathieu Blanchard. Und diese Fans haben sich gefragt: Was kann man an dem Schuh wohl besser machen ohne seine Charakteristik zu vermasseln?
Zur Einordnung: Der S/LAB Genesis gilt als ein leichter, gut gedämpfter und ausgesprochen robuster Trailrunning-Schuh, der für lange Distanzen, Ultratrails und anspruchsvolles alpines Gelände entwickelt wurde. Er bietet viel Schutz und Komfort, sitzt super präzise und läuft sich sehr agil.
Dass man sich bei Salomon knapp vier Jahre Zeit für einen Nachfolger lässt, habe ich bis dato auch noch nicht erlebt. Aber nun ist es soweit: Seit Anfang August steht die Neuauflage bereit. In den letzten Wochen habe ich den neuen S/LAB Genesis 2 getestet und verrate euch jetzt, ob der Schuh noch immer mein Lieblingsschuh ist.
First Look
Ja, ich weiß. Das Design ist im Grunde irrelevant. Aber der Look? Wirklich? Was haben Sicherheitsschuhe auf dem Trail zu suchen? Oder will man bei Salomon damit die Robustheit des Schuhs unterstreichen? Jetzt mal im Ernst: Ich hatte bereits vor dem Launch Bilder des Schuhs im Netz entdeckt und gehofft, dass Salomon zur Veröffentlichung noch auf einen anderen Colourway umschwenkt. Nun, war wohl nichts. Mein Geschmack ist es nicht. Der S/LAB-Klassiker in Rot und Weiß – der hätte mich geflasht.
Nun, egal, denn qualitativ überzeugt der Salomon S/LAB Genesis 2 auf Anhieb. Dem leichten Matryx-Micro-Obermaterial kann so schnell nichts anhaben. Die integrierte Gamasche kennen wir bereits vom Vorgänger. Neu ist die Gestaltung der Schnürsenkeltasche: Das Verstauen des Quicklace-Schnürsystems gestaltet sich jetzt wesentlich einfacher. Zudem befindet sich oben eine Schlaufe, die das Anziehen erleichtert. Das ist auch nötig, denn der S/LAB Genesis 2 ist – wie sein Vorgänger – eng geschnitten und wahrlich kein Schuh für Hobbit-Füße.
Optisch fallen die seitlich stabilisierenden Elemente des activeCHASSIS auf, die nun weniger kantig und mehr harmonisch wirken. Zudem verzichtet Salomon nun auf die harte und weit hochgezogene Kunststoffkappe um die Ferse herum. Die konnte beim alten Modell schon mal recht unangenehm am Knöchel sein. Das neue Material ist da wesentlich angenehmer und – zumindest bei mir – nicht am Knöchel wahrnehmbar.
Auch die Reduzierung der Sprengung von 8 auf 6 mm (31 mm an der Ferse und 25 mm unter dem Vorfuß) dürfte der Stabilität zugutekommen. Die All Terrain contaGRIP-Sohle selbst ist etwas breiter als zuvor und besitzt noch immer eine Noppentiefe von 4,5 mm. Ebenfalls neu beim S/LAB Genesis 2 ist die Zwischensohle: Zu dem optiFOAM im Fersenbereich gesellt sich nun ein optiFOAM² im Vorfußbereich. Davon verspricht man sich mehr Vortrieb.
Preislich bleibt beim Salomon S/LAB Genesis 2 alles beim Alten. Mit einer UVP von 200 EUR ist der Schuh trotz üppiger Ausstattung sogar der günstigste Schuh in der S/LAB-Trailrunning-Kategorie.
In der Praxis: Wie läuft sich der Salomon S/LAB Genesis 2?
Ich habe oben schon ausgiebig darüber philosophiert: Kaum jemand, der nicht Angst davor hatte, dass „unser“ heißgeliebter S/LAB Genesis nicht mehr der Schuh ist, den man in sein Herz geschlossen hat. Und? Ist er es noch?
Nun ja – sagen wir es mal so: It depends. Es kommt darauf an, wie man den Schuh bisher eingesetzt hat. Ich für meinen Teil bin bekanntlich nicht auf hochalpinen Trails unterwegs. Meine Marathons und Ultras laufe ich im Mittelgebirge. Auf matschigen Trails, Waldwegen und Forststraßen. Also eher weniger anspruchsvoll. Mit dem S/LAB Genesis konnte ich stundenlang laufen. Er war für mich der Inbegriff eines universellen Schuhs. Der ging einfach immer. Wenn ich mir aus all den Schuhen im heimischen Regal nur einen hätte aussuchen dürfen – er wäre es gewesen.
Mittlerweile sind vier Jahre seit dem Launch des S/LAB Genesis vergangen. In dieser Zeit hat sich im Laufschuhmarkt viel getan. Die Schäume sind reaktiver geworden, die Topmodelle haben Carbonplatten bekommen. Letzteres kann der S/LAB Genesis 2 nicht bieten. Alles gut – soll er auch nicht. Aber der reaktive Schaum, der unter dem Vorfuß als optiFOAM² zum Einsatz kommt, könnte schon etwas bounciger (schreibt man das so?) sein. Und ein klein wenig mehr Rockergeometrie wäre auch nicht verkehrt. Im Grunde also etwas mehr vom S/LAB Ultra V2 und dazu noch ein Hauch Sofa vom S/LAB Ultra Glide 2.
Wir sind hier allerdings nicht bei „Wünsch dir was“ sondern müssen mit dem klar kommen, was der Salomon S/LAB Genesis 2 zu bieten hat. Auf den Trails funktioniert er weiterhin tadellos – tendenziell eher besser als vorher. Er ist etwas stabiler und hat besseren Grip auf matschigen Passagen. Da gibt es kaum etwas zu meckern. Zudem ist er nur 10 Gramm schwerer geworden. In meiner Größe (EUR 44) wiegt er nun 280 Gramm. Man kann ihn also durchaus noch immer als einen agilen Schuh bezeichnen.
Wo er mir aber keinen Spaß macht: Auf Forststraßen fehlt mir zum einen der Komfort und zum anderen der Vortrieb. Vielleicht bin ich, wenn ich ihn beispielsweise mit dem ASICS Metafuji Trail 2 vergleiche, auch etwas ungerecht. Denn auf technischen Passagen kann der ASICS wiederum nicht mit dem Genesis mithalten.
So stehe ich jetzt beim nächsten Ultra vor dem Problem, dass ich mir die Strecke haargenau anschauen und anschließend den passenden Schuh aussuchen muss. Einfach blind zum S/LAB Genesis greifen? Ja. Aber auch zum S/LAB Genesis 2? It depends …
Mein Fazit zum Salomon S/LAB Genesis 2
Okay, jetzt habe ich den Spannungsbogen völlig versaut. Das mit dem Fazit schenken wir uns, denn das habe ich bereits vorweggenommen. Bliebe noch die Frage: Verschlimmbesserung – ja oder nein? Für mich leider ein Ja. Aber ich mag ihn trotzdem. Zum Glück stehen vom ersten S/LAB Genesis noch zwei Exemplare im Regal – plus die Spine-Variante.
Für die Transparenz
Der Salomon S/LAB Genesis 2 wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.


















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