Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch. Anfang September machte das Knie meiner Ambitionen auf eine neue Bestzeit auf der 10 km und der Halbmarathon Distanz einen Strich durch die Rechnung. Einer der schönsten Salomon Workshops in Thüringen fand auch ohne mich statt. „Okay, kein Problem. Ist sicher nur was Muskuläres. Fühlt sich zumindest so an. Ein wenig Quälerei auf der Blackroll und gib ihm Saures mit der Theragun – dann läuft das sicher wieder“, dachte ich. Aber es kam anders.

Wenn ich schon mal zum Arzt gehe, in dem Fall zum Orthopäden, dann will das was heißen. Ich weiß, in meinem Alter sollte man das eher regelmäßig tun. Andererseits ist man ja immer so alt, wie man sich fühlt. Bis zu dem Tag, als ich die Diagnose nach dem MRT bekam, war das auch immer so. Mittlerweile frage ich mich, ob Sanitätshäuser auch Influencer suchen und ob ich anstelle des Trail Magazins lieber die Apotheken Umschau lesen sollte.

Erstens kommt es anders,…

…zweitens als man denkt. Es war natürlich keine muskuläre Geschichte, sondern ein beschaulicher Knorpelschaden mit Grad III und stellenweise Grad IV. Das war sicher nicht das, was ich hören wollte. Und ehrlich gesagt hätte ich damit am allerwenigsten gerechnet – gleich nach einem Meniskusschaden.

Der Radiologe war sicher kein Läufer, sonst hätte er nicht so irritiert geguckt, als ich ihn gefragt habe, wie sich das mit der Lauferei nun weiterhin verhalten würde. „Äh, das würde ich jetzt nicht unbedingt mehr machen.“ Ja, nee Junge. Is klar. Dann frage ich halt mal jemanden, der von dem hier Ahnung hat.

Murmeltiertag

Habt ihr mal versucht, mit etwas anderem als einem Rezept für Einlagen beim Orthopäden aus der Tür zu gehen und sich nicht so zu fühlen wie Phil Connors am Murmeltiertag in Punxsutawney? Ich hab’s tatsächlich geschafft und sechsmal Physio ergattert. Aber auch nur, weil ich es gewagt habe, mich im richtigen Moment der zweiminütigen Behandlung mit „Ja, aber…“ der Standardroutine des Knieklempners in den Weg zu schmeißen.

Mittlerweile, es wird euch sicher nicht überraschen, renne ich wieder. Mein Physio sagt, ich darf das. Und ehrlich gesagt macht das auch Sinn, denn vom Rumsitzen wird so eine Arthrose eher nicht besser. Das Knie will bewegt werden, und es hat mir heimlich zugeflüstert, dass es diese tollen Trails, die ich in letzter Zeit hauptsächlich laufe, ganz okay findet. Nur übertreiben soll ich es nicht.

Und jetzt?

Tja, der Lack ist halt ab. Was soll’s. Vor einiger Zeit hatte ich schon mal verkündet, mit den Marathons auf der Straße aufzuhören, aber ganz dran gehalten habe ich mich nicht. Nun ist aber definitiv das Gegenteil von Ende Gelände angesagt. Asphalt ist tabu.

Wie es mit den Umfängen und den langen Distanzen aussieht, wird sicherlich auch davon abhängig sein, wie diszipliniert ich mit der Ernährung und dem Aufbau unterstützender Muskulatur bin. Im Prinzip ernähre ich mich schon ziemlich gesund – ich bezeichne mich immer als Teilzeitveganer. Der Kaffeekonsum könnte etwas zurückgeschraubt und die Alkoholabstinenz vom Frühjahr neu in Angriff genommen werden.

Um noch mal auf den oben angesprochenen Optimismus zurückzukommen: Ihr müsst keine Angst haben, dass ich demnächst Testberichte für Treppenlifte und Rollatoren poste. Versprochen.

15 Kommentare

  1. Comment by Nik

    Nik Antworten 22. November 2020

    Hey, ich hatte auch einen schlimmeren Knorpelschaden – falls du weiter laufen gehst, schau dass deine Laufschuhe gut gedämpft sind!
    Mein Physio und Dr hat mir auch immer geraten die Muskeln im die Kniescheibe gut aufzubauen. Radfahren und Schwimmen sind super für Bewegung ohne dass viel Last auf dem Knie ist.

    Alles Gute!

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. November 2020

      Danke dir, Nik.

      Das mit dem Aufbau der Muskulatur rund um das Knie hat mir der Physio auch verordnet. Ich hab da so ein paar Übungen, beispielsweise mit der Kettleball, die nun angesagt sind.
      Was die Laufschuhe anbelangt, so bin ich bei den Trailschuhen schon recht gut gedämpft unterwegs. Auf dem Waldboden ist die Dämpfung ja auch nicht so wichtig, wie auf der Straße, wo ich eh nicht mehr oder kaum noch laufen werde.

  2. Comment by Eddy

    Eddy Antworten 22. November 2020

    Nik hat ja schon wichtiges gesagt. Ich schließe mich mal mit meinem Knie an, um Dir noch weiter Mut zu machen: mein Knorpelschaden wurde vor 4 Jahren operiert und ich laufe seitdem auch wieder länger, als nur Halbmarathon-Distanzen. Schmerzfrei. Alles gute für Dich!

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. November 2020

      Vielen Dank, Eddy.
      Was genau wurde denn da operiert? Wurde der Knorpel geglättet? Oder wurde da was aufgebaut?

  3. Comment by Alex

    Alex Antworten 22. November 2020

    Alles gute Martin!
    Im Alter werden die Wehwehchen halt mehr. Ein kaputtes Knie ändert da erstmal nicht viel dran. Denke du machst vieles richtig: kein Asphalt und auch die Distanzen runter. Damit sollte sich noch das ein oder andere Jahr weiterlaufen lassen. Ohne Ersatz oder OP.
    Im meinen Intensiven Jahren hat mein Trainer immer gesagt: Der Schmerz den Du fühlst gehört nicht Dir. Schick ihn einfach weg und freue Dich auf das was danach kommt!

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. November 2020

      …wobei die intensiven Jahre ja wohl in der Zeit deiner blühenden Jugend waren. Da meinte der gute Trainer sicher eher den Belastungsschmerz und nicht den etwaiger Gebrechen. ;)
      Wie dem auch sei: Wird schon werden, ich bin optimistisch. Vielen Dank auch dir.

  4. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 22. November 2020

    Hi Martin, bei mir klappert’s auch schon überall, aber bei so einer Diagnose müsste ich mich auch erstmal setzen. Aber Du läufst und bei den anderen hier hört sich das ja auch so an, als könne man das alles überleben. Jetzt ist sicher Geduld gefragt. Ich wünsche Dir dafür alles Gute.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. November 2020

      Nenene, nicht setzen! Das ist nicht gut für das Knie! :hehehe:

      Soso, bei dir klappert es auch. Interessant. Na, ich leite dir dann die Kontakte der Ansprechpartner für die Treppenlifte und Rollatoren weiter.

      Danke dir!

  5. Comment by ultraistgut

    ultraistgut Antworten 23. November 2020

    Hi, Martin, erst einmal ein Schock, logisch, wir würden alle so reagieren !! Vor 6 Jahren war ich mit dem Meniskus dran, ausgerechnet ich, die ich niemals mit so etwas gerechnet hatte, aber mit Geduld und Spucke konnte, durfte ich wieder.

    Lass dich nicht beirren von dem, was Ärzte sagen, wenn sie dir vorschlagen, das Laufen zu lassen, dich nach einer Alternative umzusehen. Wie du selbst schreibst, das Schlimmste, was du tun kannst, ist Stillstand – bloß nicht ! Weitermachen ! Dein Körper sagt dir IMMER, wo es langgeht, die Erfahrung mache ich seit nunmehr fast 42 laufenden Jahren, höre auf ihn, tue ihm Gutes, in dem du dich bewegst – und wenn er sich meldet, höre auf ihn – es lohnt sich !

    Noch ein Wort zu den stark gedämpften Schuhen – ein Ratschlag, den ich persönlich auch nicht gut finde, ich laufe seit 2011 auf sogenannten Barfußschuhen – langsam daran gewöhnt – und profitiere nur davon, aus meiner Sicht viel besser für den ganzen Apparat, als stark gedämpftes Material.

    Think pink, lauf ja weiter und höre auf deinen Körper – es lohnt sich !

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. November 2020

      Hi Margitta, lieben Dank für deinen Mut machenden Kommentar. :)
      Mit der Schuhwahl experimentiere ich ja immer ganz gern. Bisher war es so, dass ich mit minimalen Schuhen auf der Straße auf Dauer nicht besonders gut klar gekommen bin. Liegt klar an meinem Laufstil. Im Gelände habe ich da noch wenig Erfahrung – Salomon Junkie, you know. Ich denke mal, ich werde da sicher aber mal testen, welche Auswirkungen ein Wechsel auf das Knie hat.

  6. PINGBACK › Salomon Wildcross - runomatic

  7. Comment by Oliver

    Oliver Antworten 24. November 2020

    Hi Martin,
    so ist das mit dem Älter werden, jeden Tag etwas weiser (hoffentlich), aber die Zipperlein mehren sich ebenfalls :-) Da muss man dann halt mit umgehen, ein für mich persönlich spannender Lernprozess. Mir wurde 2013 geraten mit dem intensiven Laufen aufzuhören, Knieschmerzen, Hüfte, Fußgelenke, Arthrose im Großzeh … Ich hab statt dessen nochmal komplett von vorne angefangen und völlig neu gelernt „richtig“ zu laufen, umstellen auf minimal, barfuß, Fivefingers usw. und bin jetzt (bis auf kleine Aussetzer) schmerzfrei und viel intensiver als früher unterwegs.
    Dass das nicht zu jedem passt, ist mir klar, zumal der Prozess seine Zeit braucht, das möchte/kann nicht jeder investieren. Mein handfester Orthopäde hatte dazu dann auch den passenden Kommentar: „wie auch immer, wenn Sie schmerzfrei laufen, einfach weitermachen“.
    Ich wünsche dir den richtigen Weg zu finden wieder schmerzfrei zu werden und seh es ansonsten so wie Margitta, dem eigenen Körper zuhören und immer weiterlaufen. Wir sind Bewegungstiere :-)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 24. November 2020

      Hi Oliver. Vielen Dank für deinen interessanten Kommentar.
      Bisher waren meine Zipperlein immer so, dass ich die nötigen Maßnahmen mit „wäre besser, wenn…“ eingeordnet habe. Der Knorpelschaden ist schon eine andere Dimension. Die Tendenz geht sicher erst mal dahin, möglichst schmerzfrei laufen zu können. Das geht derzeit ganz gut, allerdings habe bei jedem Zwicken immer die Angst, dass das was mit dem Schaden zu tun hat.
      War die Umstellung auf Natural Running anbelangt: Da war ich schon mal dran. Lunas funktionierten ganz gut, FF eher weniger. Ich hole erstmal die inov-8 hervor, die haben 0 mm Sprengung, wenig Dämpfung und eine große Zehenbox. Das geht ja schon mal in die Richtung.

  8. Comment by Andreas

    Andreas Antworten 24. November 2020

    Hallo Martin,
    puh, das hört sich ja erstmal gar nicht gut an. Aber ebenso wie die anderen bin ich auch der Meinung: Wenn man schmerzfrei (wenig? langsam?) laufen kann, dann sollte man das auch tun. Die Geschichte mit den Murmeltier-Orthopäden kam mir übrigens sehr bekannt vor ;-)

    Gute Besserung und schöne Grüße aus Berlin
    Andreas

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 24. November 2020

      Danke Andreas. Mit „wenig“ und „langsam“ muss ich mich erst noch anfreunden. Beim nächsten LBC dann in der Gruppe mit der kurzen Runde… ;)

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