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Beim Thema Laufsocken bin ich normalerweise nicht jemand, der sofort HIER schreit, wenn es um das Testen derartigen Equipments geht. Meinen höchsten Respekt an all die Bloggerkolleginnen und -kollegen, die zu einem Stück Strumpf umfassende Prosa verfassen und die Unterschiede zu anderen Fabrikaten zur Not auch als Kandidat bei Wetten, dass…? blind und am Geschmack erkennen könnten, wenn es die Sendung noch im samstäglichen Abendprogramm gäbe.
Ich bin da eher – Achtung, genialster Wortwitz ever – einfach gestrickt. Meine Füße sind ebenso gutmütig, wie ich es bin. Blasen machen in der Regel einen weiten Bogen um meine Zehen und Fersen. Warum das so ist? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich denke, es ist keine böse Absicht. Selbst beim Marathon hatte ich da nie größere Probleme, mal von einem winzigen Bläschen am Zeh abgesehen. Ob nun Socken vom Feinkost Albrecht, dem Kaffeeröster oder hochwertige Kompressionsstrümpfe – egal was ich trage, das richtige Mimimi kenne ich nur vom Hörensagen.

Da ich von Natur aus aber neugierig und experimentierfreudig bin, reagiere ich zeitweise wie ein pawlowscher Hund, wenn es sich um für mich unbekanntes Material handelt – sogar wenn es Socken sind. Von der Marke WRIGHTSOCK höre ich jedenfalls zum ersten Mal. Und zwar in meiner Twitter-Timeline. Ich oute mich als unwissend, was nur kurze Zeit später nicht ohne Folgen bleibt…

Was ist jetzt so besonders an diesen Socken, dass ich mich jetzt doch für einen Test habe hinreissen lassen? Ohne großartig in’s Detail zu gehen: die WRIGHTSOCK ist doppel-lagig. Im Prinzip kann man auch zwei Socken übereinander tragen – hatte Opa ja schon im Krieg so gemacht, damit er in den Knobelbechern keine Blasen bekommt. Zusätzlich hat er angeblich noch in den Stiefel gepinkelt, aber das tut jetzt a) nichts zur Sache und b) würde ich es nicht empfehlen, wenn es sich um Laufschuhe handelt.

Entscheidend für die Funktionalität der doppel-lagigen Socke sind dabei die Verbindungsnähte auf Knöchelhöhe und über den Zehen, welche die beiden Socken-Lagen gegen Verschieben sichern. Jenes Konstrukt hat sich ein gewisser Jerry O. Wrightenberry Ende der 90er in den Staaten patentieren lassen. Keine Blasen mehr, keine Schweißfüße? Zwei Socken zum Preis von einer? Jetzt versteht ihr, wieso ich dann doch HIER schreien musste. Außerdem: Je mehr Lagen, desto besser. Kennt man spätestens, wenn es um’s Toilettenpapier geht.

Wrightsock

Kurze Zeit später erreicht mich eine Auswahl an Modellen aus dem umfangreichen Programm. Die Socken aus der Coolmesh II Reihe sind eher dünn, die mitteldicke Stride Socke habe ich mir für meine Trailläufe ausgesucht. Die Gemeinsamkeiten der Socken sind außer der Doppellagigkeit die weiße Innensocke, die wie die Außensocke mehrheitlich aus einer von WRIGHTSOCK entwickelten Hohlfaser namens Dri-WRIGHT II besteht, welche für trockene Füße und Schutz vor Blasenbildung sorgen soll.

WRIGHTSOCK

Die innere Lage ist nicht ohne Grund weiß, denn sie ist ungefärbt und somit fußgesund ausgeführt. Bleibt zu hoffen, dass die Laufschuhe ebenso frei von Schadstoffen sind. Schön zu erkennen: die Verbindungshaht über dem Knöchel.

Die ersten Testläufe mit dem doppel-lagigen Sockenkonstrukt bestreite ich mit dem Nike Air Zoom Elite 8 und dem Nike Flyknit Racer (Testbericht folgt in Kürze). Der Lauf mit dem Zoom Elite war recht feucht – ein pisseliges Herbstwetter, bei dem ich mich noch anno 2012 niemals von der Couch bewegt hätte. Sowohl Socke, als auch der Lauf können trotzdem begeistern. Der Tragekomfort ist toll, die Socke sitzt perfekt am Fuß. Ich beginne zu frohlocken, dass wir permanent Freunde werden. Auch ein flotter Lauf im neuen Flyknit Racer, einem sehr eng anliegenden Schuh, bei dem die falsche Socke sicher fatal wäre, stellt sich als Erfolg heraus.

WRIGHTSOCK Coolmesh II

Völlig unproblematisch: die Kombination Nike und Coolmesh II. Egal, ob nass (links) oder trocken (rechts).

Der nächste Test erfolgt mit der Coolmesh II in Kombination mit dem Brooks Cascadia 10. Es geht bei leichtem Schneetreiben in den Wald. Nach dem Lauf steht die Halbmarathon-Distanz auf der Uhr. Was mir unterwegs allerdings schon auffällt: da stimmt etwas nicht. Nach ca. 15 Kilometern macht sich das ungute Gefühl breit, das sich an den Zehen Blasen gebildet haben. Hallo? Wie war das jetzt gleich mit der Garantie, dass genau das nicht passieren soll? Ich bin verunsichert. Allerdings auch, weil es an dem noch recht neuen Brooks liegen könnte. Aber vielleicht ist die CoolMesh II auch zu dünn, daher laufe ich eine Woche drauf die gleiche Strecke bei ebenfalls feuchter Witterung mit der Stride Socke. Ihr ahnt es – gleiches Problem, wieder Blasen an den selben Stellen: vorn an den mittleren Zehen, allerdings weniger und kleinere Blasen als mit den CoolMesh.

In den nächsten Wochen folgen Läufe mit diversen Schuh-Socken-Kombinationen, wobei ich zur Absicherung auch auf die bewährten CEP-Socken zurückgreife. Eine Zusammenstellung lest ihr weiter unten. Grob zusammengefasst lässt ich allerdings sagen: je schwerer der Schuh und je dünner die WRIGHTSOCK, desto mehr Blasen. Mit dieser Info wende ich mich Anfang Dezember an den deutschen Vertrieb von WRIGHTSOCK, der mir freundlicherweise die Socken für den Test zur Verfügung gestellt hat, denn ich zweifele ein wenig an meinen Füßen, da ich scheinbar der Einzige bin, der mit den Socken nicht zurecht kommt. Erst später erfahre ich, das Moni auch Probleme mit Blasen an den Zehen hatte, allerdings an einer anderen Stelle.

Bei einem sehr informativem und netten Telefonat bestätigt sich meine Vermutung, dass es durchaus an der Dicke der Socke liegen kann. Leichter Schuh – dünne Socke. Schwerer Schuh – dicke Socke. So in der Art lässt es sich zusammenfassen. Da die Stride „nur“ mitteldick ist, bekomme ich noch das Modell Adventure zugeschickt, welches nicht nur dick, sondern auch hoch ist. Genau das Richtige für die Wintermonate. Und siehe da – mit dieser Ausführung habe ich keinerlei Probleme gehabt. Weder im Cascadia noch in anderen Schuhen. Mal ganz davon abgesehen ist die Socke das angenehmste Stück Strumpf, welches ich jemals besessen habe. Ob’s im Sommer immer noch so ist, wage ich zu bezweifeln, aber da gibt’s ja dann wieder leichtes Schuhwerk und die Coolmesh zur Auswahl.

WRIGHTSOCK Adventure

Die WRIGHTSOCK Adventure kommt auch mit den schweren Trailschuhen zurecht. Ende gut, alles gut.

Hier noch mal die versprochene Zusammenstellung:

  • Nike Air Zoom Elite 8 / WRIGHTSOCK Coolmesh II: keine Probleme
  • Nike Flyknit Racer / WRIGHTSOCK Coolmesh II: keine Probleme
  • Brooks Cascadia 10* / WRIGHTSOCK Coolmesh II: diverse Blasen an Zehenspitzen
  • Brooks Cascadia 10* / WRIGHTSOCK Stride: geringe Blasen an Zehenspitzen
  • Brooks Cascadia 10* / CEP Run Socks 2.0: keine Probleme
  • La Sportiva UltraRaptor* / WRIGHTSOCK Stride: geringe Blasen an Zehenspitzen
  • La Sportiva UltraRaptor* / WRIGHTSOCK Adventure: keine Probleme
  • Brooks Cascadia 10* / WRIGHTSOCK Adventure: keine Probleme

* Läufe > 20 km

Fazit

Dass es ausgerechnet Laufsocken sein werden, die den Rekord der längste Testphase brechen werden, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Ich hatte es mir so einfach vorgestellt. Ein paar lockere Runden laufen, mich in die Liste der lobenden Testberichten einreihen, die es bisher über die WRIGHTSOCKs gibt – fertig. Aber dann das. Blasen. Ausgerechnet Blasen. Das Konzept meines Testberichts war dahin, ein ausgiebiger Erfahrungsbericht war angesagt. Ich hoffe, es wird deutlich, dass ich trotz des unglücklichen Anfangs dennoch nicht unzufrieden mit den Socken bin. Vor allem der unschlagbar tolle Support hat mich begeistert. So sind wir dem Problem auf die Schliche gekommen und am Ende kann ich doch noch unbeschwert den ein oder anderen langen Lauf im schweren Schuhwerk absolvieren.

Den ganzen technischen Part habe ich zugunsten des Erfahrungsberichts ein wenig zurecht gestutzt. Das ist allerdings überhaupt nicht tragisch, denn Frederic mit seinem Beitrag über die WRIGHTSOCKs die Latte bereits so hoch gelegt, dass ich das eh nicht hätte besser machen können.

Für die Transparenz

Die Socken wurden mir von WRIGHTSOCK kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

19 Kommentare

  1. Comment by Daniel

    Daniel Antworten 31. Januar 2016

    Danke für den Hinweis, genau das erhoffen wir uns doch alle, wenn wir in Blogs Testberichte lesen – den Sonderfall, das Aussergewöhnliche wo Produkt und Service mal auf die Probe gestellt werden.

    Finde ich sehr interessant, danke dafür und auch die „Anleitung“ wie man denn den richtigen Socken zum Schuh findet. Für normalerweise Blasenlose Menschen (ich zähle mich dazu) auch nicht ganz nachvollziehbar, aber offensichtlich sind die Socken für die Blasengeplagten eine Wohltat.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 31. Januar 2016

      Die Anleitung ist ja eher banal. Nennen wir es besser Hinweis. :)

  2. Comment by HiSpace

    HiSpace Antworten 31. Januar 2016

    Hallo Martin,

    Glückwunsch zu einem wieder super lockeren Beitrag. Wusste gar nicht dass man über Socken so eine Wissenschaft machen kann. Falls du weiterhin Socken testen willst, schau dir mal folgende an http://www.injinji.com. Habe ich seit Jahresbeginn in Gebrauch und finde sie super.

    Wolfgang

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 31. Januar 2016

      Danke für den Tipp. Zehensocken – das wäre Neuland für mich. Kann ich mir ehrlich gesagt noch nicht so richtig vorstellen.

      • Comment by HiSpace

        HiSpace Antworten 31. Januar 2016

        … ich auch. Aber inzwischen will ich sie nicht mehr missen.

      • Comment by Frederic Biermann

        Frederic Biermann Antworten 2. Februar 2016

        Bezüglich Zehensocken, sprich mal mit unserem Schluppenchris. Der trägt die gerne auch bei langen Läufen in seinen Schluppen und weiß nur gutes darüber zu berichten. ;-)

  3. Comment by Sabrina Gall

    Sabrina Gall Antworten 31. Januar 2016

    Hallo,

    ich hatte schon öfter von den Socken gehört und habe sofort zugegriffen, als ich sie in einem Laden entdeckt habe. Normalerweise habe ich wenig Probleme mit Blasen, da aber meine ersten Ultraläufe anstanden wollte ich mir was gutes tun.
    Mein Fazit war ernüchternd. Egal welcher Schuh (und ich habe viele ;-)), ich bekomme immer Blasen. Meist im Fersenbereich, teilweise aber auch unter der Sohle oder am Spann.
    Jetzt laufe ich wieder mit meinen „billigen“ Socken und das ohne Probleme.
    Da ich bunt geringelte Wright Socks habe sehen Sie wenigstens hübsch aus, wenn ich sie schon nur als Freizeitsocke anziehen kann.
    Es gibt halt weder DEN Schuh noch DIE Socke für alle.

    Sabrina

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 31. Januar 2016

      Danke für deinen Erfahrungsbericht, Sabrina. Spann, Sohle und Ferse? Das ist ja derb. Sind die Socken eventuell zu groß?

  4. Comment by Eric

    Eric Antworten 1. Februar 2016

    Danke für deinen kurzweiligen Testbericht. Vorallem wie sich die Unterschiede dünne Socken, dicke Socken auswirken können. Auch den Hinweis oder die Anleitung ;) welcher Schuh mit welcher Socke finde ich sehr gelungen. :)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 2. Februar 2016

      Kurzweilige Testberichte schreiben ist mein Hobby – gleich nach dem Laufen. Danke für dein Lob! :)

  5. Comment by adm

    adm Antworten 1. Februar 2016

    top socken… ich trage nur die cool mash2 beim laufen. meine fusse sind auch sehr dankbar :)

  6. Comment by Frederic Biermann

    Frederic Biermann Antworten 2. Februar 2016

    Es freut mich, dass dem Problem mit den Blasen doch noch etwas entgegen zu setzen war und dass auch du letztendlich zu einem guten Ergebnis kamst. :-) Schließlich hatte ich irgendwo damit schuld, dass du testen musstest ;-) und habe während der Testphase schon davon erfahren, dass du die oben geschilderten anfänglichen Probleme hattest (was ich in meinem Blogpost ja auch schon frühzeitig ausposaunt hatte).
    Ich habe scheinbar wirklich viel Glück mit meiner Wahl gehabt, denn ich habe viele leichte Schuhe, in denen ich immer Coolmesh II gelaufen bin und wenn ich mal einen etwas schwereren Schuh getragen habe, habe ich Stride getragen (hab ich nach Lesen deines Berichts sogar anhand von Fotos verifiziert.).

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 2. Februar 2016

      Deine Schuld hält sich in Grenzen. :hehehe:

  7. Comment by Patrick Salm

    Patrick Salm Antworten 2. Februar 2016

    Für mich sind es auch „nur“ Socken, wenn man allerdings nicht so unempfindliche Füße hat können Socken ganz schnell über Lust oder Frust entscheiden. Der Bericht ist übrigens wieder sehr unterhaltsam geschrieben. VG Patrick

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 2. Februar 2016

      Danke Patrick. Soviel Lob – ich komme bald nicht mehr klar… :D

  8. Comment by runningbirki

    runningbirki Antworten 2. März 2016

    Ich habe das mit denn dünnen und dicken Socken nicht verstanden. Sorry. Bin blond.
    Im übrigen habe ich auch an den mittleren Zehen vorne an von diesen Socken Blasen bekommen.

    Welche Socke sollte ich noch mal testen?

    vg Von Runningbirki

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 2. März 2016

      Dünn: CoolMesh, dicker: Stride, ganz dick: Adventure.

      Nun musst du nur noch schauen, was für einen Schuh du hast. Je leichter und flexibler, desto dünner die Socke.

      Jetzt klar?

  9. Comment by Johannes

    Johannes Antworten 15. April 2016

    Nichts geht über Omas Selbstgestrickte, zumindest bei mir. Denn die sind einfach nicht zu übertreffen. Glücklich ist, wer eine Großmutter hat. Oder eine Schwiegermutter :-) Liebe Grüße aus Bremen.

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