Mein Gott, ist das peinlich. Ich traue mich gar nicht zu schreiben, dass ich vor nicht allzu langer Zeit noch verkabelt durch Gegend gelaufen bin. Dabei positioniere ich mich schon als technikaffin. Mir war auch bewusst, dass es Kopfhörer gibt, die nicht ständig mit vernuddelten Kabeln nerven – schon allein aus dem Grund, weil sie keine besitzen. Nun ist aber alles gut, denn ich durfte die Sennheiser CX Sport testen.

„Wow. Mal keine Schuhe. Wie kommt’s?“ fragt der Nachwuchs, als mir der Postbote neues Testmaterial vorbeibringt. Ja, gute Frage. „Hey, hier auf dem Karton steht Sport. Weißte Bescheid.“ kontere ich. Wenn er jetzt schlagfertig wäre, der Sohnemann, würde er fragen, wann demnächst die quadratischen Schokoladen eintreffen. Ist er aber nicht – zumindest nicht in jenem Moment. Nun ja, zurück zum Thema. Und das lautet: ich teste ausnahmsweise mal Kopfhörer.

Im Karton

Einige meiner Leser wissen Bescheid. In meinem Leben vor der Lauferei war ich ein Junkie. Die Sucht nach Apple Produkten ist mittlerweile nicht mehr ganz so groß, doch die Erinnerung an die damaligen „Auspackzeremonien“ ist durchaus noch präsent. Der Geruch von frischer Technik beim Öffnen des Kartons? Hach!

Sennheiser CX SPORT

Okay. Die Verpackung hier kommt nicht aus Cupertino, insofern ist die Erwartungshaltung eher gering. Gut so, denn in einem nüchternen Bett aus Kartonage erblickt das Paar Kopfhörer das Tageslicht – in einer Farbkombination, die wohl ausschließlich BVB-Fans vor Freude entzücken lässt. Vielleicht haben die bei Sennheiser es gut gemeint, weil sie dachten, wir Läufer würden ausschließlich in schrillen Farben durch die Landschaft traben.

Sennheiser CX SPORT

Gut gemeint hat man es auch mit dem Zubehör. Zum Anpassen des Kopfhörers gibt es drei neongelbe Ear Fins und vier schwarze Ohradapter. Selbstredend in unterschiedlichen Größen. Ein USB-Kabel zum Aufladen, eine Klemme zum Sichern des Kabels an der Kleidung sowie eine Tasche vervollständigen den Lieferumfang.

In der Praxis

Der Klang von In-Ear-Kopfhörern hängt entscheidend von der Passform ab, insofern lasse ich mir ausgiebig Zeit, bis der richtige Ohradapter gefunden ist. Sitzt er zu locker, höre ich zwar mehr Umgebungsgeräusche, dafür hat der Bass aber keinen Rums. Sitzt er zu fest, drückt es im Ohr. Außerdem wird dann jeder Stoß beim Laufen auf das Ohr übertragen, was ganz schön unangenehm sein kann.

Sennheiser CX SPORT

Die Ear Fins sehen schick aus und helfen beim Positionieren. Eine weitere Funktion haben sie aber nicht.

Das Verbinden mit meinem iPhone klappt ohne Probleme. Sennheisers Pendant zu Siri weist mich darauf hin, dass wir „connected“ sind. So steht der ersten Klangprobe nichts im Wege. Ein Ausflug kurz durch die Charts bestätigt die Werbeaussage: einen „klaren, detailreichen Sound mit kraftvollem Bass“ soll der CX Sport haben. Ok, ich bin jetzt kein Hifi-Spezialist. Ich erwarte auch nicht, mitten im Orchestergraben oder bei Ed Sheeran auf dem Schoß zu sitzen. Insofern passt das schon. Ich will während des Laufens ansprechend beschallt werden – that’s all.

Sennheiser CX SPORT

Bevor es auf zum langen Lauf geht, müssen die Hörer noch via USB aufgeladen werden.

Wenn ich mich jetzt noch entscheiden könnte, ob ich die Kabel des kabellosen Hörers (sic!) hinten oder vorne trage, kann’s losgehen. Ein langer Lauf steht an. Ich entscheide mich erst mal für vorne, weil ich so das Bedienelement am rechten Ohrhörer besser bedienen kann. Die drei Tasten sind etwas flach geraten und somit ein wenig fummelig. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich seit Jahren mit den Apple-Kopfhörern unterwegs bin und mir deren Bedienung in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Sennheiser CX SPORT

Das Bedienteil des Sennheiser CX SPORT: an der Haptik darf man gern noch mal etwas feilen.

Unterwegs

Auf den ersten Metern macht sich das bemerkbar, was ich weiter oben schon angesprochen habe. Die Ohradapter habe eine Nummer zu groß gewählt. Jeder Schritt wird auf das Ohr übertragen. Bei Musik mag das weniger stören, aber gerade höre ich einen Podcast, da ist es etwas unangenehm. Nun gut, das nächste Mal bin ich schlauer.

25 Kilometer später, der Akku vom iPhone und den Kopfhörern ist immer noch voll (meiner nicht), passiert es. Der rechte Ohrhörer hat Aussetzer. Scheinbar mag er lange Läufe bei Hitze genau so wenig wie ich. Vielleicht liegt es aber auch an dem Schweiß, der sich mittlerweile zwischen meinem Ohr und dem Hörer breit gemacht hat. Laut Beschreibung soll der Hörer ein „schweiß- und spritzwasserresistenten Design“ haben. Ok, Design hat er.

Ich nehme die Kopfhörer noch auf diverse weiter Läufe mit. Dabei funktioniert er ohne Probleme, allerdings war es da auch nicht so schweißtreibend wie bei jenem langen Lauf.

Mein Fazit zu den Sennheiser CX Sport

Der Sennheiser CX Sport kann bei mir durchaus punkten. Der Sound überzeugt und auch die Passform geht in Ordnung. Ganz im Gegensatz zu meinen Apple-Hörern ist mir der Sennheiser nicht ein einziges Mal aus den Ohren gefallen. Auch am Akku gibt es nichts zu meckern. Auf langen Läufen hält er länger aus, als das iPhone.

Nicht so gut gefallen hat mir das fummelige Bedienteil mit den zu flach geratenen Tasten. Deren Haptik könnte man sicher verbessern. Zudem sehen sie recht billig aus. Von einem Kopfhörer, dessen UVP bei 129 EUR liegt, erwarte ich da etwas mehr Wertigkeit.

Was das Thema Schweiß- und Spritzwasserresistenz anbelangt: das werde ich auf längere Zeit beobachten. Falls das Problem noch mal auftreten sollte, muss ich wohl mal den Service von Sennheiser bemühen.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Sennheiser hat mir die Kopfhörer kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

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