Kleiner Funfact, bevor es losgeht: Der erste Schuh, den ich hier im Blog vorgestellt habe, war einer von Mizuno. Noch dazu ein Trailschuh. Der Wave Mujin in seiner ersten Auflage. Ich verrate mal vorweg, dass der mit dem Modell hier nur noch wenig gemeinsam hat – bis auf das Logo.

Damals (genau genommen ist das schon mehr als zehn Jahre her) hat man sich unter einem Superschuh noch einen Schuh vorgestellt, den man als super erachtet. Nicht mehr, nicht weniger und durchaus Interpretationssache. Mittlerweile gilt: Möglichst viel reaktiver Schaum, hoher Aufbau, eine Rockergeometrie und als i-Tüpfelchen vielleicht noch eine Platte – fertig ist der Superschuh, wie man ihn heute kennt.

Superschuhe für den Asphalt gibt es zuhauf. Mizuno hat mit dem Neo Accera nun seinen ersten Superschuh für den Trail vorgestellt. Der französische Ultra-Läufer Matis Leray hat mit dem Schuh im letzten Jahr beim UTMB TDS (153 km / 9000 M+) den 4. Platz erreicht – demnach sollte er was taugen. Ob das auch so ist, schauen wir uns jetzt an.

First Look

MIZUNO Neo Accera

Ich kann nicht abstreiten, dass mich das Design des Mizuno Neo Accera durchaus animiert hat, den Schuh als Testmuster anzufordern. Im ersten Moment hatte ich vermutet, dass nur die Vorserie mit diesem außergewöhnlichen Look ausgeliefert wird – Erlkönig uns so – aber weit gefehlt. Da geht man bei Mizuno sprichwörtlich mutig ins Rennen. Ich find’s gut.

MIZUNO Neo Accera

Der Mizuno Neo Accera kommt mit einer Stickstoff angereicherten ENERZY NXT Zwischensohle daher, die für eine optimale Dämpfung und eine Energierückgabe sorgen soll. Zwar hat der Schuh keine Carbon- oder Glasfaserplatte, sondern lediglich eine Rock Plate im Vorderfußbereich verbaut, doch mein ursprünglicher Eindruck, dass etwas in der Richtung verbaut sein muss, resultiert vermutlich aus dem Zusammenspiel von Enerzy NXT, der Rock Plate und dem Smooth Speed Assist – eine geometrisch gestaltete Mittelsohle, die von der Ferse bis zu den Zehen unterstützend wirkt.

Mittlerweile Superschuh-typisch ist die Sohlenhöhe von 41 mm an der Ferse und 32,5 mm unter dem Vorfuß. Macht demnach eine Sprengung von 8,5 mm. Das könnte heikel werden auf technischeren Trails. Das Gewicht von 310 Gramm bei meiner Größe EUR 44 ist auch recht grenzwertig.

MIZUNO Neo Accera

Ein wenig zwiegespalten bin ich bei der Vibram Megagrip-Außensohle. Das gelbe Logo ist grundsätzlich ein Garant für guten Grip, doch bei der Breite der Stollen vermute ich, dass der Fokus eher woanders liegt. Warum die äußeren Stollen im Fersenbereich höher sind als die auf der Innenseite, habe ich bisher auch noch nicht in Erfahrung bringen können.

MIZUNO Neo Accera

Dem Mizuno Neo Accera wurde ein atmungsaktiven Mesh-Obermaterial mit stabilisierenden Overlays im Zehen- und Mittelfußbereich spendiert. Er besitzt zudem eine Race-Schnürung und eine vorgeformte Fersenkappe für einen sicheren Sitz am Fuß. Der Neo Accera ist übrigens ein Unisex-Schuh, also Obacht mit der Passform.

MIZUNO Neo Accera

Der Mizuno Neo Accera im Praxistest

Apropos Passform: Es gibt Schuhe, die passen mir auf Anhieb perfekt. Der Neo Accera gehört leider nicht dazu. Sein Leisten ist relativ schmal, das Obermaterial hingegen sehr weit. Die Schnürung muss ich somit maximal anziehen, und selbst dann könnte der Schuh noch etwas mehr Halt bieten. Zumal läuft er vorn an den großen Zehen recht spitz zusammen. Das könnte auf die Dauer ein Problem werden, fürchte ich. Ob ich unter den Bedingungen einen Ultra mit dem Schuh laufen würde? Eher nein.

MIZUNO Neo Accera

Eben jener fehlende Halt führt dazu, dass ich auf wurzligen Trails zwar nicht umknicke, aber dennoch merke, dass der Neo Accera die Fußgelenke mehr fordert als andere, flachere Trailschuhe. Von den verstärkenden Overlays im Mittelfußbereich merke ich ebenfalls wenig. In Summe fühlt sich der Schuh eher wie ein Straßenlaufschuh mit Trailsohle an.

MIZUNO Neo Accera

Apropos Sohle. Meine Befürchtungen habe ich oben schon angedeutet: Die breiten Lugs führen leider dazu, dass der Grip auf matschigen Passagen eher schlecht ist. Dafür rollt der Neo Accera auf Forststraßen wirklich gigantisch. Die Enerzy NXT-Dämpfung macht einen tollen Job und auch hier erinnert Schuh erneut eher an ein Straßenmodell.

MIZUNO Neo Accera

Mein Fazit zum Mizuno Neo Accera

Der Mizuno Neo Accera ist trotz aller Kritikpunkte ein durchaus spannender Schuh. Die Enerzy NXT-Dämpfung ist dabei sicher das herausragende Highlight. Sie sorgt besonders auf laufbaren Passagen für enorm viel Spaß. Auf unebenen Untergründen ermüdet mein Fuß hingegen schnell. Dort ist mir der Schuh zu hoch und der Halt des Obermaterials zu gering. Auch vom Grip hätte ich mir mehr versprochen.

MIZUNO Neo Accera

 

Für die Transparenz

Der Mizuno Neo Accera wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close
Go top