Exit

Ich stehe auf der Waage und kann es kaum glauben. Hey, das Gewicht kenne ich. Hatte ich vor knapp zwei Jahren schon mal. 81 kg – muss ein Irrtum sein, oder die Holde steht hinter mir und hat zum Spaß den Fuß auf der Waage. Ich dreh mich um. Leider ist da niemand. Ich blicke wieder herab – die Zahl ist noch da. Einundachtzigkommanull.

Mit Frust umgehen will gelernt sein

Nichts spiegelt meine derzeitige Form besser wider, als diese Situationskomik im Bad. Dieses Jahr läuft es nicht rund. Soll ja vorkommen. Was allerdings nicht sein darf, ist dass man das Dilemma künstlich aufbläht. Ich bin weder ernsthaft verletzt, noch krank. Ich bin einfach nur gefrustet, faul und nicht diszipliniert. That’s all.

Alles fing damit an, dass im Frühjahr meine Schienbeinmuskulatur meinte, mich auf den ersten Kilometern eines Laufs ärgern zu müssen. Im Sommer des letzten Jahres hatte ich das schon einmal, so dass ich beinahe meine Marathonvorbereitung auf Sparflamme herunter gefahren hätte. Je intensiver es in die Vorbereitung ging, umso besser wurde es aber wieder mit der Muskulatur – klingt komisch, war auch so. Entsprechend gut lief’s in Frankfurt. Diese Euphorie verleitete mich dazu, gleich mal einen Ultra in Angriff zu nehmen. Was dabei heraus kam? Die Vernunft hat gesiegt.

Was bleibt, ist der Frust. Die Annahme, dass jedes Jahr eine Steigerung drin ist, stellt sich als Trugschluss heraus. Auch das muss man lernen. In meinem kurzen Läuferleben kannte ich ein Scheitern noch nicht. Und selbstredend bin ich selber daran schuld, dass ich derzeit nichts auf die Kette bekomme. Abgesehen von der Plank-Challenge im Februar und etwas lieblosen Übungen auf der Blackroll gönne ich meinem alternden Astralkörper wenig Aufmerksamkeit. Laufen ja, Rumpfstabi – öhm – nein. Ein halber Regalmeter Fachliteratur mit dem Fokus Gymnastik zielen ab auf den Bauch, sind aber eher für den Hintern – wenn man sich nicht daran hält, was da Schwarz auf Weiß steht. Scheint aber unter uns Läufern ein generelles Problem zu sein. Laufen macht eben mehr Spaß, als sich auf das Verbiegen von Extremitäten zu konzentrieren.

Plan B

Wenn ich eisern an mir arbeite, bekomme ich all meine Problemchen in den Griff. Die 2-3 Kilo sind schnell wieder runter, die Schienbeinmuskeln bekomme ich auch wieder locker. Und dann? Dann renne ich wieder wie ein Irrer durch die Landschaft – für’s Ego, für die Challenges, für meine persönlichen Bestzeiten oder gar einen Sieg in der Altersklasse bei einem Volkslauf. Kann ich machen – aber die Quittung folgt garantiert.

Ich hab Lust auf Experimente. Kleines Beispiel gefällig? Sobald die Temperaturen endlich zweistellige Werte erreichen, werde ich das Thema Laufstil mal wieder in Angriff nehmen. Bei dem Projekt setze ich auf wenig Schuh am Fuß. Die Lunas wollte ich schon immer mal probieren – jetzt ist die Gelegenheit. Hier sind erst mal kurze und vor allem langsame Läufe angesagt. Also genau das Richtige um nicht wieder „rückfällig“ zu werden.

Auch bei der Ernährung werde ich mal ein wenig über den Tellerrand schauen – haha, welch Wortspiel. Jens ist nicht nur mein Trainer für meine beiden Marathons gewesen, sondern als Veganer jemand, der mir auf den Läufen den oder anderen Einblick in seine Ernährungsweise gewährt hat – ohne missionierend zu wirken. Klingt alles durchaus interessant. Ich denke zwar nicht, dass ich von dem einen auf den anderen Tag umsteigen würde, aber das ein oder andere Rezept teste ich bereits jetzt.

Nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ können meine Experimente vielleicht auch schnell ein jähes Ende haben. Kommt ganz auf den Erfolg an. Ob’s so ist, werdet ihr hier erfahren. Was meint ihr? Schaffe ich’s eisern zu bleiben?

12 Kommentare

  1. Comment by Stephan

    Stephan Antworten 21. März 2016

    Hey, wenn du mit langsam Läufe bei einem Pace von sechs Minuten meinst, würde ich mich über einen gemeinsamem Lauf freuen. Alles darunter packe ich aber nicht. :-D
    Ich hab jetzt auch gesundheitlich sieben Monate gar nichts gemacht und davor war ich eigentlich auch kaum noch Laufen. Muss also noch mehr als du wieder aufholen. Aber das wird schon…

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. März 2016

      Wenn es hilft, dass du mal wieder in die Puschen kommst, laufe ich auch eine 6er Pace. Melde dich einfach, wenn du Bock hast!

      Läufst du dieses Jahr wieder beim Volkslauf in Kaufungen?

      • Comment by Stephan

        Stephan Antworten 23. März 2016

        Ich glaube schon. Schwanke noch zwischen 5 und 10 km. Dabei bin ich aber auf jeden Fall.
        Und auf Dein Angebot komme ich gerne mal zurück.

  2. Comment by Jörn Perschbacher

    Jörn Perschbacher Antworten 22. März 2016

    Mal ein bisschen „Druck“ rausnehmen, schadet definitiv nicht. Habe auch ein sportliches Sabbatjahr gemacht, in dem ich nur nach Lust und Laune trainiert habe und auch komplett ohne Ambitionen an Wettkämpfen teilgenommen habe. Das hat richtig gut getan und mir wieder neuen Schwung gegeben.

    Lange Rede, kurzer Sinn – probier Neues aus und mach dir keinen Druck, dann kommt auch die Motivation wieder!

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 22. März 2016

      Für die nächsten Wettkämpfe habe ich mir schon vorgenommen, nicht auf Bestzeit aus zu sein. Erst in Berlin gebe ich wieder alles! :)

  3. Comment by Sebastian

    Sebastian Antworten 23. März 2016

    Viel Spaß mit den Lunas! Die machen mit den richtigen Socken ürbingens auch bei geringen Temperaturen richtig Freude. Bis 5 Grad geht es bei mir auch ganz gut ohne Socken. Ich bin damit bislang nur recht wenig gelaufen, aber selbst das ist schon eine tolle Erfahrung. Besser ist nur barfuß.

    Viel Spaß beim Druckausgleich und bei Deinen Experimenten :)

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 23. März 2016

      Mit Socken in den Lunas kann ich mich nicht anfreunden, denke ich. Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Socken und Sandalen hasse – ich sehe den typisch deutschen Urlauber vor mir. Nee, geh weg. :hehehe:

  4. Comment by Pooly

    Pooly Antworten 23. März 2016

    Kenne ich irgendwie. War 2012 in einer ähnlichen „Situation“ weil ich es 2011 wirklich ein wenig übertrieben habe. Nach dem Hoch kam eben das Loch. Wobei ich „Loch“ als jammern auf hohen Niveau bezeichnen würde. Aber man wird manchmal schon ein wenig unleidlich… ;)

    Was das Gewicht angeht mache ich mir ehrlich gesagt nie Gedanken. Solange ich halbwegs regelmäßig Sport treibe und ein wenig auf meine Ernährung achte, dann passt das schon.

    Mit dem ganzen „veganen Zeug“ beschäftige ich mich auch immer mehr.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 24. März 2016

      Ja, als ein „Loch“ würde ich meine Situation auch nicht gerade beschreiben. Gestern der Lauf war auch toll. Und die Waage zeigt auch schon wieder ein Kilo weniger an. Bin also auf einem guten Weg! :)

  5. Comment by Thorsten

    Thorsten Antworten 24. März 2016

    Ich kann dir nur raten, das Verkrampfen für Ziele zu lassen, einfach mal um des Laufens willen Läufe starten, die Natur genießen, nicht nur die Pace. Nicht im Hinterkopf wieder und wieder einen Schuhtest haben oder wo die neuen kostenlosen Modelle zum Testen herkommen, Strava als Dokumentation sehen, nicht als Zwang. Laufen kann so schön sein und werden, wenn man den Stress rausnimmt. Den haben wir doch im Alltag genug. Und die Gesundheit freut es auch.

    • Comment by Martin

      Martin Antworten 24. März 2016

      Naja, genau das schreibe ich doch – sinngemäß. ;)

      Was das Testen anbelangt, so liegt das in nächster Zeit ganz klar nicht im Focus.

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