Bei der letztjährigen dritten Auflage des Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathons musste ich leider passen. Kurz davor hatte mich doch ernsthaft noch einmal der Corona-Virus ereilt. Doch für dieses Jahr hatte ich keine Ausrede parat. So stellte sich der Saisonauftakt in Form eines Trailmarathons mit knapp 1.300 Höhenmetern als durchaus herausfordernd dar.

Meine Form vor dem Lauf? Nun. So wie sie halt sein kann, wenn man die ganze dunkle Jahreszeit eher faul war und gerade mal zwischen 30 und 40 Wochenkilometer zustande gebracht hat. Vor dem heutigen Tag hatte ich demnach durchaus Respekt, wenn nicht gar sogar Angst. Und dass die Streckenverhältnisse ähnlich schlecht sind wie mein derzeitiger Zustand, macht die Sache nicht einfacher. Verspannungen im Rücken, Schmerzen in der Schulter und ein langwieriges, nicht genau definiertes Leiden im linken Knie. Was man halt so hat, in meiner Altersgruppe. Das Drama hat in diesem Blog Tradition, so sagt man. Nun denn, Vorhang auf – erlebt es hautnah in drei Akten.

Prolog: Gut gepreppt am Start

Am Tag vor dem 4. Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathon erreichen mich die letzten Infos: „Dort oben im Werrabergland ist es 2-3° kälter und es gibt sicherlich Schnee- und Eisreste. Richtet euch darauf ein. Schuhe mit Profil, Yaktrax.“, schreibt uns Uwe. Außerdem sollen wir noch Lampen, Gamaschen, Sonnenbrillen und Powerbänke einpacken. Ähm? Habe ich mich aus Versehen für eine Durchschlageübung angemeldet oder bin ich in einer Prepper-Gruppe gelandet? Nun, das wird ja heiter!

Auf der Fahrt nach Witzenhausen wird klar, dass das mit „Schneeresten“ wohl etwas untertrieben war. Gut, dass ich meine Salomons mit der Gamasche anhabe. Aber immerhin beruhigt es mich, dass all die Verrückten am Start doch mit ihrem gewöhnlichen Equipment für das heutige Abenteuer bereitstehen. Ein paar Freaks (u.a. Ferenc und Ron) sind sogar mit kurzen Hosen dabei. Das wäre mir aber doch zu frostig heute.

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Erster Akt: Die übliche Rudelbildung

Mit Marcel habe ich zusammen schon etliche Trainingskilometer geschrubbt. Ein angenehmer Zeitgenosse. Allerdings rennt er mir in Wettkämpfen regelmäßig und irgendwann davon. Entweder gehe ich ihm auf den Sack, oder es liegt doch daran, dass er offensichtlich mehr trainiert. Egal, die ersten Kilometer muss er dran glauben.

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So rennen wir gemeinsam los und treffen auf Ludmilla und Christian f.k.a. „Die Kochis“. Ein kurzer Plausch muss reichen, denn sie haben es eilig. Hinterher erfahre ich: Die beiden wollen anschließend noch in den Baumarkt. Was man halt so macht – nach einem Marathon.

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Was nun folgt, ist das erste Highlight des Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathons. Der trägt seinen Namen nicht ohne Grund, denn die unterarmlange Wortaneinanderreihung beginnt mit der Begrifflichkeit, die eine 150 Meter lange Röhre beschreibt, die wir zum Auftakt des heutigen Spektakels in einer wenig rückenfreundlichen Art und Weise durchqueren müssen. Mit einer Körpergröße von unter 1,60 m hat man damit keinerlei Probleme. Ich hingegen bin froh, dass ich am Ende des Tunnels wieder mit einem halbwegs aufrechten Gang das Tageslicht erblicke.

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Keine Angst. Den Gag mit den kleinen, garstigen Hobbitsen, die den Hang hinaufklettern, bringe ich heute nicht. Der war schon bei der ersten und zweiten Auflage am Start. Zum Spaß haben, zum Aufwärmen und zum Hochtreiben des Pulses taugt die Stelle der Strecke auf jeden Fall.

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Jetzt ist es an der Zeit, sich mal mit der weiteren Renntaktik zu befassen. Nach Pi mal Daumen fünf Stunden möchte Marcel im Ziel sein. Hätte er vor zwei Jahren auch ungefähr gebraucht, behauptet er glaubhaft. Okay, mag sein. „Aber das mit dem Schnee hier könnte dich in der Tat ein oder zwei Minütchen kosten, meinste nicht?“ frage ich Marcel und gehe gedanklich schon mal durch, an welcher Stelle des Laufs wir uns trennen werden.

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Hinter uns laufen Berki, Öhmchen und Dominik auf. Jetzt wirds ja doch noch was mit der Rudelbildung. Das verspricht Spaß und ablenkende Gespräche. Genau das liebe ich an dem Mist hier. :hehehe:

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Apropos Mist. Von der Slapstick-Einlage, die sich stets in der Einführungsrunde der Veranstaltung am stillgelegten Bahndamm in einer nahezu gleichen Art und Weise präsentiert, habe ich leider nur dieses eine Bild. Denkt euch einfach euren Teil: Sportliche Menschen, die sich maximal ungelenk an Ästen und Bäumen festklammern, um nicht auf dem Popo den Hang runterrutschen zu müssen.

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Die Fußgängerbrücke über die Werra überqueren wir heute zweimal. Dazwischen liegt der Löwenanteil des Laufs. Noch tut nichts weh, und die Stimmung ist gut. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass das so bleibt. Marcel scheinbar auch. Oder habe ich da Interpretationsschwierigkeiten?

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Auf dem Pendelweg zurück zum Startpunkt klatschen wir die ganzen Heißkisten ab, die in ihren kurzen Hosen später schon Stunden eher ins Ziel rennen werden. Bevor wir auf der Hacke kehrt machen, um in das richtige Abenteuer zu starten, treffen wir auch auf die Kochis. Los, Beeilung ihr zwei. Das Laminat wartet!

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Zweiter Akt: Die große Kolonnenweg–Teufelskanzel-Tortour

Weiter oben habe ich euch schon meinen derzeitigen Leiden erzählt. Da wäre zum Beispiel der Schmerz in der Schulter. So was kommt ja immer mal vor. Typisches Leiden von Bildschirmfuzzis. Kennt ihr. Bei mir ist es gerade rechts ganz dolle am Aua machen. Ihr könnt gerne eine Portion Mitleid hier lassen. Mimimi.

Na ja, jedenfalls kramen wir alle am Sulzberg unsere Stöcke aus dem Köcher. Doch deren erster Einsatz am heutigen Tage macht sich bei mir eher unangenehm bemerkbar. Das Stechen im Schultergelenk. Ob sich das noch legt? Bewegung tut in der Regel ja ganz gut.

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Hilft ja nichts. Ohne die Sticks wäre ich heute sicherlich aufgeschmissen, denn schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass sie auch abseits der Steigungen hilfreich sind, denn so wie wir da gerade auf den Trails rumrutschen, sind sie zum Ausgleichen wirklich unverzichtbar.

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Mal abgesehen davon, dass das mit dem Schnee ganz pittoresk aussieht – einen weiteren Vorteil hat er noch: Das mit dem Track auf der Uhr hätte man sich auch sparen können, denn wir müssen einfach nur den Spuren der vorderen Läufer folgen.

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Apropos vordere Läufer: Nachdem wir als Rudel bis zum Kilometer 14 gemeinsam durch den Schnee geschlittert sind, darf ich nach einer kurzen Pinkelpause noch ein paar mehr Spuren folgen. Die Jungs haben nicht auf mich gewartet. Aber ich nehme es ihnen nicht übel. Ist auch besser so, denn über kurz oder lang wäre das eh nicht gut gegangen. Wer hat schon Bock auf betreutes Laufen?

Auf dem Trail in Richtung Burg Ludwigstein kommt jeder Beckenschiefstand wieder ins Lot. Sofern er denn auf der richtigen Seite ist. Ihr seht: Therapeutisch bekommt man heute einiges geboten. Erst die Übungen für die Schulter, und jetzt wird das linke Knie kuriert. Allein der Glaube machts.

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Auf dem Trail hinter der Burg hinab zum ersten VP war es das erst mal in Sachen Therapie. Auf den rutschigen Serpentinen setze ich mich in der letzten Kurve noch auf den Allerwertesten. Etwas hölzern nehme ich Kurs auf Gernos Garage zur dortigen Kalorienaufnahme. Ist das nun Wut im Bauch oder eher Hunger?

Auf mein nicht ganz ernst gemeintes „Ich hab keinen Bock mehr. Ich höre jetzt auf.“ schalmeit mir aus mehreren Kehlen ein „Nein. Machst du nicht!“ entgegen. Ja, schon gut. Ich hab schließlich für die volle Strecke bezahlt. Und außerdem müsste ich ohnehin von hier auch wieder zurück zum Start kommen – da kann ich auch gleich den kleinen Umweg über die Teufelskanzel nehmen.

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Tatsächlich habe ich nach dem VP ernsthafte Anlaufschwierigkeiten. Rund ums Becken ist es arg holzig. Ob der kurze Bodenkontakt oder das mangelnde Training ursächlich waren? Ich weiß es nicht. So schleppe ich mich entlang der Werra in Richtung Kolonnenweg, mit der Zuversicht, dass jedes Tief auch irgendwann mal wieder vorbei ist. Für meine ungelenken Dehnübungen am Rande der Strecke bekomme ich von Simone aufmunternde Worte. Ich versuche mich an sie dran zu heften – nur für den Fall, dass da weiterer Bedarf an Aufmunterung besteht.

Kopf aus. Füße an. Nur nicht nach oben schauen. Das war schon immer das Motto, wenn man am Kolonnenweg angelangt ist. Heute umso mehr. Mit den neu erworbenen EXOspikes unter den Schuhen mache ich auf den Weg. Die Trailstöcke sind auf der Steigung von bis zu 25 % prinzipiell eine tolle Sache, wenn da nicht die Löcher in den Betonplatten wären, die man wegen des Schnees nicht sieht. Man stochert in Dunkeln – könnte man fast sagen.

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Oben – nach einer gefühlten Ewigkeit angelangt – ist es mit der Aussicht auch nicht so geil. Immerhin hat der Spaß mal wieder eine therapeutische Wirkung: Die hintere Muskelkette ist nun maximal gedehnt. Wenn das so weitergeht, komme ich heute mit einem generalüberholten Körper nach Hause. Falls jemand den Streifen „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ neu verfilmen möchte – bitte sehr, hier ist das Drehbuch.

Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathon

Der wohl mystischste Teil der Strecke ist sicherlich der Weg zur Junkerkuppe und anschließend der zur Teufelskanzel. Normalerweise mag ich Gesellschaft beim Lauf, aber hier wäre ich gerne allein für mich gewesen. Nichts gegen die Wandergruppe, die ich dort getroffen habe oder gegen die beiden Mitläufer. Nehmt es nicht persönlich.

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Die Strecke hier oben ist schon wieder rutschig, buckelig und somit erneut schwer laufbar. Die Stöcke sind Gold wert und glücklicherweise macht die Schulter keinerlei Probleme mehr. Habe ich schon erwähnt, dass der Lauf therapeutische Effekte zu haben scheint?

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An der Teufelskanzel stoße ich auf eine Gruppe von Läufern aus dem Eichsfeld. Genau hier an der Stelle, wo ich vor zwei Jahren Anna & Co. getroffen habe. Das scheint hier demnach wohl ein Hotspot für Eichsfelder zu sein. „Na, du hast ja doch nicht aufgehört.“ Nee, habe ich nicht. Das wäre ja auch blöd, denn das würde den folgenden dritten Akt versauen.

Dritter Akt: Finale Grande

Noch zeigt die Uhr 17 Kilometer bis ins Ziel an. Aber spätestens hier habe ich keinen Zweifel daran, dass ich das Ding heute erfolgreich finishen werde. Es sei denn, ich lege mich irgendwo übelst aufs Mett. Und die Gefahr besteht durchaus. Das Fluchen über die bescheiden laufbare Strecke hier oben hat irgendwie was für sich – so doof sich das auch anhört. Aber genau das lenkt irgendwie auch von den üblichen Wehwehchen ab, die man sonst so während eines Marathons hat.

Die nassen Füße sind mir mittlerweile völlig egal. Auch an die zickenden Sehnen an den Knöcheln habe ich mich gewöhnt. Es hat ja alles seinen Grund. Und die Vorfreude, dass ich bei Gerno und seinem Cousin Jens noch mal ein paar Kalorien nachladen kann, lassen mich auf der Bergabstrecke Richtung Werleshausen ein (Schnee-)Schippchen mehr drauflegen.

Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathon

Beim VP herrscht gerade volles Haus. Gerne würde ich noch eine Weile bleiben, aber so gerne ich Gerno und Jens auch habe – irgendwann will ich auch mal zurück ins Ziel. Nicht mal mehr zehn Kilometer bis dahin und nur noch ein Berg. Der mit der schönen Aussicht auf Burg Ludwigsburg. Weil wir alle eben ordentlich beim VP unsere nicht vorhanden Teller abgegessen haben, gibt’s hier noch Bilderbuchwetter für das perfekte Selfie on top – buchstäblich. Das mit der perfekten Platzierung der Kamera üben wir noch.

Tunnelweg-Teufelskanzel-Trailmarathon

Auch hier oben hat Frau Holle ordentlich Betten ausgeschüttelt. Für das Auge ist es ein Spektakel, für die Füße eher ein Debakel. Immerhin, die Uhr zählt gnadenlos die Restkilometer herunter.

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Nun geht es wirklich nur noch bergab. Die Schneehöhe unter den Füßen wird immer geringer, bis der Weg beinahe nur noch aus Pfützen besteht, welche dann – parallel zur Bundesstraße nach Unterrieden – sich noch einmal in Schneematsch verwandeln. Klasse, den hatten wir heute scheinbar noch nicht genug.

Die letzte Rudelbildung des Tages ereignet sich unmittelbar vor der zweiten Überquerung der neuen Fußgängerbrücke. Da ist es wieder, das Grüppchen, welches sich vorhin am VP kurz vor mir auf den Weg gemacht hat. Die Gelegenheit muss ich nutzen: Die GoPro auf dem Weg startklar machen, die Bäuche einziehen und mit einem möglichst eleganten Laufstil – sofern das nach über 42 Kilometern und knapp 1.300 Höhenmetern noch möglich ist – über das kleine Stück Technik rennen. Zack, schon ist das letzte Foto des im Kasten.

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Epilog: Marathon auf Rezept

Bei Uwes und Gernos Veranstaltungen bekommt man die Medaille meist vor dem Start. Einen kleinen Moment habe ich daran gezweifelt, ob ich später das schöne Erinnerungsstück zu Recht tragen darf. Und jetzt sitze ich hier, schreibe die letzten Zeilen des Berichts und weiß immer noch nicht genau, was an diesem Tag los war. Fest steht aber: Egal was es war, es war gut. Das versprochene Drama war also reiner Clickbait. Sorry.

Ach ja. Das mit der therapeutischen Wirkung war übrigens kein Witz. Knie und Schulter sind wieder topfit und auch sonst geht es mir nach diesem Spektakel überraschend gut. Gibt es Marathons eigentlich auf Rezept? Das wäre noch zu klären.

Daten zum Lauf

 

Link zur STRAVA Aktivität | Ergebnisliste

2 Kommentare

  1. Comment by Ludmilla Koch

    Ludmilla Koch Antworten 10. Februar 2026

    Oh man wieder mal ein Mega Bericht ich könnte sowas stundenlang von dir lesen und erwische mich immer wieder mit einem Lächeln im Gesicht Hast du schon mal drüber nachgedacht ein Büchlein zu schreiben ? Man mag garnicht mehr aufhören zu lesen

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 10. Februar 2026

      Oh, vielen lieben Dank.
      Die Frage nach dem Buch habe ich tatsächlich schon mal gehört.

      Das Blog hat übrigens 163 Beiträge. Hast du die schon durch? Die Wettkampfberichte bestimmt, wie ich dich kenne. Die vom Bloggercamp sind auch ganz spaßig.

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