Zugegebenermaßen habe ich genug Trailschuhe. Erst recht rote. Aber es gibt eben Klassiker, die muss man mal gelaufen sein. Dazu gehört auf alle Fälle der Salomon Speedcross. Den kürzlichen Launch der 5. Generation habe ich genutzt, um Bekanntschaft mit dem Urgestein zu machen.

Der Speedcross ist eine Legende. Seit seiner Einführung im Jahr 2006 mauserte sich der Schuh, der Salomon zum Marktführer machte, zum Bestseller. Allerdings muss ich bei dem Schuh immer an Lehrerehepaare denken. Ihr kennt sie. Wolfskin-Jacken im Partnerlook, den Speedcross am Fuß. Nicht etwa im Hochgebirge, sondern beim Bewältigen des Einkaufsbummels. Irgendwo müssen die eine Millionen Exemplare ja landen, die Salomon allein in Europa pro Jahr verkauft. Kleiner Scherz. Einer von diesen vielen Millionen landete jetzt bei mir zum Testen. Nicht zum Einkaufen, sondern zum Laufen.

Salomon Speedcross 5 – mein erster Eindruck

Da muss ich ein wenig ausholen, denn der erste Eindruck, den ich vom Speedcross hatte, ist schon ein wenig her. Vor einiger Zeit habe ich beim örtlichen Outdoorhändler das 4er Modell anprobiert. Eigentlich nur, weil ich mal testen wollte, ob ich in allen Salomon Modellen die gleiche Größe habe. Der Speedcross war der einzige Salomon Schuh, den der Händler zu bieten hatte. Ich meine mich zu erinnern, dass es das GTX Modell war und mir der Schuh schwer und ziemlich eng im Vorfußbereich vorkam. Jedenfalls kein Vergleich zu dem Sense Ride, den ich zu der Zeit ständig am Fuß hatte. Umso gespannter war ich auf das neue Modell.

Der neue Speedcross 5 ist zwar immer noch schmal und nichts für breite Füße, hat aber mittlerweile mehr Platz für die Zehen erhalten. Zunächst erscheint der Schuh sehr bequem – ja schon fast zu bequem. Hier wurde nicht an Polster gegeizt. Vor allem die Fersenkappe und die Zunge sind so stark gepolstert, wie ich es von Salomon bisher nicht gewöhnt bin. Besonders schwer ist er durch all den Luxus nicht. Mit einem Gewicht von 339 Gramm (Größe 44) liegt der Schuh durchaus im üblichen Rahmen.

Salomon Speedcross 5

Neben dem Rot in Feuerwehroptik fällt vor allem die nahtlose Verarbeitung auf. Die klassischen Designelemente blieben erhalten.

Salomon Speedcross 5

Noch mehr Protektion als bisher: die typische, gut geschützte Spitze des Schuhs sowie der voluminöse, wuchtige Fersenbereich.

Schon allein von der Optik her ist der Speedcross unverwechselbar. Auf den ersten Blick fällt mir als Speedcross Neuling kaum auf, welche Verbesserungen der Schuh erfahren hat, zumal das grelle Rot extrem dominiert und so fast alle Details in den Hintergrund rückt. Auf Nähte wurde weitestgehend verzichtet, das komplette Obermaterial inklusive des Sensifit Skeletts ist verschweißt. Sowohl Spitze, als auch die Fersenkappe bieten nun noch mehr Schutz als beim Vorgänger.

Salomon Speedcross 5

Die Chevron-Stollen mit ihrem multidirektionellen Grip bieten besonders viel Sicherheit auf Matsch und Schnee.

Regelrecht brachial wirkt die Sohle mit ihrem scharfkantigen Stollendesign auf mich. Das sieht wirklich sehr nach einem Schuh aus, der förmlich nach Matsch und Schnee nur so schreit. Ich habe ja nun mittlerweile einige Salomon Schuhe im Regal, aber dieses Modell liegt auf der nach oben offen Gripskala sicher ganz weit oben.

Salomon Speedcross 5

Der Speedcross 5 besitzt eine geformte OrthoLite Innensohle.

Dass Salomon es mit dem Komfort gut gemeint hat, merkt man übrigens auch an der OrthoLite Innensohle. Diese ist im Vorfußbereich extrem weich, ja beinahe schlabberig – also eher nichts für Läufer, die gerne mit den Zehen krallen. Wie ich zum Beispiel.

Der Salomon Speedcross 5 im Praxistest

Wann lassen sich neue Schuhe besser testen, als in der Vorbereitung auf einen Ultra? Vielleicht noch dann, wenn zufällig gerade die Salomon Trailrunning Workshops auf dem Plan stehen. Das nenne ich mal Timing.

Nächste Woche ist es soweit. Beim Bilstein Marathon werde ich meinen zweiten Ultra in Angriff nehmen. 57 km mit 1500 Höhenmeter – die Alpinisten unter euch werden schmunzeln, aber für Mittelgebirgsbewohner ist das schon recht fordernd. Eigentlich ist das doch der ideale und ultimative Einsatz für den Speedcross, oder?

Teil 1 – Test auf Schnee und Eis

Salomon Speedcross 5

Der erste Test bei nahezu idealen Bedingungen. Schnee, Schneematsch und Eis. Was will man mehr?

Der Speedcross hat gerade erst das Licht der Welt erblickt, da darf er schon frisch aus dem Karton direkt auf den Gefilden des Bilsteins unterwegs sein. Es ist Januar und bei Temperaturen um die Null Grad herrscht in den Höhenlagen eine wenig lustige Abwechslung zwischen Tauwetter inklusive Schneematsch und gefrorenem Untergrund. Wir laufen den ersten Part der Ultrastrecke um dann nach ca. 20 km eine Abkürzung zu nehmen. Und die hat es in sich, denn hier gibt es noch einmal Höhenmeter extra. Der Schneematsch weicht vereistem Untergrund, und ich bin wirklich froh, dass ich zum Speedcross gegriffen habe. Während der Kollege eiernd das Gleichgewicht zu halten versucht, laufe ich wie auf Schienen dem Gipfel entgegen.

Salomon Speedcross 5

Das Profil des Salomon Speedcross 5 zeigt was es kann. Ohne den brachialen Grip hätte es nur halb so viel Spaß gemacht.

Bergab das gleiche Spiel. Aus irgendeinem Grund bin ich merklich flotter unterwegs. Und nein – es ist nicht meine Form. Normalerweise ist der Kollege schneller. Zugegeben, auf purem Eis ist man auch mit dem Speedcross verloren, aber Schnee und Matsch, sowie die Kombination von beidem ist wirklich kein Problem, nein – es macht sogar Spaß, den Schuh und meine Laufkünste an seine bzw. meine Grenzen zu bringen.

Teil 2 – Ab auf die Trails

Mittlerweile in der dritten Saison veranstaltet Salomon nun schon die Trailrunning Workshops. Herzlichen Dank auch, damit habt ihr mich nicht nur zum Fan der Marke, sondern auch zum leidenschaftlichen Offroader gemacht. Den wesentlichen Anteil hat allerdings Max, der die Workshops hier in Kassel organisiert. Wenn das nicht immer so mega viel Spaß machen würde, müsste ich wohl immer noch auf Asphalt rumrennen. Aber nun zurück zum Speedcross…

Salomon Speedcross 5

Rote Schuhe soweit das Auge reicht. Das gibt doch mindestens 9 von 10 möglichen Swag-Punkten.

Die kleine Danksagung kam mir gerade in den Sinn, weil ich ja eigentlich erwähnen wollte, dass Salomon den Speedcross 5 und den Sense Ride 2 bei den Workshops zum Testen bereitstellt. Wer auf meinen Testbericht nichts gibt, kann sich also gerne selbst ein Bild machen und den Schuh auf dem Trail ausprobieren.

Salomon Speedcross 5

Während das schwarze Vorgängermodell schon etliche Kilometer auf dem Buckel hat, dürfen die neuen, roten Speedcross 5 Erstkontakt mit den Trails aufnehmen.

Auf rund 640 Höhenmetern, verteilt auf 13 Kilometer – ich meine, der Workshop lief unter der Kategorie „Advanced“ – hatte der Speedcross ausreichend Gelegenheit sein Können zu beweisen. Ganz so ideal waren die Bedingungen dennoch nicht – zumindest nicht nach meinem Empfinden. Da fehlte eindeutig der Matsch. Der Boden war so trocken, dass ich die Strecke auf mit einem S/LAB Sense 7 hätte laufen können.

Salomon Speedcross 5

Was wäre der Salomon Trailrunning Workshop ohne das obligatorische Fußselfie?

Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, wieso mir der Speedcross nicht so gut gefällt, wie manch anderer Trailschuh von Salomon. Der Schuh ist einfach zu bequem. Die Polsterung an der Ferse und der Zunge sind so dick, dass ich im Vergleich zu anderen Modellen einen zu geringen Halt im Mittelfuß- und Fersenbereich empfinde. Da kann ich an der bewährten (und von mir durchaus heiß und innig geliebten) Quicklace-Schnürung ziehen und zerren wie ich will – ich bekomme den Halt nicht so hin, wie ich es gerne hätte. Mag sein, dass das durch all das viele Polster nur subjektiv ist, aber es stört mich.

Wenn ich gezielt auf dem Vorfuß laufe, habe ich keine Probleme. Aber wann mache ich das schon mal? Mein Laufstil ist eher bescheiden und wenig grazil. Da ist es schon ganz hilfreich, wenn der Schuh etwas Sicherheit gibt. Und den Job macht der Speedcross bei mir eher nicht. Vielleicht liegt es an der hohen Sprengung (10 mm), dass ich in kritischen Situationen Angst habe, mit dem Schuh umzuknicken.

Dafür ist die Dämpfung wirklich bombastisch. Vor allem auf Downhills schluckt der Speedcross alles weg, was auf dem Trail zu finden ist. Lediglich die spitzesten aller Steine spürt man ab und zu.

Salomon Speedcross 5

Also wenn der Salomon Speedcross 5 etwas hat, dann ist es Grip. Seht ihr die Bröckchen und den Staub fliegen? Nein? Ich auch nicht…

Mein Fazit zum Salomon Speedcross 5

„Ja, los. Jetzt red‘ nicht um den heißen Brei. Taucht der was oder oder taucht er nix?“ Ja, er taucht – siehe auch den Instagram Post weiter unten. Ansonsten: it depends – wie man so schön sagt. Um das Thema Ultra von weiter oben aufzugreifen: Ich werde den Speedcross sicher nicht auf so einer langen Strecke anziehen, auch wenn er bequem ist. Dafür gibt’s den S/LAB Sense Ultra bzw. dessen Nachfolger S/LAB Ultra 2 (Test folgt).

Der Salomon Speedcross 5 ist für mich ein Schuh für’s Grobe. Einsatzzeitraum Herbst bis Frühjahr, Gelände mit Matsch, Schnee und Eis. Im technischen Gelände oder auf langen Strecken (jenseits 30 km) habe ich andere Favoriten. Es gibt sicher unterschiedliche Meinungen dazu, vor allem von Fans der Serie, aber ich schieße mal ausnahmsweise quer.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Salomon hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salomon Speedcross 5

129,95 EUR
8.8

Passform

7.5/10

Design

9.0/10

Grip

10.0/10

Dynamik

9.0/10

Verarbeitung

9.5/10

Spaßfaktor

7.5/10

Positiv

  • Perfekter Grip
  • Gute Dämpfung
  • Angemessener Preis

Negativ

  • Zu wenig Halt
  • Hohe Sprengung

5 Kommentare

  1. Comment by Sven

    Sven Antworten 22. April 2019

    Bin 100% bei dir. Der Halt im Mittelfußbereich, besonders bei Querkräften fehlt mit erheblich. Da ich viel am Hang laufe, weil Berge hat’s nunmal auch hier nicht so viele, fällt mit das sehr auf. Muss ein Model „Problem“ sein. Der S-Lab Ultra 2 hat dieses Problem nicht.
    Zumindest ich hab mit dem Schuh das Problem nicht.
    Danke für den ausführlichen Bericht.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. April 2019

      Den Schuh müsste es mit dem Obermaterial vom Sense 7 geben. Und mit weniger Sprengung. Dann wäre er perfekt. Ach, Moment – den gibt’s ja schon: S/LAB Sense 7 SG. :D

      Im Ernst: Querkräfte – das Wort hat mir gefehlt. Ja, da hast du recht.

  2. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 23. April 2019

    Hmm… ist denn die Pass- bzw. Leistenform eher so schmal wie beim Sense 7 oder eher vergleichbar z.B. mit einem Sense Ride? Als Nicht-S/LAB-Produkte müsste er ja eigentlich breiter sein, aber Du beschreibst ihn als schmal…?

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. April 2019

      Der Speedcross ist ähnlich schmal wie alle meine Salomons. Das nimmt sich nicht viel. Der Speedcross 4 soll laut Meinung vieler Läufer noch schmäler gewesen sein. Ob nun S/LAB oder nicht – ich glaub das macht nicht so viel aus. Ich hatte allerdings bisher nur den Ride und jetzt den Speedcross, die nicht nur S/LAB Serie gehören. Davon ist der Ride wohl der, der am meisten Weite hatte.

  3. Comment by Claudi

    Claudi Antworten 14. Oktober 2019

    Zack und da haben wir den doch gleich für den Zeugwart gekauft und der ist nach seinen ersten Testläufen auch total zufrieden! :-)

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