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Das Thema Natural Running steht bei mir in letzter Zeit ziemlich weit hoch im Kurs. Spätestens seit der Arie mit dem Läuferknie gegen Ende des letzten Jahres. Nun kann man sich über die Definition streiten. Für den Einen ist es das Laufen in leichten Schuhen mit geringer Sprengung und wenig Dämpfung, für den Anderen mindestens Zehenschuhe oder gar der Barfußlauf. Einig sind wir uns aber sicher, dass der Umstieg länger dauern kann. Speziell die Suche nach dem Laufschuh nimmt ebenfalls geraume Zeit in Anspruch.

Auch die Laufschuhindustrie hat erkannt, dass der Kunde danach schreit. Manch einer munkelt allerdings, dass die Trends eher von der Management vorgegeben werden, als dass sie aus den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft stammen. Wie dem auch sei – ich für meinen Teil wage die vorsichtige Prognose, dass mir die Lauferei in den flacheren Tretern weniger Probleme bereitet und bereiten wird.

Auf der Suche nach geeignetem Schuhwerk bin ich auch auf Salming Running gestoßen. Eine noch recht unbekannte Marke aus Schweden, die sich Laufschuhsegment voll und ganz auf Natural Running konzentriert. „Mensch Martin, wenn das mal nicht ein Zeichen ist!“, dachte ich mir und bemühte mich um ein Testexemplar des Salming Distance. Ein Schuh für längere Einheiten mit wenig Sprengung und ausreichender Dämpfung. Genau das, was ich suche…

Ausgepackt und angeschaut

 Der Salming Distance versteht es, sich auffällig zu präsentieren. Das Gelb sticht ins Auge, das Obermaterial ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Der Salming Distance versteht es, sich auffällig zu präsentieren. Das Gelb sticht ins Auge, das Obermaterial ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Schauen wir doch mal, was da so im Karton eingetrudelt kam. Neben der grellen Optik des Schuhs fällt sofort das ungewöhnliche Obermaterialmix auf. Es besteht aus drei luftigen, atmungsaktiven Lagen. Innen und außen jeweils ein Netzgewebe und in der Mitte eine stabilisierende Schicht, optisch pittoresk mit schwarzen Elementen in Szene gesetzt. Garniert wird das alles mit dem Salming-Schriftzug, schwarz außen und weiß innen. Der Designer hat es auf der Pfanne – kann man nicht anders sagen. Nicht ganz so hübsch finde ich die glänzenden Fersen- und Zehenkappen sowie die Ausführung der Schnürung, aber das ist ja Geschmackssache.

Bei der Sohle wird es dann wissenschaftlich. Ihr besonderes Merkmal TGS 62/75°, welches sich die Schweden für sie ausgedacht haben, hört sich enorm spacig an, heißt aber nichts anderes, als dass der Abstand zwischen dem Fußballen und der Ferse 62% der Schuhlänge beträgt und die flexible Kerbe unter dem Ballen in einem 75° Winkel angeordnet ist. Ah, ok. So einfach. Die Maße habe ich jetzt bei meinen anderen Schuhen nicht nachmessen können, aber ich behaupte mal, die sehen teilweise schon recht ähnlich aus.

Damit man gleich weiß, woran man ist, steht das Maß der Sprengung (5 mm) auf der Sohle. So kauft sicher niemand die Katze im Sack.

Damit man gleich weiß, woran man ist, steht das Maß der Sprengung (5 mm) auf der Sohle. So kauft sicher niemand die Katze im Sack.

 »No Nonsense Running«. Hört sich vielleicht etwas spaßbremsig an, aber so weiß man wenigstens gleich, was Sache ist. Hier wird gerannt und nicht gejoggt!

»No Nonsense Running«. Hört sich vielleicht etwas spaßbremsig an, aber so weiß man wenigstens gleich, was Sache ist. Hier wird gerannt und nicht gejoggt!

Yeah. Ich habe die Schweden-Flagge gefunden. Und die Bestätigung, dass es sich wirklich um einen Natural Running Schuh handelt!

Yeah. Ich habe die Schweden-Flagge gefunden. Und die Bestätigung, dass es sich wirklich um einen Natural Running Schuh handelt!

Diesmal konnte ich es nicht abwarten und bin schon vor der Fotosession eine Runde mit den Schuhen gelaufen. Verzeihung. Kommt aber immer wieder mal vor. Versprochen.

Ich konnte es nicht abwarten und bin schon vor der Fotosession eine Runde mit den Schuhen gelaufen. Sorry. Kommt aber immer wieder mal vor. Versprochen.

Anprobiert und losgerannt

Ok, dann schlüpfen wir mal rein. Für einen Natural Running Schuh ist das Obermaterialmix speziell im Vorfußbereich recht steif geraten. Die Zehenbox ist ziemlich flach, und wenn man die Zehen nach oben drückt, muss man schon ordentlich Kraft aufwenden. Im Vergleich zum Newton Fate fühlt man sich hier beengt. Der New Balance Fresh Foam Zante hat zwar auch eine flache Zehenbox, dessen Mesh ist aber so nachgiebig, dass es kaum auffällt.

Was mir auch nicht so toll gefällt, ist die Schnürung des Schuhs. Ich habe einen recht schmalen Fuß und muss sie ordentlich anziehen – fast schon soweit, dass es nicht mehr geht. Die Ösen für die Marathonschnürung sind etwas klein geraten, so dass, wenn man sie denn nutzt, der Schnürsenkel sehr fest darin sitzt. Das ist für einen guten Halt zugegeben in Ordnung, macht daber das Anziehen des Schuhs nicht unbedingt einfach. Also eher kein Schnürsystem für Triathleten.

Insgesamt ist die Passform des Schuhs aber recht komfortabel, so dass einem ersten Ausflug nichts im Wege steht. Was mir sofort auffällt, ist die sehr ausgewogene Dämpfung. Das ist genau der Grad, den ich als optimal empfinde. Nicht zu hart und nicht zu schwammig. Das Abrollverhalten könnte jedoch ein klein wenig dynamischer sein, wenn man auf Tempobolzerei aus ist. Das jedoch ist aber nicht das Haupteinsatzgebiet des Schuhs. Der Name suggeriert es ja bereits – es geht um Strecke machen. Für PBs haben die Schweden den Speed oder auch den Race im Programm.

Auf meiner Lieblingsstrecke in die Aue merke ich schnell, dass eine mittlere Pace (bei mir ist das derzeit so um die 4:50/km) mit dem Schuh am sinnvollsten ist. Es geht zwar auch mehr, aber da der Distance mir nicht dynamisch genug dafür ist, ermüde ich zu schnell. Aber egal, ob Asphalt, Split oder Wiese – der Grip der Sohle passt. Also rauf auf den Hügel und die Aussicht genießen…

Einer der nächsten Läufe führte dann in den Wald, über Stock und Stein. Trotz des recht geringen Gewichts (266g bei Größe EUR 44) hatte ich immer das Gefühl stabil und ausreichend geschützt unterwegs zu sein. Selbst auf Waldwirtschaftswegen mit groben Schotter war das Laufgefühl für einen derartigen Schuh völlig ok. Gegen Ende der Strecke geht’s ordentlich bergab. Auch das meistert die Dämpfung ohne Probleme. Auf Nässe konnte ich den Distance leider bisher noch nicht testen – es will hier um’s Verrecken nicht regnen. So wie die Sohle aussieht, sollte es aber kein Problem für den Schuh sein.

Fazit

Der Salming Distance ist ein leichter Schuh für mittlere bis längere Distanzen, der mit einer ausgewogenen Dämpfung glänzen kann. Die geringe Sprengung ist sehr angenehm, aber für einen richtigen Natural Running Schuh vermisse ich etwas mehr Platz und Flexibilität im Vorfußbereich, sowie einen Hauch mehr Dynamik. Qualitativ hochwertig, solide und optisch außergewöhnlich – sozusagen der Volvo unter den Laufschuhen.

Für die Transparenz

Die Schuhe wurden mir von Salming Deutschland kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Testbericht habe ich aus freier Hand geschrieben. Es wurde keinerlei Einfluss auf den Inhalt oder die Bewertung genommen.

Salming Distance

150 €
Salming Distance
8.5

Passform

85/10

    Design

    85/10

      Stabilität

      90/10

        Dynamik

        75/10

          Verarbeitung

          95/10

            Spaßfaktor

            80/10

              Positiv

              • - Sehr ausgewogene Dämpfung
              • - Guter Grip
              • - Stabil bei geringem Gewicht
              • - Optimale, niedrige Sprengung
              • - Gute Belüftung
              • - Hochwertige Verarbeitung

              Negativ

              • - Flache Zehenbox
              • - Schnürung nicht optimal
              • - Verfügbarkeit in Läden eher gering

              5 Kommentare

              1. Comment by Sebastian

                Sebastian 10. Juni 2015

                Super Bericht! Danke dafür. Mittlerweile ist die Marke ja sehr deutlich in den (Sozialen) Medien vertreten. Ich werde mir in den nächsten Wochen selbst ein Bild davon machen und zwei Modelle testen. Berichte dazu gibt es dann natürlich auch.

                • Comment by Martin

                  Martin 10. Juni 2015

                  So richtig präsent sind sie mir noch nicht vorgekommen, aber vielleicht habe ich das verpasst.

                  Freue mich auf deine Berichte. Ist der Distance auch dabei?

              2. Comment by Sebastian

                Sebastian 10. Juni 2015

                Hab die schon in recht vielen Blogs gesehen und auch bei Instagram ist der Hersteller und die unterstützten Sportler sehr aktiv. Der Distance ist bei mir leider nicht dabei. Ich teste den Race und den Xplore 2.0.

              3. Comment by Jens

                Jens 11. Juni 2015

                Wen interessieren schon Schuhe? Nobody gives a sh*t: https://www.youtube.com/watch?v=dNZ_6rQvaq0

                Wie sieht’s denn nach einem halben Jahr mit dem Laufstil aus? Ist eine Fortsetzung des Slowmo-Waldlauf-Videos vom Anfang des Jahres geplant?

                • Comment by Martin

                  Martin 11. Juni 2015

                  Der Laufstil ist schon wesentlich besser geworden. Merke ich an a) den Zeiten und b) den ausbleibenden Schmerzen.

                  Video folgt, dauert aber noch etwas.

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