Stell dir vor, du rennst über 19 Stunden lang und 174 Kilometer weit in einem Schuh. Gut 10.000 Höhenmeter kommen noch on Top. Anschließend ziehst du den Schuh aus, kippst eine Dose Red Bull hinein und nimmst einen großen Schluck. Eklig, oder? Ja, die Plörre mag ich auch nicht, und aus einem verschwitzten Schuh ist das noch einmal eine andere Dimension. Passiert ist das so letztes Jahr beim UTMB. Der Sieger, Tom Evans, war wohl vom Schuh und eventuell auch von seiner Performance derartig begeistert, dass er sich das zweifelhafte Vergnügen direkt unter dem Zielbogen gegeben hat. „Shoey“ nennt man sowas übrigens – ein australisches Ritual. Normalerweise allerdings mit Alkohol und nicht mit dem Zuckerwasser aus Österreich.
Ich war sicher nicht der Einzige, der sich gefragt hat: Was um Himmels willen ist das für ein Schuh, dass man ihn derartig abfeiert? Ein Prototyp von ASICS, klar. Ben Dhiman, der Zweitplatzierte, trägt ihn auch. Muss also was taugen, das gute Stück.
Ich hätte auch selbst darauf kommen können: Es handelt sich um die Weiterentwicklung vom ASICS Metafuji Trail. Den habe ich vor einiger Zeit hier vorgestellt. Kurze Zusammenfassung meines damaligen Testberichts: Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ich bin mit ihm nicht klargekommen, weil er so instabil war, dass ich damit nicht mehr als zehn Kilometer laufen konnte.
Was muss demnach passieren, dass ich mir im Ziel meines nächsten Laufabenteuers einen Red Bull aus dem neuen ASICS Metafuji Trail 2 gönne?
First Look
Das Design des ASICS Metafuji Trail 2 ist eine Hommage an das japanische Erbe von ASICS. Die Kalligraphie, die japanische Schreibkunst, findet sich als visuelles Element im Obermaterial wieder. Die auffällige Farbgebung in »Illuminate Yellow/Dark Aubergine« finde ich sehr ansprechend. Das leichte Motion Wrap-Obermaterial verspricht schon mal einen gut belüfteten Fuß und ein weicher Knöchelkragen Schutz vor Steinchen im Schuh.
Worauf ich bereits vollends abfahre, ist das Schnellschnürsystem, welches ich bisher in der Art nur von Salomon gewöhnt bin. Ich habe mich schon immer gefragt, wieso andere Hersteller solch ein System nicht auch verwenden.
Anders als bei Straßenwettkämpfen unterliegen Trailschuhe in Sachen Stack-Höhe keinerlei Beschränkung. Beim Metafuji Trail der ersten Generation waren es respekteinflößende 44,5 mm Material unter der Ferse. Der Metafuji Trail 2 wurde etwas entschärft – 41,5 mm Schaum hinten und 36,5 mm vorn sind es aber noch immer, die man fortan unter dem Fuß hat. Damit habe ich im Prinzip kein Problem, solange der Schuh einigermaßen stabil und dynamisch ist.
Die aktualisierte Mittelsohle besteht aus einer oberen Schicht FF LEAP™ Foam, dem leichtesten und dynamischsten Foam von ASICS, kombiniert mit FF BLAST™ PLUS Dämpfung unterhalb der Carbonplatte. Die wiederum stellt das Kernstück des Metafuji Trail 2 dar. Die trailspezifische Carbonplatten-Konstruktion im neuen X-förmigem Design wurde entwickelt, um den Vortrieb bei Anstiegen zu verbessern und gleichzeitig Sicherheit und Kontrolle bei Abstiegen zu gewährleisten.
Eine ASICSGRIP™ Außensohle mmit 3,5 mm langen Stollen soll für ordentlich Grip auf unterschiedlichen Terrains sorgen. Ob das gelingt, wird sich in der nassen Jahreszeit zeigen.
Kommen wir noch kurz zum Gewicht. Wenig überraschend für einen Wettkampfschuh und ein Topmodell hält sich der Ausschlag auf der Waage in Grenzen. Bei meiner Größe EUR 44,5 (US 10.5) zeigt sie exakt 279 Gramm an.
Im Praxistest: Wie läuft sich der ASICS Metafuji Trail 2?
Ich hatte richtig Bammel. Was, wenn der ASICS Metafuji Trail 2 für mich genauso instabil ist wie sein Vorgänger? Darum lege ich die Latte zunächst einmal recht tief. Meine Mindestanforderungen an den Schuh: Er funktioniert auf der Waldautobahn und auf laufbaren Singletrails. Das muss doch machbar sein, schließlich bin ich kürzlich mit dem Adidas Agravic Speed Ultra 2 auf einer derartigen Strecke gelaufen – ohne mir die Haxen zu brechen. Und das will was heißen, denn das Modell ist ja nicht gerade als Stabilitätswunder bekannt. Gegen Ende waren die Fußgelenke allerdings ziemlich beleidigt – mit dem Spaß war es dann vorbei.
Die erste Anprobe macht Mut. »Sitz, passt, wackelt und hat Luft« – so heißt die Redewendung. Hier wackelt aber nichts. Der Schuh passt perfekt. Guter Halt am Mittelfuß, keine Druckpunkte an der Ferse, relativ viel Platz in der Zehenbox. Also genau das, was ich von einem Ultraschuh erwarte. Zudem rollt er schon beim Gehen sehr angenehm ab. Mal sehen, wie das beim Laufen aussieht.
Bevor ich am Sonntag den Neuzugang auf der langen Runde teste, bin ich erst einmal vorsichtig und nehme ihn mit auf meine Hausrunde. Nichts Spektakuläres – ein Parkweg, 10 Kilometer. Was soll ich sagen? Der Metafuji Trail 2 rollt hier besser als mancher Straßenlaufschuh. Macht schon mal Spaß. Ob das auch auf 30 Kilometern und knapp 600 Höhenmetern funktioniert? Ja, warum eigentlich nicht?
Feuertaufe
Die lange Runde auf einem Teilstück des Bilstein Marathons besteht zu ca. 75% aus Forststraßen und zu 25% aus Trails, teilweise auch recht wurzelig. Auf den Forststraßen zeigt sich, dass es dafür kaum einen besseren Schuh geben kann. Der Metafuji Trail 2 macht da richtig Spaß. Die Dämpfung der Mittelsohle könnte kaum besser sein – nicht zu hart und vor allem nicht zu weich.
Gleich wird sich zeigen, ob ich mit dem Schuh auch auf etwas anspruchsvolleren Trails klarkomme. Erst geht es gemäßigt über Single-Trails und anschließend über wurzelige Pfade. Wenn ich jetzt mit dem Schuh nicht umknicke, dann hat er seine Feuertaufe bestanden.
Mit dem Vorgänger des Schuhs wäre ich hier gnadenlos gescheitert. Der Metafuji Trail 2 macht hier sogar richtig Spaß. Von der Stack-Höhe merke ich nichts. Keine Ahnung, wie die das bei ASICS hinbekommen haben, dass ich als leidlich begabter Trailrunner mit dieser Carbonflunder tänzelnd durch das Gehölz schwebe.
Sicherlich hat die Carbonplatte im X-Design ihren Anteil am Gelingen, denn das mit dem X hat schon beim HOKA Tecton X gut funktioniert. Der Name ist Programm. Anders als bei vollflächigen Platten, wie beispielsweise im ALTRA Mont Blanc Carbon, mit dem ich jenseits der Forststraßen gnadenlos gescheitert bin.
Weil es so schön war, bin ich die Woche drauf die gleiche Runde nochmal gelaufen. Selbstredend noch einmal mit dem ASICS Metafuji Trail 2 – schließlich will ich mich nicht auf einmalige Eindrücke verlassen. Aber auch hier: Der Schuh überzeugt vor allem bergauf und bei langen Belastungen und bleibt dabei – anders als der Adidas Agravic Speed Ultra 2 – auch auf Dauer komfortabel und kontrollierbar.
Mein Fazit zum ASICS Metafuji Trail 2
Nach dem bescheidenen Abschneiden des Metafuji Trail – eigentlich muss ich es schon fast Desaster nennen – dürfte mein Fazit zum ASICS Metafuji Trail 2 die wohl überraschendste Kehrtwende ever sein. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass dieser Schuh mich auf Anhieb überzeugt. Ich gehe sogar soweit, dass ich noch nie so begeistert von einem Schuh war. Ja, die 250 € sind eine Hausnummer, aber in dem Fall gut angelegt.
Mitte September steht bei mir der HochRhön-Bergtrail in der 42k-Distanz an. Gewinnen werde ich da sicher nicht, aber vielleicht reicht es mal wieder für einen Altersklassen-Podestplatz. Ich pack vorsichtshalber schon mal den Red Bull ein…
Nachtrag: UTMB 2026
Kurz nach der Veröffentlichung dieses Beitrags schreibt Ben Dhiman beim diesjährigen UTMB Geschichte. Er gewinnt mit einer unglaublichen Zeit von 18:16:29 das Rennen, auf Platz 4 landet Virgile Moriset. Warum ich ausgerechnet die beiden Athleten erwähne? Ratet mal, welchen Schuh die beiden getragen haben.
Für die Transparenz
Der ASICS Metafuji Trail 2 wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.


















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