Ich hab’s schon wieder getan. Völlig unvorbereitet und ohne Plan stand ich am Sonntag beim ersten Lauf des Nordhessencups am Start. Irgendwas mit Bergen war in der Ausschreibung zu lesen. Berge mag ich ja, und auf der Strecke über die 20 km durfte man den Anstieg sogar zweimal mitnehmen. Hört sich gut an. Da sind wir dabei.

Wir? Wer denn „wir“? Ok, ich muss ein klein wenig ausholen. Da wäre beispielsweise der Till. Mit dem renne ich seit einiger Zeit fast jeden Sonntag durch die Wälder. Meistens stehen am Ende des Laufs um die 30 km auf der Uhr. Zuzüglich einer ordentlichen Portion an Höhenmetern. So wie sich das gehört, wenn man für den Bilstein Ultra trainiert.

Jetzt erzählt der mir doch tatsächlich am Wochenende zuvor, dass er am Sonntag nicht kann. Weil er beim Nordhessencup mitlaufen will und dort seine Bestzeit auf 10 km knacken will. Ich könne ja mitkommen, wenn ich Bock habe. Oh ey nööö, wie langweilig. Und überhaupt – wegen zehn(!) Kilometern bis nach Eschwege fahren. Das lohnt sich doch gar nicht. Vom CO2-Fußabdruck wollen wir mal lieber gar nicht erst reden.

Ich kürz das mal ab. Als ich in Tills Auto einsteige, sitzen noch Angela und Alex im Auto, um mit uns nach Eschwege zu fahren. Immerhin – die beiden geben sich, im Gegensatz zu Till, das volle Programm und rennen die lange Distanz.

47. Eschweger Lauf "Rund um die Leuchtberge"

„Was willst du denn für eine Pace rennen?“ werde ich gefragt. Hmmm, ist ja schließlich ein Wettkampf. So ein klein wenig Gas geben will ich schon, hab aber keine Ahnung, was geht. Also antworte ich völlig unverfänglich mit „Irgendwas mit einer 4er Pace.“ Sollen die sich doch selber zusammenreimen, was ich damit meine. Ich weiß es ja schließlich selbst nicht.

Höhenmetertraining rulez!

„Rund um die Leuchtberge“ heißt der Lauf. Also noch mal zum Mitschreiben: Rund. Um. Die. Leuchtberge. Lest ihr irgendwas mit rauf und runter? Nee? Ich auch nicht. Zumindest jetzt nicht. Wieso ich Depp davon ausgegangen bin, dass hier ansatzweise irgendwas BiMa-ähnliches geboten wird, weiß ich auch nicht mehr genau. Und ich war so zuversichtlich, dass mein allwöchentliches Höhenmetertraining bei diesem Lauf voll zur Geltung kommen wird.

Nun ja – nach rund achteinhalb brettebenen Kilometern kommt dann endlich auch mal eine Steigung. An der Stelle kann ich dann auch tatsächlich mal zu den beiden Läufern aufschließen, die bisher meist so um die 50 Meter vor mir gelaufen sind.

47. Eschweger Lauf "Rund um die Leuchtberge"

Da vorne. Da sind sie, die Jungs. Gleich hab ich sie… ^^

Kaum geht’s wieder bergab, sind die beiden schon wieder auf und davon. Zwei eiserne Jungs im Singlet, mit Vereinsaufdruck. Die laufen bestimmt schon seit dreißig Jahren. Keine Chance die einzuholen.

Nach elf Kilometern darf man einen Teil der Strecke erneut in Angriff nehmen. Wieder fünf Kilometer auf größtenteils asphaltiertem Feldweg. Habe ich schon erwähnt, dass meine Schuhwahl nicht ganz so optimal war? Wie dem auch sei, irgendwann geht es dann wieder berghoch. Und wieder klebe ich an den Fersen der beiden Jungs aus Runde 1.

Vielleicht laufen die aber doch noch keine dreißig Jahre. Kurz vor der Kuppe ziehe ich an den beiden vorbei. Nr. 1 grinst mich japsend an, während Nr. 2 mich keines Blickes würdigt. Innerlich kocht er sicher vor Wut, und so kommt es, dass er beim Bergabstück wieder Vollgas gibt. Ich sehe nur noch die Schuhsohlen seiner leichten Rennschlappen, während ich meine gut gedämpften Salomon Trailschuhe in den Schotter hämmere. Mensch Martin, wieso gibst du beim Anstieg alles und lässt dann den Kerl einfach abhauen? Das kann es doch nun auch nicht sein. Ich beschließe wagemutig, noch ein Schippchen draufzulegen, um ihm die nächsten paar hundert Meter schnaufend im Nacken zu hängen.

Das Beste kommt zum Schluss

Irgendwann passiert’s. Er kann nicht mehr. Der mentale Druck ist einfach zu groß. Oder er hat keine Körner mehr, wie man so schön sagt. Mister Ich-lauf-schon-30-Jahre lässt mich vorbeiziehen. Genau solche Momente sind es, die mich dann doch immer wieder dazu treiben, bei so einem Unsinn mitzumachen. Klingt vielleicht komisch. Ist aber so.

Den Vorsprung rette ich bis ins Ziel. Dort komme ich nach 1:33:27 an. Meine zweitbeste Zeit auf 20 Kilometer, wie ich erst später zu Hause bemerke. Till hat tatsächlich seine Bestzeit auf dem 10er getoppt, und die anderen beiden waren auch erfolgreich. So kommt’s, dass wir zufrieden die Heimreise antreten. Das schreit nach einer Fortsetzung…

Daten zum Lauf

Herunterladen

6 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 26. März 2019

    Ähm… Deine Bescheidenheit hindert Dich wahrscheinlich daran zu sagen, dass Du das Ding damit gewonnen hast – oder wie? Es werden ja wohl nicht die Schlussläufer gewesen sein, die Du überholt hast… In jedem Fall Glückwunsch zur spontanen Top-Leistung. :)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 27. März 2019

      Danke. Haha, nein um Gottes Willen. Mit einer 1:33 kann man beim Nordhessencup keinen Blumentopf gewinnen. Gereicht hat es nur für Platz 15 und den 4. in der AK.
      Der Sieger ist mit 1:17 reingerauscht. Der war sogar ebenfalls in meiner Altersklasse. Ist also nicht einfach für mich da was zu reissen – so ohne Plan und Training. ;)

  2. Comment by Sascha

    Sascha Antworten 28. März 2019

    Flott der Herr…so ganz „ohne“ Vorbereitung oder doch nur unvorbereitet? Glükwunsch jedenfalls!

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 28. März 2019

      Danke dir.

      Die Vorbereitung speziell für diesen Wettkampf war im Grunde genommen nicht existent. Ich trainiere nie auf Geschwindigkeit, mache keine Intervalle und laufe nur wie ich Bock habe oder was die Form hergibt. Insofern wundere ich mich ja selbst, dass da einigermaßen passable Ergebnisse bei rausspringen. Ich glaub, wenn ich noch so um die 30 wäre, würde ich in richtiges Trainieren investieren. Aber in meinem Alter muss ich mir das nicht mehr antun.

  3. Comment by Andreas

    Andreas Antworten 23. April 2019

    Ich bin mal wieder viel zu spät mit dem Kommentar, muss den aber noch unbedingt loswerden: Mensch, Martin, was machst du denn da? Du wirst ja mit zunehmendem Alter immer schneller ;-) Glückwunsch zu der tollen Zeit!

    • Comment by Martin Sauer

      Martin Sauer Antworten 23. April 2019

      Genau. Pass mal auf, wenn ich 2049 den Marathon-Weltrekord mit 1:49:59 laufe! :hehehe:

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Close
Go top