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STRAVA ist nicht nur unter Sportlern beliebt. Aktuell ist der Dienst auch Thema in der Presse, denn einige Twitter-User entdeckten auf der Heatmap mutmaßliche Militärbasen. Im Kern geht es hier um die Routen, die Sportler beim Laufen zurücklegen. Deren GPS-Daten lassen selbstverständlich Rückschlüsse auf Standorte zu. In der Debatte um Datenschutz und Tracking fordern nun einige Journalisten ein „Umdenken” bei den Usern.

Zunächst wäre zu klären, was die STRAVA Heatmap ist, von der hier die Rede ist. Jede sportliche Aktivität wird durch eine Fitness-App mit den Daten der Strecke (GPS), Herzfrequenz, Geschwindigkeit (Pace) und anderen Merkmalen aufgezeichnet. Dieser Eintrag wird dann online im Profil des Nutzers veröffentlicht.

STRAVA ist bei Sportlern das soziale Netzwerk Nummer 1 bei eben derartigen Posts. Hier werden nicht nur sportliche Leistungen mit anderen geteilt, sondern in erster Linie auch durch den Sportler im Training selbst analysiert. Die Strecken, die dieser dabei zurücklegt hat, sind stets auf einer Karte sichtbar. Desto mehr Sportler die gleiche Route laufen, desto eher kann man daraus ableiten, dass diese Strecke bliebt ist – weil sie möglicherweise beleuchtet, belebt, sicher oder einfach nur schön ist.

Dieses Aufkommen wird von STRAVA auf der Heatmap visualisiert. Dicke (warme) Linien entlang einer Strecke stehen für belebte Routen, schwache (kalte) für wenig genutzte Wege. Die „heißesten Stecken” gibt es visuell gesehen also in Parks, um Seen oder entlang bekannter Wettkämpfe, wie bei Marathons in den Städten. Es gibt sie aber auch in der Wüste in und in oder um einer Militärbasis. Eben immer dort, wo viele Menschen immer die selben Strecken frequentieren. STRAVA stellt seit Jahren jene anonymisierte Heatmap der User zusammen, damit diese neue, beliebte Routen entdecken und ihr Training darauf ausrichten können. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man auf ihr sehen kann, wo Sportler generell gerne lang laufen.

Das Gefährliche an den Daten

Die Heatmap an sich zeigt anonymisierte Daten, die auf den ersten Blick keine Rückschlüsse auf eine individuelle Person zulassen. Was man aber als registrierter User durchaus rausfinden könnte, ist, wer einen bestimmten Streckenabschnitt zurückgelegt hat. Bei STRAVA heißen diese Teilabschnitte Segmente und kommen stets mit einer Bestenliste daher. Hat ein User beispielsweise ein Segment am Fluss von Brücke A bis Brücke B angelegt und andere Sportler laufen dieses Segment, werden auch ihre Zeiten nebst Datum dort aufgeführt. Für Sportler heißt das, dass sie ihre Leistung optimieren, schneller laufen und sich schließlich in der Bestenliste des Segments nach oben kämpfen können. Dazu wird ihnen auf Wunsch auch ein Alarm auf die Uhr oder auf das Smartphone geschickt, wenn man sich einem Segment nähert. Am Ende gibt es dann entweder einen neuen Pokal oder auch ein langes Gesicht.

Doch wo es Vorteile gibt, gibt es eben auch Nachteile, denn selbstverständlich gibt es sensible Bereiche einer Strecke, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Sollten beliebte Strecken an Militärbasen Segmente enthalten, kann man sehen, wer da überhaupt läuft. Wenn dieser Sportler dann an einem anderen Ort immer dieselben Routen läuft, könnte man Informationen über seinen Wohnort erhalten. Durch dieses Social-Engineering genannte Verfahren, könnte man sich Zugriff auf das Militärpersonal verschaffen. Eben dieser Aspekt wird generell kritisiert und erfordert den sensiblen Umgang mit eigenen Daten.

Dazu bietet STRAVA zwei Datenschutzoptionen an. Zum einen kann jede Aktivität als privat gekennzeichnet werden. Diese Aktivität landet dann nicht in den Statistiken, auf der Heatmap oder in den Bestenlisten. Das gleiche gilt für die private Zone – beispielsweise der Wohnort. Ist sie eingerichtet, werden im Umkreis von 200 bis 1000 Metern Start und Ziel einer Aktivität aufgezeichnet, aber niemanden angezeigt. Weder Freunden, noch beim teilen mit Facebook. Wer also seinen Standort schützen möchte, aber dennoch alle Daten benötigt, damit diese auf der Plattform in Rennen, Bestenlisten, PRs oder Statistiken auftauchen, sollte seinen Lauf oder seine Fahrradtour außerhalb dieser privaten Zone starten und enden lassen.

Warum die Strecke so wichtig ist

Mit Sicht von außen, könnte man sich die Frage stellen, warum Sportler überhaupt ihre Strecke mit GPS aufzeichnen. Wer genau hier also nun ein Umdenken fordert, sollte sich selbst einmal die Laufschuhe anziehen, um zu verstehen, worum es wirklich geht. Das Navigationsgerät ermittelt stets die kürzeste Route von Punkt A zu Punkt B, auf einer Karte hingegen ist ein Maßstab nur ein sehr ungenauer Werkzeug der Entfernung. Wenn ich also nun eine Strecke von beispielsweise 15 Kilometern plane, brauche ich dazu verlässliche Werte. Da niemand Strecken messen kann oder möchte, kann ich einfach drauf loslaufen, lasse die Strecke per GPS jede Gerade und Kurve tracken und weißt dann, wann ich den Rückweg nehmen muss. Oder ich starte den Routeneditor auf STRAVA, bei dem ich – dank der Heatmap – interessante Routen anderer ansehen, nachzeichnen und dann ablaufen kann.

Aber auch die anderen Daten, die man aufzeichnet, müssen in Relevanz zur tatsächlich zurückgelegten Strecken stehen: Die Bewegungszeit, die Höhe, die Pace, die Herzfrequenz, Schrittlänge, Balance der Bodenkontaktzeit und noch vieles mehr. Die zurückgelegte Strecke per GPS ist somit nur ein, aber DAS zentrale Merkmal einer Aktivität in der Natur. Sie erscheint auf dem Smartphone, dem Fitnesstracker oder der Sportuhr schon während der Aktivität. Nutzt man die App, gibt es jeden Kilometer auf Wunsch auch ein akkustisches Signal über die zurückgelegte Strecke und die Pace. Beim anschließenden Post im sozialen Netzwerk STRAVA erscheint die Strecke plakativ und zentral für jeden sichtbar als Karte. Das ist also kein verstecktes Feature eines datenhungrigen Konzerns, sondern Hauptbestandteil einen jeden Aktivität – die Basis, auf der alle Daten der sportlichen Leistung beruhen.

Soldaten sollten umdenken

Dass militärische Basen nicht auf Landkarten auftauchen sollten, ist vielen klar. Und dass nun ein Sportlernetzwerk eben Rückschlüsse auf die Lage zulassen könnte, ist unglücklich. Es ist deshalb auch brisant, weil die Sicherheit der Soldaten auf dem Spiel stehen könnte. Aber auch, weil die Datensicherheit als Feigenblatt herhalten muss, Sportler sich plötzlich mit Fragen auseinandersetzen müssen, warum sie ihre Strecke aufzeichnen. Wer seine Privatsphäre schützen möchte, kann bei STRAVA in den Profileinstellungen Vorsorge treffen. Sie müssen erst einmal selbst aktiviert werden, weil sie nicht voreingestellt sind. Doch gibt STRAVA hier und dort immer wieder Tipps – und das schon weit vor Bekanntwerden, dass die Heatmap Aufschluss auf Militärstandorte geben könnte. Wer unbedingt seinen Wohnort schützen möchte, sollte das tun und sein Training außerhalb starten, also immer zwei Kilometer zur Aktivität draufrechnen für den Hin- und Rückweg. Für Anfänger ist das schon schwer machbar. Soldaten sollten ihre Aktivitäten im Dienst auf privat stellen oder ebenfalls die private Zone einrichten.

Ich für meinen Teil veröffentliche bewusst all meine Daten. Und zwar nicht nur die Herzfrequenz, sondern eben auch alle Routen, die ich laufe. Ich möchte Menschen auch außerhalb des STRAVA-Kosmos motivieren, in der Natur laufen zu gehen. Sie alle sollen meinen Ehrgeiz, meine Ziele, meine Rennen, meine Siege und Niederlagen, aber auch mein Training und meine Verbesserungen nachvollziehen können. Und auch allen anderen rate ich, ihre Einstellungen bei STRAVA so zu lassen, wie sie ist. Wer sich einmal auf das soziale Netzwerk einlässt, erhält relativ schnell Kudos (Likes), Motiviationskommentare und gar wichtige Hinweise auf Trainingsmöglichkeiten, wenn man danach fragt. Unter den STRAVA-Usern befinden sich nämlich auch viele Lauftrainer und Spitzenathleten, die nicht ihrem Ego nachkommen, sondern ebenfalls andere motivieren möchten.

Wann immer ich auf Reisen bin und in Gegenden laufe, die ich nicht kenne, erstelle ich mir zu Hause auf STRAVA – wie schon oft in meinem Facebook-Profil berichtet – eine Route. Diese kann ich mit meiner Garmin-Uhr aufrufen und mich navigieren lassen. Weil ich mich in den Städten nicht auskenne oder auch zu Hause mal unbekannte Gegenden erkunden möchte, suche ich mir eine bestimmte Distanz an einer belebten Route aus. So muss ich keine Stadtpläne sichten oder überlegen, ob man dort überhaupt laufen kann oder darf. Das half mir zuletzt in München im englischen Garten, in Berlin, in Brighton (England), in London und in der Schweiz. Und es half mir auch, mich in Ungarn am Plattensee zu orientieren. Gerade dieser Lauf zählt zu meinen bisher allerbesten Trainingsläufen, denn ich durfte wundervolle Panoramen erleben, die ich ohne die Heatmap wohl nie erkundet hätte. Anders gesagt: Ohne diesen ganzen Schnickschnack hätte ich mich nicht selbständig in eine solch glückliche Lage versetzen können. In diesem Sinne: Laufschuhe an, STRAVA anschalten und loslaufen! Ich freue mich auf euch!

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Gastbeitrag von

David ist freiberuflicher Front-end-Architekt und Dozent. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Läufer, engagiert sich in Laufgruppen und Vereinen und setzt sich gern mit den eigenen Daten auseinander.

3 Kommentare

  1. Comment by Thomas Mielke

    Thomas Mielke Antworten 31. Januar 2018

    Das mit der privaten Zone stimmt aber nicht so ganz. Wenn diese aktiviert ist, werden sehr wohl auch dort gelaufene Strecken aufgezeichnet. Lediglich für andere ist in dieser Zone die Strecke nicht einsehbar. Aber auch nur dann, wenn es sich dabei und Start oder Ziel handelt. Wenn ich zwischendurch mitten durch diese Zone laufe, ist das auch öffentlich (oder abhängig von meinen Einstellungen für meine Abonnenten) einsehbar.
    Gruß
    Thomas

    • Comment by David Maciejewski

      David Maciejewski Antworten 1. Februar 2018

      Du hast Recht Thomas. Die private Zone verbirgt Start und Ziel einer Aktivität, nicht jedoch beim durchmarschieren. Erscheint mir logisch. Ich habe das im Artikel ergänzt.

  2. PINGBACK › Lesenswerte Links – Kalenderwoche 5 in 2018 - Ein Ostwestfale im Rheinland

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