Der neue ASICS Metaracer ist reinrassiger Wettkampfschuh für Läufer mit einem 4er Schnitt und einer Marathonzeit um die drei Stunden oder besser. Na, das passt doch, wie die Zwiebel aufs Mett. Wenn das mal nicht mein Schuh ist, dann weiß ich es auch nicht.

Wusstet ihr eigentlich, dass ich keine Mettbrötchen mit Zwiebeln mag? Insofern ignorieren wir das mit dem Marathon in drei Stunden. Auf die 28 Minuten kommt es nun auch nicht drauf an. Ich lass mir doch den Spaß nicht vermiesen – insofern: Hallo ASICS Metaracer. Willkommen in meinem schönen Schuhregal.

Von Sonnenaufgängen und Koi Karpfen

Den ASICS Metaracer gibt es nur in der Farbe „Sunrise Red“. Die hat er jedoch nicht ohne Grund. Das Rot des Sonnenaufgangs erweist der Stadt Tokyo und dem Land Japan seine Ehre. Auch von der Variante, dass die Koi Karpfen als Inspiration für die Farbgebung dienten, habe ich schon gehört. Immerhin gelten sie in Japan als Symbol für Mut, Stärke und Durchhaltevermögen im Leben eines Japaners. Wie auch immer – der Schuh sieht einfach zum Verlieben aus. Ihr ahnt schon, wie das hier alles enden wird. Oder?

In der Tat kann ich meine Begeisterung für den ASICS Metaracer nicht bis zum Ende des Beitrages verbergen. Sorry, dass ich die Spannung versaue. Auch noch ein weiteres Sorry an all die ASCIS FrontRunner, deren Testberichte auf der ASICS Website mir immer so drollig unvoreingenommen vorkamen. Kann gut sein, dass sich all das hier ähnlich liest – aber hey, der Schuh ist wirklich eine Rakete. Insofern müsst ihr da mal durch. Denkt an das Durchhaltevermögen im Leben des Japaners – Koi Karpfen und so, weißte Bescheid!

ASICS Metaracer

Der ASICS Metaracer kommt in einem beinahe klassischen und schlichten Design daher und ist auch dank seiner auffallenden Farbe eindeutig als Rennschuh erkennbar. Ich mag das ja sehr, wenn sich die Designer auf wenige Farben einigen konnten.

Ähnlich reduziert ist auch das Gewicht des Schuhs. Lächerliche 225 Gramm bringt er in Größe 44,5 auf meine Küchenwaage. Damit ist er der leichteste meiner Straßenlaufschuhe seit dem ASICS Gel-DS Racer 10 mit 198 Gramm. Derzeit wird das nur vom Salomon S/LAB Sense 8 getoppt. Der wiegt 205 Gramm, als Trailschuh wohlgemerkt.

Regelrecht ins Auge springt die gebogene und relativ flache Sohle mit einer Höhe von 15 mm vorn und 24 mm hinten. Ihr habt sicher bereits nachgerechnet – macht insgesamt eine Sprengung von 9 mm.

Es gibt Reis, Baby

Bleiben wir doch gleich beim Minimalismus. Macht die Sohle nicht den Eindruck eines Slicks, der schon allein bei einem Hauch von Nässe kläglich versagen wird? Tja, wenn’s denn so wäre. Ist aber nicht so – im Gegenteil. Die sogenannte WET GRIP Rubber Sohle klebt bei Nässe förmlich auf dem Asphalt. Entwickelt wurde sie ursprünglich im Indoorbereich. Wer einmal auf einem verschwitzten Hallenboden ausgerutscht ist, der weiß wofür sowas gut ist.

ASICS Metaracer

Interessant auch das Herstellungsverfahren: Bei der Produktion der Außensohle wird ein Reisschrotgranulat beigemischt, was für maximale Traktion sorgt. Im Regen oder an den Getränkestellen beim Wettkampf dürfte es somit keine Probleme geben mit dem Prachtstück – dem Reis sei Dank. Yeah, Baby.

Ziemlich genau unter dem vorderen farblichen Bereich, also vom Mittel- bis zum Vorfuß, befindet sich dicht unterhalb der Außensohle die Carbonplatte. Sie orientiert sich an der vorgebogenen Form der GUIDESOLE und ist nicht unmittelbar zu spüren. Was man jedoch auf alle Fälle spürt: Das karbonisierte Wunder der Technik verleiht einen erhöhten Vortrieb und eine Art von Federung – allerdings erst ab einem flotteren Tempo. Vornehmlich im dem Pace-Bereich, für den ich noch etwas mehr trainieren müsste. Selbstredend wird dadurch die Fußmuskulatur anders beansprucht, als bei einem regulären Schuh. Daher kann es schon mal passieren, dass einen ein fieser Muskelkater heimsucht. Also Vorsicht.

Anders als von mir zunächst vermutet, ist der Metaracer trotz seines ambitionierten Einsatzzwecks ein Schuh mit einer durchaus angenehmen Dämpfung und Stabilität, was sicherlich aus der Kombination des FLYTEFOAM Material mit der Carboneinlage resultiert.

Eine löchrige Angelegenheit

Kennt ihr diese Jeans, die als Neuware bereits voller Löcher sind? Ich werde es nie verstehen, wieso die teurer sind, als die regulären Hosen. Beim ASICS Metaracer komme ich allerdings völlig damit klar. Das ENGINEERED MESH-Obermaterial hat nämlich diverse Öffnungen, die sowohl als Belüftung als auch als Drainage fungieren. Sogar die Sohle hat vorn ein kleines Loch in der Spitze.

ASICS Metaracer

Wo wenig Material verbaut ist, kann auch wenig drücken. Die Zunge ist eher ein Hauch von Nichts und entspricht voll und ganz dem Flair eines Wettkampfschuhs. Apropos Wettkampf: Ihr erinnert euch sicher an den Berlin Marathon 2015, als Eliud Kipchoge beinahe seine Innensohlen verloren hat? Nun, mit dem ASICS Metaracer wäre das nicht passiert – da sind die Sohlen nämlich verklebt.

ASICS Metaracer

Extrem reduziert ist auch die Fersenkappe. Besonders Läuferinnen und Läufer mit Achillessehnenproblemen werden sich darüber freuen, dass die Kappe nicht verstärkt ist.

ASICS Metaracer

Der ASICS Metaracer in der Praxis

Einmal nur beim Laufen wie Jan Frodeno fühlen – der Metaracer macht es möglich. Zwar ist Frodeno nicht mehr bei ASICS unter Vertrag, sondern läuft jetzt in Hoka One One, aber immerhin war er einer derjenigen, die den Metaracer bereits als Prototyp gelaufen ist. Der Schuh wird sicherlich nicht der Grund seines Wechsels gewesen sein – immerhin hat er den Wettkampf 2019 in einem schwarzen Vorserienmodell des Metaracers gewinnen können.

Genug Vorgeplänkel – kommen wir zur Sache. Eins ist klar: Langsam laufen in dem ASICS Metaracer ist nicht. Kaum hat man die Flunder an den Füßen, ist man bestrebt noch ein klein wenig mehr Gas zu geben. Gleich der erste 10 Kilometer-Lauf, den ich in dem Schuh gerannt bin, endete in einer Zeit, die ich annähernd in einem Wettkampf laufe. Das, was noch zur Bestzeit fehlte, schiebe ich einfach mal darauf, dass neben dem Adrenalin auch noch die Mitstreiter fehlten.


Und weil es so Spaß gemacht hat, probiere ich den Metaracer auch gleich noch mal auf der Halbmarathon-Distanz aus. Schließlich muss die Tauglichkeit auf längeren Strecken ja auch irgendwie beurteilt werden. Tja, was soll ich sagen – war auch keine arg so schlechte Zeit, dafür dass ich an dem Tag nicht ganz so gut drauf war…

Den Test auf der Marathon-Distanz muss ich leider irgendwann nachreichen. Da fehlt mir derzeit das Training. Was ich allerdings damit sagen will – ja, der Metaracer ist definitiv ein Schuh, den ich auch auf den 42,195 km anziehen würde. Wie ihr seht also ein Schuh für alle Distanzen. Das wiederum ist natürlich völlig subjektiv. Ich habe auch schon Testberichte gelesen, in denen die Tester ihn nur auf kurze Distanzen präferieren.

Sicherlich kommt das auch auf den Laufstil, das Gewicht und die persönlichen Vorlieben an. Wobei ich noch nicht mal einen besonders guten Laufstil habe. Dennoch verleitet mich der Metaracer dazu, mehr auf dem Mittel- und Vorfuß zu laufen – ähnlich wie beim kürzlich getesteten Newton Motion 9, denn die GUIDESOLE des ASICS erzeugt ein leichtes Kippen nach vorn, was einen deutlichen Vortrieb beim Laufen auslöst. Diesen Effekt kennt ihr vielleicht bereits von den Modellen MetaRide, GlideRide und EvoRide. Das Abrollen reduziert letztendlich die Aktivität im Sprunggelenk und entlastet so spürbar die Waden.

ASICS Metaracer

Mein Fazit zum ASICS Metaracer

Ich habe es ja schon fast verraten. Der ASICS Metaracer ist mit Sicherheit einer der besten Wettkampfschuhe, die ich bisher testen durfte. Es macht ungeheuren Spaß, sich mit ihm nach vorn treiben zu lassen und in Pacebereiche vorzudringen, die ein alter Mensch noch nie zuvor gesehen hat.

„Lohnt sich der Schuh für einen Hobbyläufer, der gerade so mit einer 4er Pace rennen kann?“ Die Frage habe ich mal irgendwo gehört. Ja, logisch lohnt er sich. Porsche und Ferraris werden ja auch an betagtere Mittfünfziger verhökert, ohne dass sie Bestzeiten auf der Nordschleife vorweisen müssen. Entscheidend ist doch, dass man Spaß mit dem Schuh hat. Und wenn ich um die 10 bis 25 Sekunden auf dem Kilometer damit schneller bin – glaubt mir, das macht extrem viel Spaß.

Mal davon abgesehen – ja, der Preis ist nicht ohne, aber im Vergleich zu anderen Carbonschuhen durchaus gerechtfertigt. Der Metaracer hat eine ordentliche Dämpfung, ist verhältnismäßig stabil und macht den Eindruck, dass er recht lange halten wird.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von ASICS hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

ASICS Metaracer

200 €
10

Passform

10.0/10

Design

10.0/10

Stabilität

10.0/10

Dynamik

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

10.0/10

Positiv

  • Schnell
  • Gewicht
  • Gute Dämpfung
  • Abrolleigenschaften
  • Grip bei Nässe

Negativ

  • Preis

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Close
Go top