Exit

Wer nicht regelmäßig läuft oder für wen Laufen keine Gewohnheit ist, der hat es als Einzelkämpfer am Anfang wirklich schwer. Bei mir führte dies dazu, dass ich die ersten Jahre unregelmäßig lief. Inzwischen hat sich mein Verhalten komplett gedreht.

Als ich im Sommer 2012 meine ersten Laufversuche machte, war ich konditionell bei null. Ich hatte anfangs eine Pace von 7:17, die sich zwar rasch bei 6:30 einpendelte. Das Laufen war für mich der mögliche Ausgleich zum Schreibtisch-Job, aber irgendwie fand ich die Motivation nicht. Ich lief dann 2-3 Wochen nicht, weil das Wetter doof war oder ich keine Zeit hatte. Dies führte dazu, dass ich 2013 eine schöpferische Pause machte.

Einen Reboot schaffte ich 2014. Ein sportlicher Kollege schliff mich zum Brückenlauf um die Mosel in Koblenz. Ein guter Einstieg, um eine Regelmäßigkeit aufzubauen. Wir liefen 2x die Woche und ich noch ein weiteres Mal am Wochenende allein. Ich teilte meine Läufe in der Regel auch auf Facebook, was zu einem interessanten Effekt führte. Ich hatte auf einmal eine virtuelle Laufgruppe. Die Läufer unter meinen Freunden likten die Beiträge oder gaben mir Zuspruch. Ich bekam von den Leuten ebenfalls die Läufe angezeigt und drückte hier und da durchaus gefällt mir. Diese Solidarität untereinander hat mir sicher dabei geholfen meine Läufe zu verbessern.

Diese Art von Narzissmus konnte ich für mich ausnutzen. Ich lief meist Kurzstrecke (5km). Meine Laufstrecke in der Heimat ist eine 2,5km-Runde. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich das erste Mal über 10km gelaufen bin. Dank einem Runnershigh landete ich bei 12,42km mit einer 6:51 Pace. Ich hatte gelernt, dass Geschwindigkeit nur in meinem Kopf existiert. Ich habe mich fortan auf eine Distanz konzentriert und weniger die Geschwindigkeit. Ich lief nur zwei Wochen später das erste Mal symbolische 15km. Heute weiß ich, dass es niemanden interessiert wie schnell du läufst, wichtig ist nur, dass du läufst.

Und so lief ich meine 5km immer und immer wieder. Ich bekam über Facebook viel Zuspruch, Freunde und Kollegen sprachen mich auf meine sportlichen Aktivitäten an. Das einfache Bemerken war eine große Motivation. Mein persönlicher Durchbruch kam am 19.07.2015 als ich 21,25km lief. Ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt in der Lage bin so weit zu laufen.

Inzwischen versuche ich täglich zu laufen. Wenn ich nicht unter der Woche meine 5km Runde drehe, mache ich Workout. Der Rest des Körpers muss ja auch mal in Form kommen. Ich habe aufgehört meine normalen Läufe zu posten. Es ist interessant, wie schnell die Mitmenschen in meinem Umfeld denken, ich würde nicht mehr laufen – bis, ja bis zum nächsten größeren Lauf, was meist so um die 20km sind.

Über die Monate hinweg habe ich eine virtuelle Sportgruppe gegründet, was für mich inzwischen der größte Motivationsschub ist. Es sind so 3-8 Menschen aus meinem virtuellen Umfeld, die selbst Laufen, ins Fitnessstudio gehen oder Freeletics machen. Ich finde es wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt und vielleicht einfach eine kurze Videonachricht zukommen lässt. Außerdem ist es doch ein schönes Gefühl, wenn jemand hinterher sagt oder schreibt: Ich war heute wegen XY unterwegs. Danke für die Motivation.

Vor zwei Wochen bin ich meinen ersten Lauf gelaufen. Sportcheck Stadtlauf in Köln. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Wie toll ist das denn mit vielen Läufern unterwegs zu sein? Meine 10km habe ich in 52:27 in meinem persönlichen Rekordbuch eingetragen.

Das geht sicher noch schneller, aber Geschwindigkeit ist für mich nach wie vor sekundär. Ich höre auf meinen Körper. Das habe ich immer beim Laufen. Keine Lust? Ok, dann nur 5km. Es läuft? Ok, dann laufen wir so weit, wie es geht. Dies ist meine Methode, wie ich mich überlistet habe, inzwischen auch mal einen Halbmarathon zu laufen. Die 2 Stunden-Marke muss als nächstes geknackt werden, denn beim letzten Mal fehlten mir 2 Minuten. Wenn es soweit ist, werde ich es bei Facebook posten. Bis dahin halte ich den Anschein, dass ich nicht laufen würde.

Über

Der digitale Generalist Kai Thrun besetzt aktuelle Themen und Trend der Online-Welt. Der Pragmatiker probiert Dinge direkt aus, noch bevor es die ersten Erfahrungswerte zu dem Thema gibt. Er gehört zu den Innovators und Early Adaptors, wenn es um digitale Kommunikation geht. Dieser Wissenvorsprung hat Kai Thrun über die Jahre zu einem gefragten Ansprechpartner für digitale Kommunikation, Tech, Dubai und Blogging gemacht. Du findest Ihn auf seinem Blog unter kaithrun.de oder auf jedem bedeutsamen Netzwerk.

12 Kommentare

  1. Comment by Pooly

    Pooly Antworten 8. Juli 2016

    – „Ich habe mich fortan auf eine Distanz konzentriert und weniger die Geschwindigkeit.“
    – “ Ich höre auf meinen Körper. Das habe ich immer beim Laufen. Keine Lust? Ok, dann nur 5km. Es läuft? Ok, dann laufen wir so weit, wie es geht. “

    Ich kann mich in deinem Beitrag zu 90% wiederfinden. 2009 bin ich mit dem Laufen angefangen und bis heute würde ich mich eher als „Genussläufer“ bezeichnen.

    Die Social Media Komponente ist ganz nett, nutze ich auch ganz gerne.

    • Comment by Kai Thrun

      Kai Thrun Antworten 8. Juli 2016

      Irgendwann hat man auch seinen Laufstil gefunden, denke ich. Ich finde es aber gerade am Anfang schwierig, gerade wenn jemand geübtes dann regelrecht an einem vorgeschossen kommt und man selbst aus dem letzten Loch pfeift. Dabei denken beide umgekehrte Dinge. „Man ist der schnell -wow“ und der Schnelle denkt „Wow, Respekt, dass du dich aufmachst“

  2. Comment by Martin

    Martin Antworten 8. Juli 2016

    Ohne Social Media hätte meine „Laufkarriere“ ganz anders ausgesehen. Ich bezweifle, dass sie überhaupt in dem Umfang stattgefunden hätte.

    Auch den Frankfurt Marathon 2015 wäre ich nicht zu Ende gelaufen. Als ich abbrechen wollte, ist mir in der Tat durch den Kopf gegangen, wie ich die Situation anschließend auf Facebook und Co. darstellen würde. Ich entschied mich dann doch dafür, nach dem Rennen als „Held“ im Netz zu stehen. :hehehe:

    • Comment by Kai Thrun

      Kai Thrun Antworten 8. Juli 2016

      Ich habe das gern mal bei KM17-18, wenn ich die Halbmarathon-Distanz laufen möchte. Wo man dann einfach durchhalten muss, um abzuliefern.

  3. Comment by Stefan

    Stefan Antworten 8. Juli 2016

    Social Media ist ganz hilfreich und ich nutze es auch. An der Pace würde ich mich aber nicht orientieren, zumindest nicht dann wenn ich Kondition aufbauen möchte. In dem Fall lauf ich sehr langsam und hinterlege dafür aber große Strecken. Beim Laufen kann man soviel falsch machen, da sollte man den Körper nicht noch zusätzlich herausfordern, darum höre ich genau wie Du auf meinen Körper und nicht auf die Zeit/Strecke.

    • Comment by Kai Thrun

      Kai Thrun Antworten 8. Juli 2016

      Die Pace ist für mich ein Richtwert. Ich laufe jetzt nicht schneller, weil ich mir denke, oh du läufst zu langsam. Ich neige aber sehr dazu, am Anfang zu schnell zu laufen und nutze dann die Pace, um mich selbst einzubremsen. Das funktioniert für mich ganz gut.

  4. Comment by Willi

    Willi Antworten 12. Juli 2016

    Lauf Kai, lauf auch du Martin ;-) nicht falsch verstehen. Ich kann gut nachvollziehen was gemeint ist. Mir ging es auch so eine Zeit lang. Leider kann ich nicht mehr wirklich mitreden, den bei mir sind es jetzt ca etwas über 8 Jahre seit dem ich gelaufen bin… :-( Runnershigh war damals zum Teil eine sehr große Motivation für mich, aber aus welchen Gründen auch immer ließ es sehr nach. Jetzt, ein paar Jährchen später wiege ich sehr viel mehr und bewege mich seit einem Jahr auch noch weniger und das merke ich…
    Leider gibt es hier, nicht wirklich die Möglichkeit, was zu tun, oder ich entscheide mich wie ein Depp durch die Straßen der Stadt zu laufen. Außerdem brauch ich neue Laufschuhe. Meine Wahl damals, und wenn ich wieder anfangen, sollte sind die New Balance Treter. Und nein der Kommentar ist echt kein Spam ich glaub der Kai kann das bestätigen.

  5. Comment by Marc

    Marc Antworten 13. Juli 2016

    Danke für deine Einblicke, Kai.

    Ich bin vor zwei Jahren als Läufer gestartet und habe gedacht, dass ich nach den drei (!) gelaufenen Kilometern sterben müsste. Danach habe ich mich sukzessive gesteigert und möchte bis Jahresende erstmals 30 Kilometer am Stück laufen.

    Seitdem ich häufiger mit meiner Frau laufe, habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Geschwindigkeit ist vollkommen egal! Ob die Pace 5:10 oder 6:45 ist, interessiert keinen – der Lauf soll Spaß machen. Ich genieße dabei das Gespräch während des Laufes und habe auch nichts gegen eine atemraubende schnelle Runde.

    Neben den virtuellen Gruppen auf Facebook habe ich – obwohl ich misanthropisch veranlagt bin und maximal zu zweit laufe – Gefallen an Lauftreffs gefunden. Gerade dort ist die Vielfalt und der Erfahrungsschatz der Teilnehmer immens hoch und immer wieder inspirierend.

  6. Comment by Markus

    Markus Antworten 13. Juli 2016

    SoMe nutze ich eigtl. schon seit dem ich wieder angefangen hatte zu Laufen. Runtastic hat „damals“ auch tatsächlich für ein paar Anfeuerungen unterwegs gesorgt. Mittlerweile poste ich die Laufergebnisse nicht mehr immer und livetracking ist in der Regel ausgeschaltet. Ich mag die gegenseitigen Likes und Kommentare zur Unterstützung, gerade in einigen fb-Gruppen. Ich glaube auch, dass mich einige Berichte durchaus motivieren andere Dinge zu machen oder meine Strategie etwas anzupassen. Also ja, für mich ist dieses Social Media auch eine Motivationshilfe.

  7. PINGBACK › Lesenswerte Links – Kalenderwoche 28 in 2016 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2016

  8. PINGBACK › Nach 20 Jahren im Netz: #webseidank - Kai Thrun

  9. Comment by Stefan

    Stefan Antworten 17. November 2016

    Um ehrlich zu sein, dachte ich mir bisher immer, wenn ich so einen Facebook-Post gesehen habe: „Für wen läufst du, für dich oder für andere? Wen willst du beeindrucken“ Aus deiner Perspektive habe ich es noch nie betrachtet, aber wenn man darüber nachdenkt, dann macht es ja durchaus Sinn. Bzw. wenn es am Ende des Tages dir selbst, deiner Motivation und schließlich auch noch deinem Gesundheitszustand geholfen ist – dann sollte ich mich vielleicht einmal hinterfragen, ob ich nicht derjenige bin, der sich zu sehr mit dem Beeindrucken beschäftigt?? Hmm.. Wahrscheinlich werde ich jetzt auch mal irgendwo meinen Like unter einer Laufleistung druntersetzen. Wieder was gelernt.. Liebe Grüße! ;-)

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