Hoppla, jetzt wird’s bunt. So bunt, dass es mir das Konzept dieses Testberichts zersemmelt. Denn normalerweise spielt das Aussehen eines Schuhs eher eine beschauliche Nebenrolle. Vielleicht ist im Karton vor dem Versand eine große Portion Feenstaub gelandet, so dass aus dem ursprünglich erwarteten blauen Modell ein Exemplar geworden ist, mit dem man auch gut beim Christopher-Street-Day mitlaufen könnte. Egal, wie auch immer. Kommen wir zur Sache.

Ja, richtig. Wave Shadow. Da war doch was. Erst vor ein paar Wochen habe ich die Version 3 vorgestellt. Ihr erinnert euch vielleicht. Wenn nicht, könnt ihr mal hier reinschauen.

Der Mauszeiger war noch gar nicht richtig weg vom „Veröffentlichen“-Button jenes Beitrages, da erreichte mich die Nachricht, dass Mizuno bald etwas ganz Sensationelles auf den Markt werfen will: Sämtliche Schuhe erscheinen ab sofort nur noch und ausschließlich in Regenbogenfarben. Nein, natürlich nicht. Kleiner Scherz. Aber eine neue Dämpfung – die ist’s. Wurde auch Zeit, denn das altbewährte U4ic ist schon etwas in die Jahre gekommen. Wie sagte Oma immer? „Da ist das Gute noch nicht von!“, aber die Laufschuhkundschaft aus dem Jahre 2020 lockt man damit auch eher zaghaft hinter dem Ofen hervor.

Alles neu, alles soft!

Die neue Dämpfungstechnologie heißt MIZUNO ENERZY. Enerzy wie Energie. Den Gag mit dem Sprachfehler bringe ich besser nicht. Auf jeden Fall soll die Dämpfung nun deutlich komfortabler sein – dank Rebound-Eigenschaften jenseits von Gut und Böse, einer maximalen Dämpfung sowie höherer Energierückgabe. In Zahlen wären das dann 17% softer und ein Plus von 15% bei der Energierückgabe. Ob man das beim Laufen merkt? Wir werden sehen.

Etwas mehr Plus gibt es dann noch bei Modellen, die mit MIZUNO ENERZY CORE ausgestattet sind. Dieser Zwischensohleneinsatz, den der Wave Shadow 4 allerdings nicht zu bieten hat, soll gegenüber U4ic um sagenhafte 293% softer und 56% federnder sein. Okay, wer das mag – ab zum Händler.

Second Look

Mizuno Wave Shadow 4

Vom First Look hatte ich ja oben bereits erzählt: Der blaue Schuh, den der Harlerunner vorgestellt hat, ist’s nicht geworden. Stattdessen mutmaßte ich nach dem Öffnen des Kartons, dass da aus Versehen zwei unterschiedliche Farbvarianten drin gelandet sind. Nachforschungen im Netz offenbarten: Da gibt es tatsächlich jenes bunte Colorway, das sowohl für Jungs, als für Mädels zur Verfügung steht.

Mizuno Wave Shadow 4

„Kann ich alter Sack damit noch rumrennen?“ frage ich die Holde. „Klar!“ erwidert sie schmunzelnd. Manchmal fällt es mir schwer, selbst nach Jahrzehnten, in denen wir mittlerweile zusammen sind, den Wahrheitsgehalt solcher Aussagen zu deuten.

Mizuno Wave Shadow 4

Aber ich bin ja ein mutiges Kerlchen, renne mit zurückgedrehten Caps und in enganliegenden Funktionsklamotten herum – da kommt es auf bunte Schuhe im Einhornlook auch nicht mehr an. Für’s Protokoll: Die Schuhe sind sogar unter der Sohle unterschiedlich farbig. Ein Hauch von einem Gummimesh überzieht den Bereich das Vorfußes und erinnert an die jeweils schnellsten Exemplare, die die Hersteller so im Programm haben. Auf alle Fälle kein Vergleich zum Wave Shadow 3. Ungefähr beim Fotografieren der Sohle frage ich mich zum ersten Mal, wieso das 4er Modell den Namen des Vorgängers geerbt hat. Allein das Gewicht, welches mit 270 Gramm bei Größe 44 identisch ist, kann es ja nicht sein.

Mizuno Wave Shadow 4

Augenscheinlich war man sich jedoch sicher. Der Name ist gesetzt. Und gedruckt: Jeweils auf der Innenseite prangt er in großen Lettern. Ab und zu vergesse ich die Modellbezeichnungen der Schuhe. Nicht unbedingt ob des hohen Alters – eher, weil ich so viele Schuhe habe. Kann hier jedenfalls nicht passieren. Und gut aussehen tut es schon – muss man mal zugeben.

Der Mizuno Wave Shadow 4 in der Praxis

Nachdem wir uns jetzt wirklich ausführlichst der Optik gewidmet haben, wollt ihr sicher noch wissen, wie sich der Schuh läuft. Verständlich.

Kommen wir aber erst mal zur Passform. Dazu muss ich aber noch eine kleine Anekdote bringen: Ein Bloggerkollege postet beinahe unter jeden Beitrag, den er zu dem Schuh finden kann, den Kommentar „Sieht ja aus wie ein Hallenfußballschuh!“
Ich hab zwar Jahrhunderte lang kein Hallenfußball mehr gespielt, aber ich muss zugeben – so ganz unrecht hat er nicht und jetzt kommt’s: So ähnlich stelle ich mir auch die Passform eines Hallenfußballschuh vor. Der Wave Shadow 4 ist sehr breit, geräumig und kommt mir trotz 8 mm Sprengung sehr flach vor. Zudem rollt er relativ wenig über die Zehen ab, ist also alles andere als ein Vertreter der Rocker Generation. Nein, nicht die mit den Motorrädern. Ich meine den Sohlenaufbau.

Mizuno Wave Shadow 4

Der Mizuno Wave Shadow 4 ist also durchaus ein Schuh für Läufer mit breiten Füßen. Mit den schon erwähnten 270 Gramm liegt er bei meiner üblichen Auswahl an Schuhen im Mittelfeld – also jetzt nicht unbedingt die Rennflunder, aber auch kein Sofa.

Apropos Sofa: Wir sollten tatsächlich noch mal ein Auge auf die ENERZY Dämpfung werfen. Die ist nämlich in der Tat eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger. Während ich beim 3er immer ein wenig das Gefühl hatte, dass mir durch die Dämpfung der Druck auf dem Asphalt fehlt, so hatte ich das bei diesem Schuh nie. Die Dämpfung ist zwar soft, aber keinesfalls schwammig. An den Rebound-Eigenschaften und der Energierückgabe, mit denen Mizuno wirbt, ist also durchaus etwas dran.

Mizuno Wave Shadow 4

Ihr wollt sicher wissen, auf welcher Distanz ich den Schuh sehe. Nun, da hat er doch wieder was mit dem Vorgänger gemeinsam. Ich empfehle ihn für Strecken von 10 bis 21 km. Wir reden jetzt von Wettkämpfen. Ist klar, oder? Muss in Corona Zeiten ja gesagt werden.

Für kurze Distanzen finde ich ihn etwas zu schwer und für längere dürfte er etwas mehr von der schönen neuen Dämpfung vertragen. Ich finde es by the way total schade, dass die besser gedämpften Schuhe von Mizuno mit teilweise extrem hoher Sprengung daherkommen. 12 mm sind leider ein Ausschlusskriterium, sonst wäre ich wirklich gespannt, was ENERZY CORE zu bieten hat.

Mein Fazit zum Mizuno Wave Shadow 4

Das ist in der Tat ein erfrischendes und buntes Update, was Mizuno da geliefert hat. Der neue Wave Shadow 4 ist eine deutliche Verbesserung zum Vorgängermodell – wenn er auch genau genommen nicht mehr viel mit dem Wave Shadow 3 gemeinsam hat.

Insbesondere die neue ENERZY Dämpfung hat mich überzeugt. Wenn der Schuh noch ein klein wenig schmäler und etwas leichter wäre, sowie etwas besser abrollen würde, wäre ich absoluter Fan. Nicht so toll – habe ich oben nicht erwähnt – ist der Grip bei Nässe. Die Außensohle ist zwar schön bunt, aber leider nur wenig griffig.

 

Für die Transparenz

Die Werbeagentur von Mizuno hat mir die Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Mizuno Wave Shadow 4

130 €
9.1

Passform

9.0/10

Design

9.0/10

Stabilität

8.5/10

Dynamik

9.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Spaßfaktor

9.0/10

Positiv

  • Design (wenn auch Geschmacksache)
  • Dämpfung

Negativ

  • Abrollverhalten
  • Grip bei Nässe

2 Kommentare

  1. Comment by Thomas

    Thomas Antworten 24. August 2020

    Guck an… Vielleicht hatte ich einfach die Senioren-Farbe bekommen? ;) Caps rückwärts tragen kann ich auch, aber vielleicht ist aufgefallen, dass meine Kleidung nicht so eng sitzt…

    Bei der Sprengung der anderen Modelle bin ich ganz bei Dir: der Wave Rider NEO würde mich total reizen – aber nicht mit 12 mm Drop. Mir wären 4 mm lieber als 10 mm. Ob das auch das Alter ist? ;)

    Herzliche Grüße

    Thomas

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 24. August 2020

      Hi Thomas. Das mit dem Drop ist immer so eine Sache. Es gibt Schuhe, da stören mich die 10 mm nicht so. Beispielsweise beim Adios 3. Der Metaracer hat auch 9 mm. Da finde ich den Drop sogar förderlich. Aber 12 mm? Ich weiß nicht. Kann ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen.

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