Der HOKA Speedgoat und ich, das ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Vor rund fünf Jahren hat mich der EVO Speedgoat derart begeistern können, dass man anschließend in meinem Schuhregal auffällig viele Schuhe der Marke sichten konnte. Die Liebe zu dem Modell endete jedoch mit dem altersbedingten Ableben des EVOs.
Ein paar Annäherungsversuche hatte ich noch gestartet. Die Speedgoats der Serie 4 und 5 habe ich gleich nach der Anprobe wieder zurückgeschickt. Auch das Vorgängermodell des heutigen Testkandidaten, der Speedgoat 6, hat mich nicht gerade vom Hocker gerissen. Dabei ist der Speedgoat eigentlich eine Institution: seit 2015 auf dem Markt, benannt nach Karl „Speedgoat“ Meltzer, dem ersten gesponserten HOKA-Athleten und einer Trailrunning-Legende. Nun also die siebte Iteration. HOKA hat versprochen, alles besser zu machen.
First Look
Erster Blick, erster Eindruck: Der Speedgoat 7 sieht nach Speedgoat aus. Das ist keine Kritik. Die Silhouette ist vertraut, die Proportionen sind groß – der Einfluss der typischen HOKA-Maximaldämpfungsphilosophie ist nicht zu übersehen.
Was sich unter der Haube verändert hat, ist allerdings erheblich. Statt der bisherigen Schaumlösung kommt nun superkritisch geschäumtes EVA zum Einsatz – ein Verfahren, bei dem Stickstoff unter Druck in den Schaum eingebracht wird, um Energie besser zurückzugeben. Das Ergebnis ist spürbar: weicher, reaktiver, mit mehr Rückstoß als die Vorgänger. Gleichzeitig ist die Stapelhöhe um 5 mm gewachsen – auf 37 mm unter der Ferse, mit 5 mm Drop. Mehr Stack also, und trotzdem nicht mehr Gewicht – in meiner Größe EUR 44,5 landet der Schuh bei rund 283 Gramm, was für einen Trailschuh dieser Kategorie durchaus respektabel ist.
Bei der Außensohle kommt wieder Vibram Megagrip zum Einsatz – schon beinahe ein Standard im Trailrunning-Segment. Die 5 mm langen Stollen wurden gegenüber dem Speedgoat 6 aggressiver gestaltet, das V-förmige Profil beißt sich in Schlamm, Sand, Schnee und nassen Fels gleichermaßen fest. Auch der Fersenbereich wurde überarbeitet: Der spitz auslaufende Kragen des Vorgängers ist Geschichte, stattdessen gibt es eine konventionellere Form mit besserem Halt. Eine kleine Schlaufe für Gaiterbefestigung wurde ebenfalls integriert – ein Detail, das Fans von Gamaschen freuen wird.
Das Obermaterial ist deutlich robuster und wasserabweisender als beim Speedgoat 6. Breathability ist dabei nicht die Stärke – der Schuh hält drin, was er draußen hält. Bei warmem Wetter ein Kompromiss, auf nassem Frühjahrstrail ein Segen.
Praxistest: Wie läuft sich der HOKA Speedgoat 7?
Okay, dann also raus auf den Trail mit der Ziege. Und hier passiert beim ersten Kilometer etwas, womit man nach dem enttäuschenden Sechser vielleicht nicht sofort gerechnet hat: Der Schuh macht einfach Spaß. Mindestens so viel, wie damals der EVO und beinahe so viel wie mit meinem absoluten HOKA-Favoriten, dem Tecton X 2. Apropos und by the way: HOKA, wollt ihr den bitte mal einem Revival unterziehen? Danke vorab.
Das neue Schaumsystem ändert den Charakter des Speedgoats spürbar – der HOKA Speedgoat 7 federt nun mit echtem Engagement zurück. Auf langen, moderaten Trails ist das ein Genuss – die Beine bleiben frisch, der Schuh läuft beinahe wie von selbst. Bergab schluckt die Mittelsohle klaglos alles weg, ohne dabei das Gefühl für den Untergrund zu verlieren. Bergauf liefert das breitere Grundprofil genug Stabilität, um auch auf Geröll noch genügend Grip zu haben.
Apropos Grip: Der ist tatsächlich makellos. Nasse Wurzeln, rutschige Steine, aufgeweichter Waldboden – der Speedgoat 7 „klebt“ zuverlässig.
Zum Vergleich mit dem Tecton X 2 drängt sich die Frage auf, was die beiden Schuhe eigentlich trennt. Die Antwort ist: Nun, fast alles. Der Tecton X 2 ist ein Präzisionsinstrument mit zwei parallelen Carbonplatten – gemacht für schnelle Beine auf langen Rennen, energisch und klar in der Rückmeldung. Der Speedgoat 7 ist dagegen der Allrounder. Gutmütig, komfortabel und etwas stabiler bei technischem Gelände. Dabei weniger auf Tempo als auf Verlässlichkeit getrimmt.
Mein Fazit zum HOKA Speedgoat 7
Der HOKA Speedgoat 7 ist eine gute Weiterentwicklung – das muss man HOKA lassen. Der Speedgoat 7 korrigiert sauber, was am Sechser nicht gestimmt hat. Er hat einen reaktiveren Schaum, einen aggressiveren Grip und einen besseren Fersenbereich. Insgesamt also ein stimmigeres Paket. Wer den Speedgoat 6 mochte, wird den Siebener lieben. Wer den Sechser nicht mochte, bekommt hier eine echte zweite Chance.
Und dennoch: „die“ Evolution, der große Moment, nach dem man bei einer so traditionsreichen Modellreihe vielleicht Ausschau hält – der bleibt aus. Der Speedgoat 7 ist kein Schuh, der einem den Atem raubt. Aber er ist einer, der einfach zuverlässig und solide funktioniert. Das reicht für einen Stammplatz im Regal. Aber für die Trailrunning-Krone braucht es ein bisschen mehr.
Für die Transparenz
Der HOKA Speedgoat 7 wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.


















Dein Kommentar